Der Thüringer Arbeitsmarkt ist zunehmend auf internationale Beschäftigte angewiesen. Umso schwerer wiegt der Rückgang bei Arbeitnehmern aus osteuropäischen EU-Staaten, die über Jahre hinweg einen bedeutenden Teil des zusätzlichen Arbeitskräfteangebots stellten.

Seit Herbst 2023 ist ihre Zahl nach Angaben der Landesarbeitsagentur um rund 14 Prozent zurückgegangen. Ende 2025 waren noch etwa 30.700 Menschen aus diesen Staaten in Thüringen beschäftigt. Zuvor waren es knapp 36.000.

Rückgang um mehr als 5.000 Beschäftigte

Innerhalb von gut zwei Jahren verlor Thüringen damit mehr als 5.000 Arbeitnehmer aus osteuropäischen EU-Ländern.

Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Beschäftigte aus Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Tschechien und weiteren Staaten Mittel- und Osteuropas. Sie arbeiten häufig in Branchen, die seit Jahren unter Personalengpässen leiden.

Die vorliegenden Angaben nennen keine einzelne Ursache für den Rückgang. Mögliche Faktoren wie bessere Verdienstmöglichkeiten in anderen Regionen, steigende Lebenshaltungskosten oder eine stärkere Konkurrenz zwischen europäischen Arbeitsmärkten lassen sich aus den veröffentlichten Zahlen allein nicht ableiten.

Mehr Beschäftigte aus der Ukraine

Der negative Trend wird derzeit teilweise durch steigende Beschäftigungszahlen bei Menschen aus der Ukraine sowie aus anderen Nicht-EU-Staaten ausgeglichen.

Bereits Mitte 2025 waren insgesamt rund 78.540 ausländische Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig in Thüringen beschäftigt. Innerhalb eines Jahres war ihre Zahl um knapp 5.000 gestiegen, während die Zahl der deutschen Beschäftigten um rund 13.800 zurückging.

Besonders deutlich entwickelte sich die Beschäftigung von Menschen aus der Ukraine. Ihre Beschäftigungsquote stieg zwischen 2022 und 2025 von 18,4 auf 34,8 Prozent.

Thüringen braucht weiterhin Zuwanderung

Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit kann Thüringen den Rückgang der einheimischen Erwerbsbevölkerung ohne Zuwanderung kaum ausgleichen.

In den kommenden Jahren werden deutlich mehr Menschen in den Ruhestand gehen, als junge Arbeitnehmer auf den Arbeitsmarkt nachrücken. Internationale Beschäftigte werden deshalb für Unternehmen, soziale Einrichtungen, Industrie, Handwerk und Dienstleistungen immer wichtiger.

Mitte 2025 lag die Beschäftigungsquote in Thüringen bei 64,4 Prozent. Damit lag das Land über dem bundesweiten und dem ostdeutschen Durchschnitt. Die Entwicklung wurde zunehmend von ausländischen Arbeitskräften getragen.

Viele Betriebe beschäftigen noch keine Ausländer

Trotz des steigenden Fachkräftebedarfs arbeiteten Mitte 2025 nur in rund 22,8 Prozent der Thüringer Unternehmen ausländische Beschäftigte. Fast drei Viertel der Betriebe hatten demnach weiterhin keine internationalen Mitarbeiter.

Bei großen Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten gehörten internationale Belegschaften nahezu zum Normalfall. Kleine Betriebe beschäftigten dagegen deutlich seltener Arbeitnehmer aus dem Ausland.

Als mögliche Hindernisse nennt die Arbeitsagentur fehlende Erfahrungen, Sprachbarrieren sowie rechtliche und organisatorische Unsicherheiten.

Wettbewerb um Arbeitskräfte verschärft sich

Für Thüringen wird es damit nicht nur entscheidend, neue Arbeitnehmer aus dem Ausland zu gewinnen. Das Land muss bereits zugewanderte Beschäftigte auch langfristig halten.

Dazu gehören aus Sicht von Arbeitsmarktexperten verlässliche Arbeitsbedingungen, Unterstützung bei Sprache und Anerkennung von Abschlüssen sowie bezahlbarer Wohnraum und eine funktionierende Infrastruktur.

Der Rückgang bei Beschäftigten aus osteuropäischen EU-Staaten zeigt, dass Zuwanderung allein den Arbeitskräftemangel nicht automatisch löst. Thüringen steht vielmehr in einem zunehmenden Wettbewerb mit anderen Bundesländern und europäischen Staaten um mobile Arbeits- und Fachkräfte.

Quellen

Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen: Angaben zur Beschäftigungsentwicklung und zur Bedeutung internationaler Arbeitskräfte in Thüringen, 2026.