Wernigerode, 6. September 2026. Die Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode hat ihren zweiten Klimagarten eröffnet. Auf rund 2.390 Quadratmetern wurde ein Plattenbau-Innenhof in der Ernst-Pörner-Straße umgestaltet, sodass dort mehr Grün, Schatten und Rückhalteflächen für Regenwasser entstehen.
Der Innenhof soll zugleich als Aufenthalts- und Begegnungsort für die Bewohner des Quartiers dienen. Zur Eröffnung am 3. September kam auch Sachsen-Anhalts Umweltstaatssekretär Thomas Wünsch nach Wernigerode.
Die GWW reagiert mit dem Projekt auf Belastungen, die in dicht bebauten Wohngebieten besonders deutlich werden können. Versiegelte Flächen speichern an heißen Tagen viel Wärme. Bei starkem Regen kann Wasser zudem nur schwer in den Boden gelangen.
Flächen wurden entsiegelt und begrünt
Für den Klimagarten entfernte die Wohnungsbaugesellschaft Teile der bisherigen Versiegelung. Anschließend wurden die Flächen begrünt und mit Bäumen sowie weiteren Pflanzen ausgestattet.
Die Vegetation soll Schatten spenden und über die Verdunstung zu einem angenehmeren Umfeld beitragen. Ob und in welchem Umfang sich die Temperaturen im Innenhof dadurch messbar verändern, geht aus der Mitteilung des Landesumweltministeriums nicht hervor.
Auch das Regenwasser soll künftig stärker vor Ort zurückgehalten werden. Das entlastet bei Niederschlägen die Kanalisation und stellt den Pflanzen im Innenhof Wasser zur Verfügung. Welche technischen Speichersysteme oder Versickerungslösungen eingesetzt wurden, nennt das Ministerium nicht.
Von der Umgestaltung sollen neben den Anwohnern auch Tiere und Pflanzen profitieren. Neu geschaffene Grünflächen können zusätzliche Lebensräume bieten. Angaben zu den verwendeten Pflanzenarten enthält die Pressemitteilung nicht.
Innenhof soll zum Treffpunkt werden
Der Klimagarten dient nicht ausschließlich der Anpassung an hohe Temperaturen und Starkregen. Die neu gestaltete Fläche soll auch die Aufenthaltsqualität im Wohngebiet verbessern.
Sitz- und Grünbereiche können den Bewohnern einen gemeinsamen Treffpunkt unmittelbar vor ihren Wohnungen bieten. Damit verbindet das Projekt ökologische Maßnahmen mit einer sozialen Nutzung des Innenhofs.
Gerade in größeren Wohnanlagen haben gemeinschaftlich nutzbare Außenflächen eine wichtige Funktion. Sie schaffen Begegnungsmöglichkeiten, ohne dass die Bewohner dafür das Quartier verlassen müssen.
Umweltstaatssekretär Thomas Wünsch bezeichnete kommunale Wohnungsunternehmen bei der Klimaanpassung als wichtige Partner. Sie seien nicht nur für Gebäude verantwortlich, sondern wirkten durch die Gestaltung der Außenflächen auch auf das unmittelbare Wohnumfeld ein.
Die GWW hatte bereits zuvor einen ersten Klimagarten in Wernigerode umgesetzt. Wo sich dieser befindet und welche Erfahrungen dort gesammelt wurden, erläutert die aktuelle Mitteilung nicht.
Hitzetage belasten dicht bebaute Quartiere
Das Umweltministerium verweist zur Einordnung auf die hohen Temperaturen des Sommers 2026. Am 27. Juni wurden in Möckern-Drewitz 41,8 Grad Celsius gemessen. Nach Angaben des Ministeriums war dies der bislang höchste in Deutschland registrierte Temperaturwert.
Insgesamt verzeichnete Sachsen-Anhalt im Sommer 21 Tage mit Temperaturen von mindestens 30 Grad. An fünf Tagen wurden mehr als 35 Grad erreicht.
Besonders in dicht bebauten Gebieten können sich Straßen, Fassaden und versiegelte Innenhöfe stark aufheizen. Pflanzen, unversiegelte Böden und schattenspendende Bäume sollen dieser Entwicklung auf lokaler Ebene entgegenwirken.
Seit Beginn der langfristigen Aufzeichnungen im Jahr 1881 ist die mittlere Temperatur in Sachsen-Anhalt nach Angaben des Ministeriums um rund 1,6 Grad Celsius gestiegen. Neben längeren Hitze- und Trockenperioden stellt Starkregen die Städte vor zusätzliche Aufgaben.
Klimagärten können diese Probleme nicht allein lösen. Sie sind eine Maßnahme auf Quartiersebene, mit der versiegelte Flächen verringert und Regenwasser örtlich zurückgehalten werden kann.
Kosten und Messergebnisse bleiben offen
Die Pressemitteilung enthält keine Angaben zu den Kosten des zweiten Wernigeröder Klimagartens. Auch eine mögliche Förderung durch das Land oder andere öffentliche Stellen wird nicht genannt.
Offen bleibt zudem, ob die Wirkung des Projekts wissenschaftlich begleitet wird. Temperaturmessungen, Daten zur gespeicherten Wassermenge oder feste Kriterien für eine spätere Auswertung werden in der Mitteilung nicht aufgeführt.
Solche Angaben wären wichtig, um beurteilen zu können, welche Maßnahmen besonders wirksam sind und ob sich das Konzept auf andere Wohnquartiere übertragen lässt. Der neue Innenhof zeigt zunächst, welche baulichen und gestalterischen Möglichkeiten eine kommunale Wohnungsgesellschaft nutzen kann.
Für die Bewohner der Ernst-Pörner-Straße ist die Veränderung bereits sichtbar. An die Stelle eines überwiegend versiegelten Innenhofs ist eine begrünte Fläche getreten, die Regenwasser aufnehmen und Raum für Begegnungen bieten soll.
Quelle: Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt; Pressemitteilung Nr. 166/2026 „Wünsch: Anpassung an den Klimawandel stärker in der Stadtplanung berücksichtigen“ vom 3. September 2026