Ein deutlicher Bruch in Brandenburgs CDU-Nachwuchsorganisation: Laura Strohschneider hat ihr Amt als Landesvorsitzende der Jungen Union Brandenburg niedergelegt und zugleich ihren Austritt aus der CDU erklärt.

In einer Mitteilung an Parteimitglieder begründete sie diesen Schritt mit grundlegender Kritik am politischen Kurs der Bundesregierung und am Spitzenpersonal der Union. Die Entwicklungen der vergangenen Monate hätten tiefe Spuren in ihrem Glauben an die gemeinsame politische Mission hinterlassen, schrieb Strohschneider.

Kritik an Glaubwürdigkeit der Parteiführung

Strohschneider wirft führenden Vertretern der CDU vor, ihre Glaubwürdigkeit verloren zu haben. Sie kritisiert eine Bundespolitik, die aus ihrer Sicht nicht mehr zu den Erwartungen vieler Mitglieder und Wähler passe.

Besonders deutlich wird ihre Enttäuschung bei der Wirtschafts- und Leistungspolitik. Nach ihrer Einschätzung erleben die Menschen eine Politik, die es den Fleißigen schwerer statt leichter mache. Sie habe zunehmend Schwierigkeiten gehabt, ihr eigenes politisches Engagement im persönlichen Umfeld zu erklären und zu rechtfertigen.

Strohschneider erklärte, sie wolle nicht monatelang ohne Überzeugung an ihrem Amt festhalten. Stattdessen übergebe sie den Landesverband nun an ihre Stellvertreter.

Erst im November im Amt bestätigt

Der Rücktritt kommt nur wenige Monate nach ihrer Wiederwahl. Ende November 2025 war Strohschneider auf einem Treffen der Jungen Union in Luckau mit 73,49 Prozent der Stimmen erneut zur Landesvorsitzenden gewählt worden. Damals betonte sie, die JU müsse wichtige Themen setzen, Klartext reden und verhindern, dass Zukunftspolitik im Tagesgeschäft untergehe.

Strohschneider hatte die Junge Union Brandenburg seit 2023 geführt. Darüber hinaus war sie Beauftragte für Ostdeutschland und Strukturwandel der Jungen Union Deutschlands sowie Beisitzerin im Landesvorstand der CDU Brandenburg. Der Partei gehörte sie seit 2016 an.

Mit ihrem Austritt legt sie nach eigener Darstellung auch ihre weiteren Funktionen in CDU und JU nieder.

CDU Brandenburg bedauert den Rückzug

Die Brandenburger CDU reagierte mit Bedauern auf den Rücktritt. Landesgeneralsekretär Julian Brüning erklärte, gerade in schwierigen Zeiten brauche die Union Menschen, die mit Leidenschaft daran arbeiteten, dass es mit Deutschland wieder bergauf gehe.

Zugleich richtete Brüning deutliche Erwartungen an die Bundesregierung. Der Umbau in Regierung, Fraktion und Partei müsse dazu führen, dass die drängenden Probleme schneller und konzentrierter gelöst würden. Die Bundesregierung müsse nun gemeinsam liefern.

Damit räumt auch die Landespartei indirekt ein, dass innerhalb der Union erheblicher Reformdruck besteht.

Kritik an der Bundespolitik wächst

Strohschneiders Austritt fällt in eine Phase deutlicher Spannungen innerhalb der CDU. In der Jungen Union und in Teilen der ostdeutschen Landesverbände gibt es seit Monaten Kritik an Entscheidungen der Bundesregierung.

Zu den Streitpunkten gehören unter anderem Rentenpolitik, Staatsausgaben, Bürokratie und die Frage, ob die Bundesregierung ihre angekündigten Reformen schnell genug umsetzt. Bereits in der Vergangenheit hatte Strohschneider stärkere Sparanstrengungen und einen konsequenteren Abbau staatlicher Hürden gefordert.

Auch beim Rentenpaket war die Junge Union auf Distanz zur Bundespolitik gegangen. Der Nachwuchsverband warnte vor zusätzlichen Belastungen für die jüngere Generation.

Eine ungewöhnlich deutliche Abrechnung

Dass ein Landesvorsitzender einer parteinahen Jugendorganisation nicht nur sein Amt niederlegt, sondern zugleich die Mutterpartei verlässt, ist ein weitreichender Schritt.

Strohschneider beschränkt sich nicht auf Kritik an einzelnen Sachfragen. Sie stellt vielmehr die Glaubwürdigkeit des Führungspersonals und die politische Richtung der Partei grundsätzlich infrage. Nach Medienberichten schrieb sie, sie schäme sich inzwischen für Teile der Bundespolitik.

Damit dürfte ihr Rückzug auch über Brandenburg hinaus wahrgenommen werden. Er zeigt, wie groß die Enttäuschung bei Teilen des Parteinachwuchses inzwischen ist.

Wer übernimmt die Junge Union Brandenburg?

Nach Angaben Strohschneiders sollen zunächst ihre Stellvertreter Verantwortung für den Landesverband übernehmen. Auf der Internetseite der Jungen Union Brandenburg werden Carlo Wittich und Jonas Roch als stellvertretende Landesvorsitzende genannt. Eine endgültige Entscheidung über die Nachfolge war zunächst nicht bekannt.

Die Junge Union muss nun klären, wie sie personell und politisch weiterarbeiten will. Entscheidend wird sein, ob der Verband den Kurs der bisherigen Vorsitzenden fortsetzt oder sich enger an der Landes- und Bundespartei orientiert.

Rückschlag für die CDU im Osten

Für die CDU Brandenburg ist der Austritt ihrer bisherigen JU-Landeschefin mehr als eine Personalie. Strohschneider stand für eine jüngere, wirtschaftsnahe und ostdeutsch geprägte Stimme innerhalb der Partei.

Sie lebt in Drebkau in Südbrandenburg, ist Juristin und führt ein eigenes Unternehmen. Zu ihren politischen Schwerpunkten zählten Bürokratieabbau, wirtschaftliche Freiheit und die besonderen Herausforderungen Ostdeutschlands.

Ihr Abgang dürfte deshalb die Diskussion darüber verstärken, ob die CDU junge und engagierte Mitglieder ausreichend an sich binden kann.

CDU steht vor einer Vertrauensfrage

Der Rücktritt zeigt, dass sich der Streit innerhalb der Union nicht allein um einzelne Reformen dreht. Es geht zunehmend um Vertrauen in die Führung und um die Frage, ob politische Ankündigungen auch umgesetzt werden.

Strohschneider zieht für sich eine klare Konsequenz: Sie gibt nicht nur ihr Amt auf, sondern verlässt die Partei vollständig.

Für die CDU Brandenburg bleibt nun die Aufgabe, den Landesverband der Jungen Union zu stabilisieren und zugleich auf die inhaltliche Kritik zu reagieren. Denn ein bloßes Bedauern dürfte nicht ausreichen, wenn sich der Eindruck verfestigt, dass junge Parteimitglieder den Kurs der Union nicht mehr mittragen können.

Quellen

CDU Brandenburg, Junge Union Brandenburg und öffentliche Erklärung von Laura Strohschneider.