Der Staat spart für Kinder

Berlin. Altersvorsorge soll künftig nicht erst mit dem ersten Arbeitsplatz beginnen.

Die Bundesregierung will bereits für Kinder ab sechs Jahren monatlich Geld für die spätere Rente anlegen.

Der Bundestag beschäftigt sich am Freitag erstmals ausführlich mit dem entsprechenden Gesetzentwurf.

Vorgesehen sind zehn Euro pro Monat und Kind.

Jahrgang 2020 startet

Die Einführung soll schrittweise erfolgen.

Als erster Jahrgang sind Kinder vorgesehen, die 2020 geboren wurden und damit 2026 sechs Jahre alt werden.

Ab 2027 soll jedes Jahr der nächste Jahrgang der Sechsjährigen hinzukommen.

Ältere Kinder können zwar ebenfalls entsprechende Altersvorsorgeverträge erhalten. Nach dem derzeitigen Entwurf ist für sie jedoch keine rückwirkende staatliche Förderung vorgesehen.

Geld landet am Kapitalmarkt

Die zehn Euro sollen nicht auf ein klassisches Sparbuch eingezahlt werden.

Vorgesehen ist ein kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot.

Eltern können bei einem zugelassenen Anbieter einen entsprechenden Vertrag für ihr Kind abschließen.

Zusätzlich zum staatlichen Beitrag sollen private Einzahlungen möglich sein.

Bis zu 6.840 Euro im Jahr können nach dem derzeitigen Entwurf zusätzlich eingezahlt werden.

Auch ohne Vertrag soll Geld fließen

Die Regierung will verhindern, dass Kinder leer ausgehen, wenn ihre Eltern keinen eigenen Vertrag abschließen.

Für diesen Fall ist eine staatliche Auffanglösung vorgesehen.

Auch dann sollen monatlich zehn Euro für das betreffende Kind investiert werden.

Dafür soll ein eigenes Sondervermögen des Bundes eingerichtet werden.

Später kann das dort angesparte Kapital einem individuellen Altersvorsorgevertrag zugeordnet werden.

Kein Zugriff mit 18

Wer jetzt darauf hofft, dass das Geld mit der Volljährigkeit für Führerschein, Studium oder erste Wohnung zur Verfügung steht, wird enttäuscht.

Die Frühstartrente ist ausdrücklich für die Altersvorsorge gedacht.

Das geförderte Vermögen soll grundsätzlich erst nach Vollendung des 65. Lebensjahres ausgezahlt werden können.

Der entscheidende Vorteil soll die lange Laufzeit sein. Schon kleine monatliche Beiträge können sich über mehrere Jahrzehnte durch Erträge und Zinseszinseffekte deutlich vergrößern.

Staatliche Kosten steigen

Für den Bund wird das Modell mit jedem neuen Jahrgang teurer.

Für 2027 werden zunächst 198 Millionen Euro veranschlagt.

Bis 2030 sollen die jährlichen Ausgaben auf rund 411 Millionen Euro steigen.

Danach wächst die Zahl der gleichzeitig geförderten Kinder weiter.

Finanzwissen als Nebeneffekt

Die Frühstartrente soll nicht nur Geld fürs Alter aufbauen.

Kinder und Jugendliche sollen gleichzeitig früher mit Kapitalanlage in Berührung kommen.

Wie entwickeln sich Wertpapiere? Was bedeutet Rendite? Warum schwanken Kurse? Was bringt eine jahrzehntelange Anlagedauer?

Diese Fragen sollen künftig früher Teil der finanziellen Bildung werden.

Entscheidung fällt noch nicht

Am Freitag wird das Gesetz noch nicht endgültig beschlossen.

Es handelt sich zunächst um die erste Beratung im Bundestag.

Danach geht der Entwurf in die zuständigen Ausschüsse. Dort kann er noch verändert werden.

Erst anschließend folgt die endgültige Entscheidung über die Frühstartrente.