Stadt ordnet Betrieb ihres Innovationszentrums neu

Zwönitz: Millionenprojekt Buntspeicher bekommt neue kommunale Betriebsstruktur

Neue Zukunft für Buntspeicher

Von Christian Richter 7 Min. Lesezeit

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Der sanierte Buntspeicher in Zwönitz im Erzgebirgskreis. Das ehemalige Industriegebäude aus dem Jahr 1912 wurde für rund 20 Millionen Euro zu einem modernen Gründer- und Innovationszentrum umgebaut.
Der sanierte Buntspeicher in Zwönitz im Erzgebirgskreis. Das ehemalige Industriegebäude aus dem Jahr 1912 wurde für rund 20 Millionen Euro zu einem modernen Gründer- und Innovationszentrum umgebaut. Foto: Stadt Zwönitz / BUNTSPEICHER ZWÖNITZ

Zwönitz. Rund 20 Millionen Euro hat die Umwandlung eines ehemaligen Industriegebäudes in ein modernes Gründer- und Innovationszentrum gekostet. Jetzt stellt die Stadt Zwönitz im Erzgebirgskreis die wirtschaftliche Organisation ihres Buntspeichers neu auf. Mit der am 23. Oktober 2026 veröffentlichten Betriebssatzung für den kommunalen Eigenbetrieb „Buntspeicher“ erhält das Vorzeigeprojekt eine eigene betriebliche Struktur. Der Schritt soll die langfristige Entwicklung des Gebäudes als Standort für Unternehmen, Existenzgründer und digitale Innovationen unterstützen.

Stadt schafft eigenen Betrieb für Millionenprojekt

Die neue Betriebssatzung wurde in den amtlichen Mitteilungen der Stadt Zwönitz vom 23. Oktober veröffentlicht. Bereits am 29. September hatte sich der Stadtrat mit der Gründung eines kommunalen Eigenbetriebs, dessen Wirtschaftsplan und der Ernennung eines Betriebsleiters befasst.

Damit geht das Projekt in eine neue organisatorische Phase.

Ein kommunaler Eigenbetrieb ist rechtlich Teil der Stadt, wird jedoch wirtschaftlich und organisatorisch gesondert geführt. Er verfügt über eine eigene Betriebsleitung sowie eine gesonderte Wirtschaftsplanung und Rechnungslegung.

Eine solche Struktur soll ermöglichen, Einnahmen, Ausgaben und Investitionen eines größeren kommunalen Projekts nachvollziehbar zu steuern.

Für den Buntspeicher ist das von besonderer Bedeutung. Das Innovationszentrum soll nicht lediglich Räume vermieten, sondern Unternehmen vernetzen, Gründungen unterstützen und technische Infrastruktur bereitstellen.

Der Betrieb eines solchen Hauses unterscheidet sich erheblich von der gewöhnlichen Verwaltung kommunaler Immobilien.

Aus alter Buntweberei wurde ein Innovationszentrum

Die Geschichte des Gebäudes reicht bis ins Jahr 1912 zurück. Ursprünglich wurde der markante Bau für die Buntweberei Alois Wetzel errichtet.

Später diente das Gebäude als Kornspeicher. Aus dieser Nutzung entwickelte sich die bis heute gebräuchliche Bezeichnung Speicher.

Nach der politischen Wende wurde das Gebäude gewerblich genutzt. Im Jahr 1993 ging es in den Besitz der Gebrüder Roth über, die dort einen Baufachmarkt betrieben.

2020 kaufte die Stadt Zwönitz das historische Industriegebäude.

Damit begann eines der ehrgeizigsten kommunalen Entwicklungsprojekte der vergangenen Jahre.

Ab 2021 wurde der Speicher umfassend saniert und für seine neue Nutzung umgebaut. Ziel war es, die historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig moderne Arbeitsplätze, Werkstätten und Veranstaltungsflächen zu schaffen.

Am 13. August 2024 wurde der Buntspeicher offiziell eröffnet.

Die Investitionen beliefen sich auf rund 20 Millionen Euro. Ursprünglich waren deutlich geringere Kosten und eine kürzere Bauzeit vorgesehen gewesen.

Steigende Baupreise und die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sowie des Ukrainekriegs trugen zur Verteuerung des Vorhabens bei.

Das Ergebnis ist ein Gebäude, das die Industriegeschichte der Stadt mit neuen wirtschaftlichen Perspektiven verbinden soll.

Moderne Technik für Unternehmen und Existenzgründer

Der Buntspeicher versteht sich als Anlaufstelle für Menschen, die neue Produkte entwickeln, Unternehmen gründen oder gemeinsam an digitalen Lösungen arbeiten möchten.

Dafür stehen unterschiedliche Arbeitsbereiche zur Verfügung.

Ein Schwerpunkt ist der sogenannte Makerspace. In dieser offenen Werkstatt können Nutzer moderne Fertigungstechnologien kennenlernen und eigene Ideen praktisch umsetzen.

Zur Ausstattung gehören unter anderem 3D-Drucker, technische Maschinen für die Bearbeitung unterschiedlicher Materialien und Arbeitsbereiche für Elektronik.

Ergänzt wird das Angebot durch ein Studio für Foto-, Video- und Audioproduktionen.

Neben technischen Einrichtungen gibt es flexible Büroarbeitsplätze, Besprechungsräume und Flächen für Veranstaltungen.

Das Konzept richtet sich sowohl an etablierte Unternehmen als auch an junge Gründer, Selbstständige und kreative Arbeitsgemeinschaften.

Besonders wichtig ist dabei die Möglichkeit, unterschiedliche Arbeitsbereiche miteinander zu verbinden.

Aus einer ersten Idee soll möglichst schnell ein funktionierender Prototyp und daraus im besten Fall ein wirtschaftlich erfolgreiches Produkt entstehen können.

Zwönitz setzt auf Digitalisierung im ländlichen Raum

Der Buntspeicher ist eng mit der Smart-City-Strategie der Stadt verbunden.

Zwönitz beteiligt sich am bundesweiten Programm „Modellprojekte Smart Cities“, mit dem Kommunen digitale Technologien für ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung einsetzen sollen.

Während sich entsprechende Projekte häufig auf größere Städte konzentrieren, verfolgt Zwönitz einen ausdrücklich kleinstädtischen Ansatz.

Digitale Innovationen sollen nicht nur in den Metropolen entstehen, sondern auch im ländlichen Erzgebirge.

Der Buntspeicher übernimmt dabei eine zentrale Funktion.

Hier kommen Unternehmen, kommunale Einrichtungen, Bildungsträger und interessierte Bürger zusammen.

Das Smart-City-Team der Stadt hat ebenfalls seinen Sitz im Gebäude.

Dadurch sollen Ideen aus Wirtschaft und Gesellschaft unmittelbar mit der kommunalen Entwicklung verbunden werden.

Zu den Zielen gehören die Unterstützung neuer Geschäftsmodelle, die Vermittlung digitaler Kompetenzen und die Stärkung regionaler Unternehmen.

Langfristig soll das Innovationszentrum dazu beitragen, qualifizierte Fachkräfte im Erzgebirge zu halten und neue berufliche Perspektiven zu schaffen.

Mehr als eine halbe Million Euro für die Bildung

Dass der Buntspeicher nicht ausschließlich als Unternehmensstandort gedacht ist, zeigt ein weiteres Projekt aus dem Jahr 2026.

Der Förderverein Lebenswertes Zwönitz erhielt im Juni einen Fördermittelbescheid über mehr als 500.000 Euro für ein Bildungsprojekt.

Im Mittelpunkt steht die Förderung von Kindern und Jugendlichen in mathematischen, informatischen, naturwissenschaftlichen und technischen Fächern.

Schüler sollen dabei unmittelbar mit regionalen Unternehmen zusammenarbeiten können.

Geplant sind praxisorientierte Lernangebote, bei denen junge Menschen technische Aufgaben lösen und moderne Technologien kennenlernen.

Der Buntspeicher soll dafür seine vorhandenen Werkstätten und Demonstrationsanlagen bereitstellen.

Das Bildungsprojekt ist zunächst auf 24 Monate angelegt.

Für die regionale Wirtschaft könnte diese Verbindung von Schule und Unternehmen langfristig von Bedeutung sein.

Gerade kleinere und mittelständische Betriebe im Erzgebirge stehen vor der Herausforderung, ausreichend qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen.

Wenn junge Menschen frühzeitig Einblicke in technische Berufe erhalten, kann dies ihre spätere Berufswahl beeinflussen.

Wirtschaftlicher Erfolg wird zur entscheidenden Frage

Mit der neuen kommunalen Betriebsstruktur rückt die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Buntspeichers stärker in den Mittelpunkt.

Denn mit dem Ende der aufwendigen Bauphase beginnt für solche Projekte eine mindestens ebenso wichtige Aufgabe: der dauerhafte Betrieb.

Gebäudeunterhaltung, Energieversorgung, technisches Personal und die Wartung moderner Maschinen verursachen laufende Kosten.

Diese müssen durch Einnahmen, kommunale Mittel und gegebenenfalls weitere Förderungen gedeckt werden.

Das Betriebskonzept des Buntspeichers sieht deshalb mehrere Einnahmequellen vor.

Dazu gehören die Vermietung von Büro- und Arbeitsflächen, Veranstaltungen sowie zusätzliche Dienstleistungen für Unternehmen.

Auch Beratungsangebote, die Nutzung technischer Maschinen und die Organisation von Netzwerktreffen sollen eine Rolle spielen.

Das Ziel ist ein wirtschaftlich nachhaltiger Betrieb, der über eine gewöhnliche Immobilienvermietung hinausgeht.

Wie schnell und in welchem Umfang dieses Ziel erreicht werden kann, hängt unter anderem von der Auslastung des Gebäudes und der Nachfrage nach den angebotenen Dienstleistungen ab.

Die neue Betriebsstruktur schafft dafür einen organisatorischen Rahmen. Sie ist jedoch noch kein Beleg dafür, dass das Innovationszentrum bereits kostendeckend arbeitet.

Millioneninvestition soll langfristig Arbeitsplätze schaffen

Für Zwönitz ist der Buntspeicher mehr als ein saniertes Industriedenkmal.

Die Stadt verbindet mit dem Projekt die Hoffnung, neue Unternehmen anzuziehen und bestehende Betriebe bei ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Das ist gerade im Erzgebirge von besonderer Bedeutung.

Die Wirtschaftsregion ist traditionell von mittelständischer Industrie, Handwerk und technischen Spezialbetrieben geprägt.

Zahlreiche Unternehmen verfügen über umfangreiches Fertigungswissen, müssen sich jedoch zunehmend mit Digitalisierung, Automatisierung und dem Fachkräftemangel auseinandersetzen.

Der Buntspeicher soll hier eine Brücke schlagen.

Kleine Unternehmen können technische Möglichkeiten nutzen, ohne sämtliche Anlagen selbst anschaffen zu müssen.

Existenzgründer erhalten Zugang zu Arbeitsräumen und Netzwerken.

Etablierte Betriebe können mit jungen Unternehmen und Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten.

Ob daraus tatsächlich zusätzliche Arbeitsplätze und dauerhafte Unternehmensansiedlungen entstehen, wird sich erst über einen längeren Zeitraum beurteilen lassen.

Kann der Buntspeicher zum Vorbild für andere Kleinstädte werden?

Das Projekt wird bereits überregional als Beispiel für digitale Wirtschaftsförderung im ländlichen Raum vorgestellt.

Im Rahmen des bundesweiten Smart-City-Dialogs gilt der Buntspeicher als Modell dafür, wie historische Gebäude für neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufgaben genutzt werden können.

Dabei steht nicht allein die Sanierung eines alten Industriebaus im Vordergrund.

Entscheidend ist die Verbindung aus moderner Technik, flexiblen Arbeitsmöglichkeiten, Bildungsangeboten und kommunaler Wirtschaftsförderung.

Ein solches Konzept könnte auch für andere ostdeutsche Städte interessant sein.

In vielen Regionen stehen ehemalige Fabriken, Speicher oder andere Industriegebäude leer, während gleichzeitig Flächen für moderne Arbeitsformen benötigt werden.

Allerdings zeigt Zwönitz auch, dass der Umbau solcher Gebäude erhebliche finanzielle Mittel erfordern kann.

Nicht jede Kommune verfügt über die notwendigen Fördermöglichkeiten oder die wirtschaftlichen Voraussetzungen, um ein vergleichbares Vorhaben umzusetzen.

Umso wichtiger wird die Frage, ob der Buntspeicher langfristig einen messbaren Nutzen für die örtliche Wirtschaft schafft.

Für Zwönitz beginnt die nächste entscheidende Phase

Gut zwei Jahre nach der offiziellen Eröffnung steht das Millionenprojekt vor einer weiteren Entwicklungsstufe.

Die historische Bausubstanz ist saniert, die technischen Einrichtungen sind vorhanden und erste Unternehmen sowie Bildungspartner nutzen die Möglichkeiten des Gebäudes.

Mit der neuen kommunalen Betriebsstruktur soll nun die langfristige Organisation des Innovationszentrums auf eine eigenständige wirtschaftliche Grundlage gestellt werden.

Die zentrale Herausforderung liegt darin, den Buntspeicher dauerhaft mit wirtschaftlicher Aktivität zu füllen.

Neue Unternehmensgründungen, eine hohe Auslastung der Arbeitsflächen und erfolgreiche Bildungsprojekte könnten dazu beitragen, die Investition langfristig zu rechtfertigen.

Für die Stadt bedeutet das weiterhin eine große Verantwortung.

Rund 20 Millionen Euro wurden investiert, um einem historischen Industriegebäude eine neue Zukunft zu geben.

Ob sich daraus ein dauerhaft erfolgreicher Innovationsstandort entwickelt, wird nicht allein an der Architektur oder der technischen Ausstattung zu erkennen sein.

Entscheidend wird sein, ob der Buntspeicher auch in den kommenden Jahren Unternehmen, Arbeitsplätze und neue wirtschaftliche Perspektiven nach Zwönitz bringt.

Themen: StrukturwandelDigitalisierungDenkmalschutzExistenzgründungWirtschaftsförderungErzgebirgeFördermittelSmart CityZwönitzBuntspeicher

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