Deutschlands Industrie kommt nicht aus der schwierigen Lage heraus. Im Juli sank die Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat um 2,2 Prozent. Gegenüber Juli 2025 beträgt das Minus sogar 3,3 Prozent.
Das Bundeswirtschaftsministerium spricht von einem „Rücksetzer“ zu Beginn des dritten Quartals. Für das gesamte produzierende Gewerbe wurde ein Rückgang um 1,1 Prozent gegenüber Juni gemeldet.
Autoindustrie verliert 9,2 Prozent
Besonders deutlich fällt die Entwicklung im Fahrzeugbau aus.
Die Produktion von Kraftfahrzeugen und Fahrzeugteilen sank im Juli um 9,2 Prozent. Pharmazeutische Erzeugnisse verloren 5,7 Prozent, chemische Erzeugnisse 2,9 Prozent und Metallerzeugnisse 2,6 Prozent.
Auch energieintensive Industriezweige verzeichneten mit minus 1,7 Prozent bereits den zweiten Rückgang in Folge.
Für ostdeutsche Industriestandorte ist die Entwicklung besonders relevant. Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt verfügen über zahlreiche Standorte der Automobil-, Zuliefer-, Chemie- und Metallindustrie.
Aufträge steigen – aber wegen großer Einzelbestellungen
Auf den ersten Blick gibt es zugleich eine positive Nachricht: Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe stiegen im Juli um 2,5 Prozent und erreichten den höchsten Stand seit Dezember 2025.
Doch das Bundeswirtschaftsministerium weist selbst auf einen entscheidenden Unterschied hin.
Der Anstieg wurde stark von Großaufträgen geprägt. Ohne Großaufträge gingen die Bestellungen um 1,4 Prozent zurück.
Damit entsteht ein widersprüchliches Bild: volle Auftragsbücher in einzelnen Bereichen, gleichzeitig sinkende Produktion und Schwäche in bedeutenden Industriebranchen.
Ministerium erwartet keine schnelle breite Erholung
Das Wirtschaftsministerium nennt mehrere Belastungsfaktoren. Neben höheren Energiepreisen spielen internationale Konkurrenz und geopolitische Unsicherheiten eine Rolle.
Das Ministerium schreibt selbst, dass gewichtige Branchen wie Fahrzeug- und Maschinenbau wegen des zunehmenden internationalen Wettbewerbs unter Druck stehen. Die Aussichten auf eine breitere Belebung der Industrie im weiteren Jahresverlauf seien deshalb „verhalten“.
Damit bleibt die entscheidende wirtschaftspolitische Frage offen: Wann schlagen Investitionsprogramme und angekündigte Reformen tatsächlich in mehr industrieller Produktion durch?
Quelle
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Produktions- und Auftragsdaten September 2026