Ostdeutschlands Tourismus geht mit überwiegend positiven Vorzeichen durch den Sommer 2026. Von der Ostseeküste über Brandenburgs Seen bis nach Sachsen und Thüringen melden die statistischen Ämter vielerorts mehr Übernachtungen als im Vorjahr. Eine endgültige Sommerbilanz ist Mitte August allerdings noch nicht möglich, da die amtlichen Zahlen für Juni, Juli und August in mehreren Ländern erst später veröffentlicht werden. Die bislang verfügbaren Daten zeigen dennoch, welche Regionen mit Rückenwind in die Hauptsaison gestartet sind.

Mecklenburg-Vorpommern startet besonders stark

Das wichtigste deutsche Urlaubsland an der Ostseeküste hat den Jahresauftakt deutlich verbessert.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums Mecklenburg-Vorpommern wurden im ersten Quartal 2026 rund 1,12 Millionen Gästeankünfte und 3,96 Millionen Übernachtungen registriert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von 6,1 Prozent bei den Gästen und 4,0 Prozent bei den Übernachtungen.

Das Land kommt dabei aus einem bereits starken Jahr: 2025 wurden rund 8,2 Millionen Gästeankünfte und 33,3 Millionen Übernachtungen gezählt. Damit erreichte Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben der Landesregierung das zweitbeste Tourismusergebnis seiner Geschichte. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 3,8 Tagen lag bundesweit an der Spitze.

Der Tourismus bleibt zugleich ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Für 2025 weist eine vom Land veröffentlichte Studie touristische Bruttoumsätze von knapp acht Milliarden Euro und eine Wertschöpfung von rund 3,9 Milliarden Euro aus.

Sachsen legt bei Gästen und Übernachtungen zu

Auch Sachsen kam besser als im Vorjahr aus dem Winter.

Von Januar bis März zählten die Beherbergungsbetriebe rund 1,45 Millionen Gästeankünfte. Das waren 4,8 Prozent mehr als im ersten Quartal 2025. Die Übernachtungszahl stieg um vier Prozent auf etwa 3,53 Millionen.

Dabei zeigt sich ein bekanntes Muster: Dresden und Leipzig ziehen überdurchschnittlich viele ausländische Besucher an, während in Erzgebirge und Vogtland Gäste aus Deutschland stärker dominieren. Insgesamt kamen knapp 142.000 der Gäste im ersten Quartal aus dem Ausland; besonders häufig aus Polen, Österreich und Tschechien.

Für den Freistaat ist der positive Jahresauftakt bedeutsam, weil das Gesamtjahr 2025 schwächer ausgefallen war. Damals wurden rund acht Millionen Gäste und 19,7 Millionen Übernachtungen gezählt, jeweils weniger als ein Jahr zuvor.

Brandenburg bleibt stabil – Potsdam wächst

In Brandenburg fällt das Bild weniger dynamisch, aber ebenfalls robust aus.

Von Januar bis Mai 2026 kamen rund 1,9 Millionen Gäste, die etwa 4,8 Millionen Übernachtungen buchten. Die Zahl der Gäste lag 1,1 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, während die Übernachtungen insgesamt ungefähr auf Vorjahresniveau blieben.

Deutlich besser lief der Mai. Allein in diesem Monat wurden 583.089 Gäste und knapp 1,52 Millionen Übernachtungen registriert. Das bedeutete Zuwächse von 3,6 beziehungsweise 4,3 Prozent.

Zu den stärksten Zielen gehörten Potsdam, das Seenland Oder-Spree und die Brandenburgische Seenplatte. Im Mai führte Potsdam die Rangliste der Gemeinden mit 151.331 Übernachtungen an, gefolgt von Schönefeld, Burg im Spreewald, Senftenberg und Rheinsberg.

Bereits im ersten Quartal hatte Potsdam ein Übernachtungsplus von 7,4 Prozent erreicht.

Sachsen-Anhalt: Camping boomt

Sachsen-Anhalt startete verhaltener in das Jahr, gewann aber im Frühjahr deutlich an Tempo.

Von Januar bis Mai wurden rund 1,20 Millionen Gästeankünfte und 2,94 Millionen Übernachtungen gezählt. Damit lagen die Gästezahlen 0,6 Prozent und die Übernachtungszahlen 1,6 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.

Allein im Mai stiegen die Übernachtungen um 5,2 Prozent. Vier der fünf Reisegebiete meldeten mehr Gäste und Übernachtungen als ein Jahr zuvor. Besonders kräftig entwickelte sich die Altmark mit einem Übernachtungsplus von 11,9 Prozent im Mai.

Auffällig ist der Campingmarkt. Die Campingplätze verzeichneten im Mai fast 49 Prozent mehr Übernachtungen als ein Jahr zuvor. Von Januar bis Mai lag das Plus sogar bei 31,6 Prozent. Gleichzeitig entwickelten sich klassische Hotels und Gasthöfe deutlich schwächer.

Der Trend zeigt, dass naturnahe und vergleichsweise flexible Urlaubsformen derzeit besonders gefragt sind.

Thüringen wächst bei Übernachtungen

Auch Thüringens Tourismus konnte zum Jahresbeginn leicht zulegen.

Im ersten Quartal wurden rund 666.500 Gästeankünfte und 1,8 Millionen Übernachtungen registriert. Während die Gästezahl nahezu unverändert blieb, stiegen die Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Prozent.

Besonders stark entwickelte sich der Thüringer Wald mit fast 692.000 Übernachtungen und einem Plus von 3,5 Prozent. Erfurt legte bei den Übernachtungen um 6,8 Prozent zu, Südharz-Kyffhäuser um 8,3 Prozent. Rückgänge gab es dagegen unter anderem in Weimar und in der Welterberegion Wartburg-Hainich.

Bemerkenswert ist zudem die Entwicklung bei Ferienwohnungen und Ferienhäusern. Dort stiegen die Übernachtungen im ersten Quartal um 16,4 Prozent, während Gasthöfe und Pensionen Rückgänge meldeten.

Noch keine endgültige Sommerbilanz

Die Zahlen ergeben ein positives Zwischenbild, aber noch keine vollständige Bilanz für den Sommer 2026.

Amtliche Tourismusstatistiken erscheinen zeitversetzt. Für mehrere Länder liegen derzeit Daten nur bis Mai beziehungsweise für das erste Quartal vor. Aussagen darüber, ob Juli und August tatsächlich ein Rekordsommer geworden sind, wären deshalb verfrüht.

Erkennbar ist jedoch bereits ein gemeinsamer Trend: Ostsee, Seenlandschaften, Camping, Ferienwohnungen und touristisch starke Städte behaupten sich gut.

Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen kamen mit deutlichen Zuwächsen ins Jahr, Brandenburg liegt insgesamt stabil, Sachsen-Anhalt verzeichnet einen auffälligen Campingboom und Thüringen gewinnt vor allem bei den Übernachtungen.

Ob daraus am Ende ein außergewöhnlich starkes Tourismusjahr für Ostdeutschland wird, entscheidet sich erst nach Auswertung der Hauptreisemonate Juli und August.

Quelle:

Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen; Amt für Statistik Berlin-Brandenburg; Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt; Thüringer Landesamt für Statistik; Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern.