Berlin hat im Jahr 2025 deutlich weniger Geld in neue Radwege investiert, als im Haushalt zur Verfügung stand. Nach dem Fahrrad-Fortschrittsbericht der Verkehrsverwaltung wurden einschließlich der Bundesmittel knapp 27 Millionen Euro ausgegeben. Verfügbar waren insgesamt rund 82,4 Millionen Euro.
Damit blieb die tatsächlich investierte Summe um mehr als 55 Millionen Euro unter dem bereitstehenden Betrag. Gegenüber 2024 gingen die Ausgaben für den Radverkehr um knapp vier Millionen Euro zurück.
Aus dem Bericht geht hervor, dass die zuständigen Verwaltungsbereiche ihre Budgets sehr unterschiedlich ausschöpften. Die Abteilung Verkehr verwendete lediglich etwa ein Drittel der verfügbaren Mittel. Im Bereich Tiefbau wurden dagegen rund 80 Prozent ausgegeben.
Nur 21,2 Kilometer neue Radwege
Die geringen Investitionen machen sich beim Ausbau der Infrastruktur bemerkbar. Im vergangenen Jahr wurden in Berlin 21,2 Kilometer neue Radwege fertiggestellt.
Im Jahr 2022 waren es noch 32,4 Kilometer. Seitdem ging die Länge der jährlich neu gebauten Strecken kontinuierlich zurück.
Das geplante Berliner Radverkehrsnetz umfasst rund 2.400 Kilometer. Zwischen 2017 und 2025 wurden davon lediglich gut 140 Kilometer fertiggestellt. Das entspricht etwa 5,8 Prozent des vorgesehenen Netzes.
Bleibt das gegenwärtige Ausbautempo bestehen, wird die Umsetzung noch viele Jahre dauern. Besonders an stark befahrenen Hauptstraßen fehlen weiterhin durchgehende und geschützte Verbindungen.
Streit über Verkehrspolitik vor der Berlin-Wahl
Die Zahlen dürften die verkehrspolitische Debatte kurz vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus verschärfen. Am 20. September 2026 entscheiden die Berliner über die künftige Zusammensetzung des Landesparlaments.
Beim Radverkehr treffen unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Während Befürworter mehr geschützte Wege und schnellere Planungsverfahren fordern, verlangen Kritiker, die Interessen von Autofahrern, Lieferverkehr und Gewerbetreibenden stärker zu berücksichtigen.
Der Fortschrittsbericht zeigt jedoch zunächst ein Umsetzungsproblem: Selbst ein erheblicher Teil der bereits bewilligten Mittel wurde nicht für konkrete Vorhaben eingesetzt.
Geld allein beschleunigt den Ausbau nicht
Die Zahlen machen deutlich, dass höhere Haushaltsansätze allein keinen schnellen Ausbau garantieren. Notwendig sind auch abgeschlossene Planungen, personelle Kapazitäten, Genehmigungen und baureife Projekte.
Welche Gründe im Einzelnen dazu führten, dass mehr als die Hälfte der verfügbaren Mittel nicht eingesetzt wurde, geht aus der veröffentlichten Zusammenfassung des Berichtes nicht hervor.
Für den nächsten Senat stellt sich deshalb nicht nur die Frage, wie viel Geld für Radwege bereitgestellt wird. Entscheidend wird sein, ob die vorhandenen Mittel tatsächlich verbaut und geplante Verbindungen fertiggestellt werden.
Quelle: Bericht vom 8. September 2026; Fahrrad-Fortschrittsbericht der Berliner Verkehrsverwaltung für das Jahr 2025