Millionenverluste und Krankenhausreform belasten zwei Klinikstandorte

Salzwedels Klinikum unter finanziellem Druck: Wie sicher ist die medizinische Versorgung in der Altmark?

Altmark-Klinikum kämpft weiter

Von Andreas Feldmann 8 Min. Lesezeit

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Krankenhausstandort des Altmark-Klinikums in Salzwedel, Sachsen-Anhalt. Das Klinikum kämpft mit finanziellen Schwierigkeiten, während Land und Landkreis den Erhalt der medizinischen Versorgung in Salzwedel und Gardelegen sichern wollen.
Krankenhausstandort des Altmark-Klinikums in Salzwedel, Sachsen-Anhalt. Das Klinikum kämpft mit finanziellen Schwierigkeiten, während Land und Landkreis den Erhalt der medizinischen Versorgung in Salzwedel und Gardelegen sichern wollen. Foto: © Altmark-Klinikum gGmbH

Salzwedel. Die finanzielle Krise des Altmark-Klinikums ist auch im Oktober 2026 nicht überwunden. Die beiden Krankenhäuser in Salzwedel und Gardelegen kämpfen weiterhin mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Steigende Betriebskosten, vergleichsweise geringe Patientenzahlen und verzögerte Zahlungen der Krankenkassen belasten den Klinikverbund. Bereits 2024 entstand ein Verlust von rund sieben Millionen Euro. Inzwischen musste auch der Altmarkkreis Salzwedel mehrfach finanzielle Unterstützung organisieren. Das Land Sachsen-Anhalt verspricht zwar den Erhalt beider Standorte. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wie kann eine verlässliche medizinische Versorgung in einer dünn besiedelten Region dauerhaft finanziert werden?

Wirtschaftliche Lage bleibt auch 2026 äußerst angespannt

Die jüngsten Aussagen der Salus Altmark Holding zeigen, dass die Probleme keineswegs überwunden sind.

Noch im Oktober 2026 bezeichnete eine Sprecherin der Holding die wirtschaftliche Situation des Altmark-Klinikums als äußerst angespannt.

Gleichzeitig betonte sie, dass die Krankenhäuser in Salzwedel und Gardelegen für die regionale Grund- und Regelversorgung unverzichtbar seien.

Abteilungsschließungen seien aktuell nicht geplant.

Damit hält der Klinikträger an beiden Standorten fest, obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwierig bleiben.

Das Altmark-Klinikum gehört zur Salus Altmark Holding, an der das Land Sachsen-Anhalt und der Altmarkkreis Salzwedel beteiligt sind.

Die beiden Krankenhäuser übernehmen wichtige Aufgaben der stationären medizinischen Versorgung in einer der am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands.

Für die Bevölkerung bedeutet dies, dass eine wirtschaftliche Krise des Klinikverbunds unmittelbare Auswirkungen auf die wohnortnahe Gesundheitsversorgung haben könnte.

Sieben Millionen Euro Verlust innerhalb eines Jahres

Wie ernst die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind, zeigen die Zahlen aus den vergangenen Geschäftsjahren.

Nach Angaben aus dem Kreistag erwirtschaftete das Altmark-Klinikum im Jahr 2024 einen Verlust von rund sieben Millionen Euro.

Dieser Fehlbetrag konnte nur durch erhebliche finanzielle Anstrengungen aufgefangen werden.

Der Altmarkkreis Salzwedel wandelte unter anderem fast 1,5 Millionen Euro ursprünglich vorgesehener Investitionszuschüsse in Betriebskostenzuschüsse um.

Zusätzlich erhielt der Klinikverbund Unterstützung über ein durch die Investitionsbank Sachsen-Anhalt finanziertes Darlehen.

Doch auch 2025 blieb die Situation schwierig.

Die Klinikleitung verwies auf einen weiteren Fehlbetrag und erhebliche Liquiditätsprobleme.

Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um mangelnde Wirtschaftlichkeit einzelner Abteilungen.

Ein wichtiges Problem besteht darin, dass Kosten und Einnahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallen.

Während Löhne, Energie und medizinische Verbrauchsmaterialien laufend bezahlt werden müssen, fließen bestimmte Vergütungen und Zuschläge erst erheblich später.

Dadurch kann selbst ein grundsätzlich versorgungsnotwendiges Krankenhaus in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Landkreis muss Millionenhilfen verlängern

Im April 2026 beschäftigte sich der Kreisausschuss erneut mit der finanziellen Unterstützung des Klinikverbunds.

Dabei ging es unter anderem um ein bereits gewährtes Liquiditätsdarlehen von drei Millionen Euro.

Die Rückzahlung sollte ursprünglich bis Ende Juni 2026 erfolgen.

Angesichts der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Lage wurde empfohlen, die Rückzahlungsfrist bis zum 31. Dezember 2032 zu verlängern.

Zusätzlich befürwortete der Kreisausschuss eine weitere Liquiditätshilfe von bis zu einer Million Euro.

Diese zusätzliche Kreditlinie sollte unter dem Vorbehalt der notwendigen Genehmigungen und rechtlichen Voraussetzungen eingerichtet werden.

Damit können sich die vom Landkreis bereitgestellten Liquiditätshilfen auf einen Rahmen von insgesamt bis zu vier Millionen Euro summieren.

Dabei ist jedoch zwischen bewilligten Kreditrahmen, tatsächlich abgerufenen Geldern und endgültigen Zuschüssen zu unterscheiden.

Die Beschlüsse bedeuten nicht, dass sämtliche Beträge bereits ausgezahlt wurden oder verloren sind.

Dennoch zeigt die wiederholte Unterstützung, wie stark der Klinikbetrieb auf zusätzliche finanzielle Absicherung angewiesen ist.

Streit um Geld für Krankenhäuser, Schulen und Straßen

Die Hilfen wurden auch in den kommunalpolitischen Beratungen kontrovers diskutiert.

Im Finanzausschuss wurde darauf hingewiesen, dass Mittel zur Unterstützung des Klinikums an anderer Stelle fehlen könnten.

Genannt wurden unter anderem Schulen, Kreisstraßen und freiwillige Leistungen des Landkreises.

Andere Ausschussmitglieder betonten dagegen die besondere Verantwortung der öffentlichen Hand für die medizinische Versorgung.

Gerade in einer dünn besiedelten Region dürfe die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung nicht ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden.

Die Verantwortlichen verwiesen außerdem darauf, dass es sich bei den Liquiditätshilfen um rückzahlbare Darlehen handelt.

Die Diskussion verdeutlicht ein grundsätzliches Problem.

Kommunen müssen ihre Haushalte stabil halten und gleichzeitig öffentliche Einrichtungen finanzieren, die für die Bevölkerung unverzichtbar sind.

Krankenhäuser gehören dabei zu den besonders kostenintensiven Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Warum Krankenhäuser in der Altmark besonders gefährdet sind

Die Schwierigkeiten des Altmark-Klinikums hängen eng mit den besonderen Bedingungen der Region zusammen.

Der Altmarkkreis Salzwedel ist durch kleine Städte, zahlreiche Dörfer und große Entfernungen geprägt.

Anders als in Ballungsräumen können Krankenhäuser hier nicht auf eine vergleichbar hohe Zahl von Patienten zurückgreifen.

Gleichzeitig müssen medizinische Leistungen vorgehalten werden, auch wenn sie nicht jeden Tag im gleichen Umfang benötigt werden.

Notaufnahmen müssen erreichbar bleiben.

Ärzte und Pflegekräfte werden für unterschiedliche medizinische Situationen benötigt.

Auch technische Ausstattung, medizinische Geräte und Betriebsräume verursachen laufende Kosten.

Diese Ausgaben sinken nicht automatisch, wenn weniger Menschen stationär behandelt werden.

Genau darin liegt ein grundlegendes wirtschaftliches Problem kleinerer Krankenhäuser.

Sie müssen umfangreiche Versorgungsstrukturen finanzieren, können die Kosten jedoch auf vergleichsweise wenige Behandlungsfälle verteilen.

Hinzu kommt, dass immer mehr medizinische Leistungen ambulant statt stationär erbracht werden.

Das kann für Patienten Vorteile bieten, führt bei herkömmlichen Krankenhausstrukturen jedoch häufig zu Einnahmeverlusten.

Beschäftigte mussten um Weihnachtsgeld bangen

Die wirtschaftlichen Probleme bekamen die Mitarbeiter bereits Ende 2025 unmittelbar zu spüren.

Damals verhandelte die Klinikleitung mit der Gewerkschaft ver.di über eine tarifvertragliche Not- und Härtefallregelung.

Im Mittelpunkt stand die Verschiebung der Jahressonderzahlung.

Das Weihnachtsgeld sollte nicht wie üblich ausgezahlt, sondern zunächst gestundet werden, um die Liquidität des Unternehmens zu entlasten.

Für die Beschäftigten war dies eine erhebliche Belastung.

Sie mussten befürchten, dass die finanzielle Krise ihres Arbeitgebers unmittelbare Folgen für ihr Einkommen haben könnte.

Anfang 2026 wurden zudem Überlegungen zu weiteren Einsparungen und möglichen Veränderungen beim Personal öffentlich.

Besonders problematisch ist dies vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen.

Krankenhäuser benötigen qualifizierte Pflegekräfte, Ärzte und medizinisch-technisches Personal.

Verunsicherte Beschäftigte könnten sich jedoch entscheiden, zu anderen Arbeitgebern zu wechseln.

Damit kann eine wirtschaftliche Krise zusätzlichen Druck auf die Personalversorgung ausüben.

Gesundheitsministerin verspricht Erhalt beider Krankenhäuser

Im Februar 2026 besuchte Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne das Altmark-Klinikum in Gardelegen.

Dabei versicherte sie, dass beide Krankenhausstandorte erhalten bleiben sollen.

Das Land werde helfen, bestehende Liquiditätsengpässe zu überbrücken.

Bereits Ende Januar hatte das Gesundheitsministerium erklärt, dass die Häuser in Salzwedel und Gardelegen für die medizinische Versorgung der Region unverzichtbar seien.

Nach Auffassung des Ministeriums hängt die finanzielle Notlage teilweise mit verzögerten Zahlungen zusammen.

Besonders wichtig ist dabei der sogenannte hausindividuelle Sicherstellungszuschlag.

Dieser soll Krankenhäuser unterstützen, deren Leistungen für die Bevölkerung notwendig sind, die aber wegen geringer Fallzahlen wirtschaftlich besonders belastet werden.

Das Land hatte den grundsätzlichen Anspruch des Altmark-Klinikums bereits anerkannt.

Über die konkrete Höhe mussten jedoch weitere Verhandlungen mit den Krankenkassen geführt werden.

Die Ministerin verwies auf positive Signale hinsichtlich beschleunigter Zahlungen.

Damit sollte ein Teil der Liquiditätsprobleme entschärft werden.

Krankenhausreform bringt neue Unsicherheiten

Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch die geplante Krankenhausreform.

Sachsen-Anhalt will wichtige Teile der Neuordnung ab 2027 umsetzen.

Dabei sollen medizinische Leistungen künftig stärker nach Qualitätsanforderungen und festgelegten Versorgungsbereichen organisiert werden.

Für Krankenhäuser kann dies Veränderungen bei der Finanzierung und der Verteilung medizinischer Aufgaben bedeuten.

Gesundheitsministerin Grimm-Benne warnte zuletzt vor dem hohen finanziellen und bürokratischen Druck, unter dem viele Kliniken stehen.

Nach ihren Angaben gibt es in Sachsen-Anhalt derzeit 44 Krankenhäuser an 53 Standorten.

Viele davon befinden sich in einer angespannten wirtschaftlichen Situation.

Für den ländlichen Raum ist die Reform besonders sensibel.

Denn eine Konzentration medizinischer Leistungen auf größere Einrichtungen kann wirtschaftliche Vorteile haben.

Gleichzeitig können längere Anfahrtswege entstehen, wenn bestimmte Angebote nicht mehr wohnortnah verfügbar sind.

Das Altmark-Klinikum befindet sich damit in einem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Stabilisierung und dem Anspruch, die Gesundheitsversorgung in der Fläche sicherzustellen.

Was bedeutet die Krise für Patienten?

Für Einwohner von Salzwedel, Gardelegen und den umliegenden Gemeinden steht eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Können sie sich auch künftig auf ihre Krankenhäuser verlassen?

Nach den zuletzt veröffentlichten Aussagen des Klinikträgers und des Gesundheitsministeriums lautet die Antwort zunächst ja.

Beide Standorte sollen erhalten bleiben.

Auch konkrete Abteilungsschließungen sind nach Angaben der Salus Altmark Holding aktuell nicht vorgesehen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass langfristig sämtliche bisherigen Strukturen unverändert bleiben müssen.

Mit der Krankenhausreform und den notwendigen wirtschaftlichen Anpassungen könnten sich Aufgaben und Behandlungsangebote weiterentwickeln.

Für Patienten ist vor allem entscheidend, dass medizinische Hilfe im Notfall rechtzeitig erreichbar bleibt.

In einem großflächigen Landkreis können zusätzliche Fahrzeiten eine erhebliche Rolle spielen.

Auch für ältere Menschen, Familien ohne eigenes Auto und chronisch kranke Patienten ist eine wohnortnahe Versorgung besonders wichtig.

Die Sicherung beider Krankenhausstandorte besitzt deshalb nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Bedeutung.

Neue Versorgungsmodelle für den ländlichen Raum

Die Salus Altmark Holding arbeitet nach eigenen Angaben an längerfristigen Konzepten zur wirtschaftlichen Stabilisierung.

Dabei werden auch neue Formen der medizinischen Versorgung betrachtet.

Ein wichtiger Ansatz besteht in der engeren Verbindung ambulanter und stationärer Leistungen.

Patienten könnten dadurch möglichst wohnortnah behandelt werden, während spezialisierte medizinische Eingriffe weiterhin in entsprechend ausgestatteten Einrichtungen erfolgen.

Auch internationale Vorbilder aus dünn besiedelten Regionen werden in die Überlegungen einbezogen.

Besonders skandinavische Länder verfügen über Erfahrungen mit Gesundheitsversorgung über große Entfernungen.

Solche Modelle lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen.

Sie erfordern geeignete Finanzierungsstrukturen, ausreichend Personal und funktionierende Verkehrs- sowie digitale Infrastrukturen.

Für die Altmark könnte die Verbindung unterschiedlicher Versorgungsangebote dennoch ein wichtiger Baustein der langfristigen Entwicklung sein.

Wie sicher ist die Zukunft des Altmark-Klinikums?

Die jüngsten Entwicklungen ergeben ein widersprüchliches Bild.

Einerseits bleibt die wirtschaftliche Situation des Klinikverbunds äußerst angespannt.

Millionenverluste, Liquiditätshilfen und der Druck auf die Betriebskosten zeigen, dass eine dauerhafte Stabilisierung bislang nicht erreicht wurde.

Andererseits haben das Land Sachsen-Anhalt, der Altmarkkreis Salzwedel und die beteiligten Kommunen wiederholt deutlich gemacht, dass sie am Erhalt der beiden Krankenhäuser festhalten wollen.

Auch der Klinikträger betont, dass derzeit keine Standort- oder Abteilungsschließungen geplant sind.

Eine unmittelbare Schließung der Krankenhäuser lässt sich aus den verfügbaren Informationen deshalb nicht ableiten.

Offen bleibt jedoch, wie eine langfristig tragfähige Finanzierung aussehen soll.

Entscheidend werden die künftigen Vergütungen durch die Krankenkassen, die Umsetzung der Krankenhausreform und die wirtschaftliche Neuausrichtung des Klinikverbunds sein.

Für die Menschen in der Altmark geht es dabei um weit mehr als um Bilanzen und Finanzierungsmodelle.

Es geht um die Frage, ob eine verlässliche Gesundheitsversorgung auch dort möglich bleibt, wo weniger Menschen leben und Krankenhäuser trotz geringer Patientenzahlen dringend gebraucht werden.

Die politischen Zusagen zum Erhalt der Standorte sind eindeutig. Nun muss es gelingen, diese Zusagen auch wirtschaftlich dauerhaft abzusichern.

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