Roßleben-Wiehe. Die insolvente Traditionsbäckerei Lampe aus Thüringen steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Insgesamt 15 der ursprünglich 44 Filialen sollen geschlossen werden. Auch zahlreiche Arbeitsplätze fallen weg. Von den rund 280 Beschäftigten zu Beginn des Insolvenzverfahrens sollen nach Abschluss der Sanierung noch etwa 150 übrig bleiben. Dennoch gibt es Hoffnung für das 147 Jahre alte Familienunternehmen: Die Gläubiger haben der Fortführung des Geschäftsbetriebs und der weiteren Ausarbeitung eines Insolvenzplans einstimmig zugestimmt.

Jede dritte Filiale muss schließen

Die Bäckerei Lampe mit Sitz in Roßleben-Wiehe im Kyffhäuserkreis betreibt Verkaufsstellen in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Das Unternehmen hatte vor rund vier Monaten Insolvenz angemeldet. Hohe Energie-, Rohstoff- und Personalkosten sowie der Wettbewerb mit preisgünstigen Backwaren aus Discountern hatten die wirtschaftliche Lage zunehmend belastet.

Nun steht fest, wie umfangreich die Einschnitte ausfallen sollen.

Nach Angaben von Insolvenzverwalter Dr. Frank Kreuznacht wurden bereits drei Filialen geschlossen. Weitere zwölf Standorte sollen im Rahmen des Sanierungsplans folgen.

Damit würden insgesamt 15 Verkaufsstellen wegfallen – mehr als ein Drittel des bisherigen Filialnetzes. Rechnerisch verblieben 29 Filialen.

Welche weiteren Standorte betroffen sind, wurde bislang nicht vollständig bekannt gegeben.

Rund 130 Arbeitsplätze weniger als vor der Insolvenz

Besonders schwer wiegt der Personalabbau.

Vor Beginn des Insolvenzverfahrens beschäftigte die Bäckereikette rund 280 Menschen. Nach den aktuellen Planungen sollen langfristig etwa 150 Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Bereits zu Beginn des Verfahrens hatten Beschäftigte ihre Stellen verloren. Bis zum Abschluss der Restrukturierung ist nach Angaben des Insolvenzverwalters der Abbau von weiteren rund 40 Beschäftigungsverhältnissen vorgesehen.

Für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet die Sanierung damit erhebliche Einschnitte.

Gleichzeitig soll der Personalabbau dazu beitragen, die verbleibenden Standorte wirtschaftlich abzusichern und eine vollständige Schließung des Unternehmens zu verhindern.

Gläubiger unterstützen die Rettung

Bei einer Gläubigerversammlung am Dienstag, dem 20. Oktober 2026, wurde der eingeschlagene Sanierungskurs einstimmig unterstützt.

Das ist ein wichtiger Schritt für die Brüder André und Stephan Lampe, die das Familienunternehmen bereits in sechster Generation führen.

Durch die Schließung unrentabler Filialen sollen insbesondere Miet-, Personal- und weitere Betriebskosten sinken.

Parallel laufen Verhandlungen mit den Gläubigern, um die Schuldenlast zu reduzieren.

Insolvenzverwalter Kreuznacht beurteilt die wirtschaftliche Entwicklung inzwischen deutlich positiver. Die bisherigen Maßnahmen hätten die Rentabilität verbessert, die laufende Geschäftslage sei stabiler geworden.

Eine endgültige Rettung ist damit allerdings noch nicht beschlossen. Dafür muss der Insolvenzplan weiter ausgearbeitet und erfolgreich umgesetzt werden.

Traditionelles Bäckerhandwerk unter Kostendruck

Der Fall Lampe zeigt beispielhaft, welchen wirtschaftlichen Herausforderungen sich traditionelle Bäckereibetriebe stellen müssen.

Steigende Energiepreise verteuern den Betrieb von Backöfen, Kühlanlagen und Verkaufsstellen. Zugleich erhöhen Rohstoffkosten und Personalaufwendungen den finanziellen Druck.

Hinzu kommt die Konkurrenz großer Supermarkt- und Discounterketten, die Backwaren häufig zu niedrigeren Preisen anbieten können.

Gerade Filialnetze mit zahlreichen Verkaufsstellen verursachen erhebliche laufende Kosten. Bleiben die Umsätze einzelner Standorte hinter den Erwartungen zurück, kann das die Wirtschaftlichkeit des gesamten Unternehmens belasten.

Für kleinere Städte und ländliche Regionen bedeutet die Schließung traditioneller Bäckereifilialen zudem den Verlust örtlicher Einkaufsmöglichkeiten.

Hoffnung auf Fortbestand der Bäckerei Lampe

Trotz der angekündigten Schließungen deutet sich für die Traditionsbäckerei eine Perspektive an.

Mit der Zustimmung der Gläubiger kann der eingeschlagene Sanierungskurs fortgesetzt werden. Entscheidend wird sein, ob die verbliebenen Filialen ausreichend Umsatz erwirtschaften und die Kosten dauerhaft gedeckt werden können.

Für die Beschäftigten und Kunden bleibt zunächst die Unsicherheit, welche Standorte bestehen bleiben.

Die Bäckerei Lampe soll nach 147 Jahren nicht vollständig verschwinden. Doch der Preis für ihren Fortbestand ist hoch: 15 Filialen und zahlreiche Arbeitsplätze fallen dem Sanierungskurs zum Opfer.