Jahrgangsübergreifender Unterricht und flexiblere Klassengrößen sollen nach dem Willen von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund helfen, Unterrichtsausfall in Sachsen-Anhalt zu begrenzen. Von solchen Modellen könnten insbesondere kleinere Schulen im ländlichen Raum profitieren.

MAGDEBURG. Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat sich dafür ausgesprochen, Schülerinnen und Schüler verschiedener Jahrgangsstufen gemeinsam zu unterrichten, wenn andernfalls Unterricht ausfallen würde.

Das Modell sei keine optimale Lösung, könne angesichts fehlender Lehrkräfte aber eine sinnvolle Alternative sein, erklärte Siegmund bei der Diskussionsveranstaltung „RND vor Ort“ in Magdeburg.

Unterricht soll trotz Personalmangels stattfinden

Neben dem jahrgangsübergreifenden Lernen fordert Siegmund mehr Flexibilität bei der Größe von Schulklassen. Klassen sollten demnach nicht automatisch geteilt werden, wenn dadurch zusätzliche Lehrkräfte benötigt würden und Unterrichtsstunden gefährdet seien.

Entscheidend müsse sein, den regulären Unterricht überhaupt sicherzustellen. Sachsen-Anhalt kämpft seit Jahren mit einem erheblichen Lehrkräftebedarf und daraus resultierendem Unterrichtsausfall. Das Bildungsministerium veröffentlicht dazu langfristige Bedarfsberechnungen bis zum Jahr 2035.

Chance für kleinere Schulen auf dem Land

Jahrgangsübergreifender Unterricht kann besonders für kleinere Grundschulen in dünn besiedelten Regionen eine Möglichkeit sein, Standorte trotz niedriger Schülerzahlen und fehlender Lehrkräfte zu erhalten.

In Sachsen-Anhalt hatten sich zuvor auch die Grünen für einen stärkeren Einsatz dieses Modells ausgesprochen, um kleine Landschulen zu sichern. Beim grundsätzlichen Ziel, Schulstandorte im ländlichen Raum zu erhalten, gibt es damit zumindest in diesem Punkt Überschneidungen zwischen politischen Lagern.

Gerade für Dörfer und kleinere Städte hat eine Schule eine Bedeutung, die über den Unterricht hinausgeht. Sie ist häufig ein wichtiger Standortfaktor für junge Familien und trägt dazu bei, dass Gemeinden lebendig bleiben.

Landesregierung rechnet weiter mit Unterrichtsausfall

Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze räumte bei der Veranstaltung ein, dass eine vollständige Unterrichtsversorgung kurzfristig nicht erreicht werden könne. Auch in den kommenden Schuljahren müsse weiterhin mit Ausfällen gerechnet werden.

Schulze sieht das Land dennoch auf einem besseren Weg. Eine hundertprozentige Versorgung werde allerdings weder im nächsten noch im unmittelbar folgenden Schuljahr möglich sein.

Pragmatischer Vorschlag mit offenen Fragen

Der Ansatz der AfD stellt den Erhalt des Unterrichts in den Mittelpunkt und könnte kleinen Standorten zusätzliche Möglichkeiten eröffnen. Wie das Konzept konkret ausgestaltet werden soll, etwa hinsichtlich der Ausbildung der Lehrkräfte, der Unterrichtsorganisation und der betroffenen Klassenstufen, wurde bei der Gesprächsrunde jedoch nicht näher erläutert.

Auch bleibt zu prüfen, unter welchen Bedingungen jahrgangsübergreifender Unterricht pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden kann. Der Vorschlag liefert dennoch einen konkreten Beitrag zur Debatte darüber, wie Schulen trotz Lehrermangels arbeitsfähig bleiben können.

Quellen

Diskussionsveranstaltung „RND vor Ort“ mit den Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt; Berichterstattung vom 27. Juli 2026.

Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt: Informationen zum langfristigen Lehrkräftebedarf.