100 Millionen Euro für Zeulenroda: Bauerfeind baut neuen Campus und stärkt Industriestandort
Medizinhersteller setzt auf Wachstum
Während zahlreiche Industrieunternehmen über steigende Kosten, Produktionsverlagerungen und Stellenabbau klagen, setzt der Thüringer Medizinproduktehersteller Bauerfeind ein deutliches Zeichen für seinen Heimatstandort. Rund 100 Millionen Euro investiert das Unternehmen in Zeulenroda-Triebes in drei große Bauprojekte. Allein der neue Unternehmenscampus kostet etwa 60 Millionen Euro. Am Freitag, 23. Oktober 2026, wurde eine Zeitkapsel in das Fundament des Neubaus eingelassen. Bis Februar 2028 soll der Campus fertiggestellt werden. Für die Region bedeutet das eine der bedeutendsten aktuellen Industrieinvestitionen.
Bauerfeind baut Standort für 100 Millionen Euro aus
In Zeulenroda-Triebes im Landkreis Greiz entsteht derzeit ein umfangreicher neuer Unternehmensbereich.
Die Bauerfeind AG erweitert ihre Produktions-, Lager- und Entwicklungsflächen. Insgesamt umfassen die aktuellen Investitionen rund 100 Millionen Euro.
Das Geld fließt in drei große Projekte: einen neuen Unternehmenscampus, die Erweiterung der Zentrallogistik und den Bau einer Energiezentrale.
Der Campus selbst schlägt nach aktuellen Angaben mit rund 60 Millionen Euro zu Buche.
Damit setzt der Hersteller medizinischer Hilfsmittel auf einen langfristigen Ausbau seiner Kapazitäten in Ostthüringen.
Am 23. Oktober wurde ein symbolischer Meilenstein erreicht. Eine Zeitkapsel mit Dokumenten und Gegenständen aus dem Jahr 2026 wurde im Fundament des neuen Gebäudekomplexes versenkt.
Sie enthält unter anderem Baupläne, Mitarbeiterfotos, Unternehmensinformationen und Münzen.
Die Kapsel soll späteren Generationen einen Einblick in die Entstehungszeit des Campus ermöglichen.
Neue Produktionshallen, Labore und Betriebsrestaurant
Mit dem Neubau entstehen zusätzliche Flächen für die Herstellung medizinischer Produkte und die Lagerung von Rohwaren.
Auch Forschung und Entwicklung erhalten neue Räumlichkeiten.
Damit sollen Produktentwicklung, Erprobung und Fertigung künftig enger miteinander verbunden werden.
Das Unternehmen erwartet dadurch kürzere Wege und eine schnellere Umsetzung neuer Ideen.
Ein weiterer Bestandteil des Campus ist ein eigenständiges Gemeinschaftsgebäude.
Dort soll unter anderem ein modernes Betriebsrestaurant entstehen.
Zusätzlich sind Räume für Besprechungen, Schulungen und Veranstaltungen vorgesehen.
Die Gebäude sollen nicht nur dem Wachstum der Produktion dienen, sondern auch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verbessern.
Mehr als 600 Lastwagenladungen Beton für den Neubau
Die Dimension des Projekts zeigt sich bereits an den benötigten Baumaterialien.
Nach Angaben der Bauleitung werden rund 5.000 Kubikmeter Frischbeton verarbeitet.
Das entspricht mehr als 600 Lastwagenladungen.
Dazu kommen etwa 950 Tonnen Bewehrungsstahl und mehrere Hundert vorgefertigte Betonelemente.
Besonders anspruchsvoll ist die Konstruktion des neuen Gemeinschaftsgebäudes.
Dessen architektonische Gestaltung sieht abgerundete Gebäudeteile vor.
Dadurch ergeben sich besondere Anforderungen beim Bau der Fundamente und der Schalungen.
Nach Angaben der Bauleitung liegt das Projekt derzeit sowohl zeitlich als auch finanziell im vorgesehenen Rahmen.
Die Eröffnung des neuen Campus ist für Februar 2028 geplant.
Unternehmen wächst seit sechs Jahren
Der Vorstandsvorsitzende Rainer Berthan begründet die Investitionen mit der positiven wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens.
Bauerfeind befindet sich seinen Angaben zufolge bereits das sechste Jahr in Folge auf Wachstumskurs.
Die Nachfrage nach medizinischen Hilfsmitteln steigt international.
Das Unternehmen produziert unter anderem Bandagen, Orthesen, medizinische Kompressionsstrümpfe und orthopädische Einlagen.
Solche Produkte werden beispielsweise nach Verletzungen, bei Erkrankungen des Bewegungsapparates oder zur Unterstützung medizinischer Behandlungen eingesetzt.
Der Konzern will durch zusätzliche Produktionskapazitäten seine Lieferfähigkeit sichern.
Gleichzeitig soll mehr Raum für Innovationen entstehen.
1.500 Beschäftigte arbeiten in Zeulenroda
Bauerfeind beschäftigt weltweit rund 2.600 Menschen.
Etwa 1.500 davon arbeiten am Standort Zeulenroda.
Damit zählt das Unternehmen zu den wichtigen Arbeitgebern der Region.
Die Investitionsentscheidung besitzt deshalb auch eine Bedeutung für den Arbeitsmarkt im Landkreis Greiz.
Sie sichert zwar nicht automatisch eine bestimmte Zahl zusätzlicher Arbeitsplätze.
Sie zeigt jedoch, dass das Unternehmen weiterhin einen erheblichen Teil seiner Produktion und Entwicklung in Thüringen ansiedeln will.
Konkrete Angaben dazu, wie viele neue Stellen durch den Campus entstehen werden, liegen bislang nicht vor.
Modernes Logistikzentrum für internationale Lieferungen
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zentrallogistik.
Dort werden die Lager- und Transportmöglichkeiten erweitert.
Das Unternehmen plant moderne automatisierte Lagertechnik.
In einem neuen Shuttle-Lager sollen künftig mehr als 45.000 Behälter Platz finden.
Über 100 automatisierte Fahrzeuge sollen dort Waren bewegen.
Die Erweiterung ist darauf ausgelegt, die wachsende internationale Nachfrage zuverlässiger bedienen zu können.
Dafür investiert Bauerfeind rund 30 Millionen Euro.
Die vollständige Umsetzung der Logistikerweiterung ist nach früheren Projektangaben bis 2029 vorgesehen.
Die unterschiedlichen Fertigstellungstermine zeigen, dass das gesamte Investitionsprogramm aus mehreren eigenständigen Bauabschnitten besteht.
Neue Energiezentrale soll Standort versorgen
Neben Campus und Logistik entsteht eine neue Energiezentrale.
Eine leistungsfähige Versorgung ist für industrielle Produktionsstandorte von besonderer Bedeutung.
Sie muss Produktionsanlagen, Lagertechnik, Forschungseinrichtungen und weitere Betriebsgebäude zuverlässig unterstützen.
Mit dem Neubau schafft Bauerfeind zusätzliche technische Infrastruktur für seine Erweiterungen.
Welche konkreten Einsparungen bei Energieverbrauch und Betriebskosten durch die neue Anlage erwartet werden, ist bislang nicht abschließend veröffentlicht.
Fast 100 Jahre Unternehmensgeschichte in Thüringen
Die Wurzeln von Bauerfeind reichen bis 1929 zurück.
Damals wurde das Unternehmen in Zeulenroda gegründet.
Über die Jahrzehnte entwickelte sich daraus ein international tätiger Hersteller medizinischer Hilfsmittel.
Die Unternehmensgeschichte ist eng mit dem industriellen Wandel Ostdeutschlands verbunden.
Nach der deutschen Wiedervereinigung veränderten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend.
Bauerfeind entwickelte sich dennoch weiter und baute internationale Absatzmärkte auf.
Heute verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben über mehr als 500 Patente.
Forschung und Produktentwicklung spielen damit eine wichtige Rolle für seine Wettbewerbsfähigkeit.
Investition als Signal für den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland
Die Entscheidung für den Ausbau in Zeulenroda fällt in eine wirtschaftlich schwierige Zeit.
In Teilen der ostdeutschen Industrie stehen Unternehmen unter erheblichem Kostendruck.
Hohe Energiepreise, Fachkräftebedarf und internationaler Wettbewerb belasten zahlreiche Betriebe.
Bauerfeind setzt dagegen auf eine Erweiterung am bestehenden Standort.
Vorstandschef Berthan verwies darauf, dass das Unternehmen die besonderen Fähigkeiten seiner Beschäftigten und die Unterstützung aus der Region schätze.
Das Vertrauen in den Standort sei ein wesentlicher Grund für die Investition.
Damit zeigt das Projekt, dass Industrieunternehmen auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen langfristig in Ostdeutschland investieren.
Allerdings lassen sich die Voraussetzungen eines erfolgreichen Medizinprodukteherstellers nicht ohne Weiteres auf sämtliche anderen Branchen übertragen.
Campus soll 2028 eröffnen
Bis Februar 2028 soll der neue Unternehmenscampus fertiggestellt werden.
Anschließend sollen dort zusätzliche Produktions-, Forschungs- und Gemeinschaftsbereiche genutzt werden.
Mit der Erweiterung der Logistik und dem Bau der Energiezentrale wird das Investitionsprogramm ergänzt.
Die Größenordnung von rund 100 Millionen Euro unterstreicht die Bedeutung des Standorts Zeulenroda für Bauerfeind.
Für Ostthüringen ist dies eine wirtschaftlich positive Nachricht.
Ein Traditionsunternehmen mit internationalen Absatzmärkten investiert langfristig in seine Heimatregion und verbindet industrielle Fertigung mit Forschung, moderner Logistik und neuen Arbeitswelten.