Die Flüsse nicht weiter einengen, sondern ihnen gezielt ihren natürlichen Raum zurückgeben: Auf dieses Prinzip setzt das Umweltministerium Sachsen-Anhalt beim modernen Hochwasserschutz. Zum Abschluss seiner diesjährigen Sommertour besichtigte Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann im Landkreis Stendal zwei erfolgreich umgesetzte Großprojekte nahe Sandau, wo der Elbe durch Deichrückverlegungen wieder deutlich mehr Auslauf gewährt wird.
30 Millionen Euro für die Sicherheit im Elbe-Havel-Winkel
Im Zuge der Maßnahmen nördlich und südlich von Sandau wurden auf einer Gesamtlänge von rund 6,2 Kilometern zwei neue, DIN-gerechte Deiche im Hinterland errichtet. Durch das Schlitzen der alten Deichanlagen kann sich die Elbe bei künftigen Hochwassern nun auf einer zusätzlichen Fläche von rund 184 Hektar ausbreiten.
Insgesamt investierten Bund und Land rund 30 Millionen Euro in die beiden Vorhaben des Nationalen Hochwasserschutzprogramms – davon 18 Millionen Euro vom Bund und 12 Millionen Euro vom Land Sachsen-Anhalt.
„Mit Blick auf den Klimawandel und die erwartete Zunahme stärkerer Hochwasser reicht es nicht mehr aus, Deiche einfach immer höher zu bauen. Hier kommen wir schlichtweg an Grenzen“, erklärte Minister Willingmann vor Ort. Die Flutkatastrophe von 2013 im Elbe-Havel-Winkel habe gezeigt, welche Zerstörungskraft das Wasser entfalten kann. Wenn sich Flüsse bei Extremwetter gezielt ausbreiten können, senke das den Hochwasserscheitel und schütze Anwohner sowie Infrastrukturen flussabwärts effektiv. Zugleich entstehen wertvolle Auenlebensräume für geschützte Tier- und Pflanzenarten.
Weitere Großprojekte im Landkreis Stendal in Planung
Die Maßnahmen bei Sandau sind Teil des landesweiten Programms „Fluss, Natur, Leben“, das insgesamt 34 Projekte umfasst – darunter 24 Deichrückverlegungen und 10 Flutungspolder.
Im Landkreis Stendal stehen bereits die nächsten Vorhaben an:
Wahrenberg: Eine länderübergreifende Deichrückverlegung gemeinsam mit Niedersachsen und Brandenburg.
Tangermünde: Eine Deichrückverlegung mit integriertem Flutpolder.
Allein diese beiden Großprojekte sollen künftig knapp 5.600 Hektar zusätzliche Überschwemmungsfläche im Kreis Stendal schaffen.
Über 385 Millionen Euro seit 2002 investiert
Seit der Jahrhundertflut im Jahr 2002 flossen im Landkreis Stendal insgesamt rund 385 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung des Hochwasserschutzes – davon allein etwa 287 Millionen Euro seit 2013. Ein wichtiger Meilenstein für die Region: Im Elbe-Havel-Winkel entsprechen inzwischen alle Elbedeiche den aktuellen technischen Standards zum Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser.
Quellen & Datenbasis
- Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt: Pressemitteilung zum Abschluss der Hochwasserschutz-Sommertour von Minister Armin Willingmann bei Sandau im Landkreis Stendal (2026).