Neuwerben. Die umfassende Sanierung des Wehrs Neuwerben im Landkreis Stendal schreitet voran. Rund 60 Millionen Euro sollen insgesamt in die Modernisierung der wichtigen Hochwasserschutzanlage an der Landesgrenze zu Brandenburg fließen. Nach Angaben des Umweltministeriums Sachsen-Anhalt wurden bislang 51 Millionen Euro investiert.

Umweltminister Armin Willingmann informierte sich am 24. Juli bei seiner Hochwasserschutz-Tour „Sachsen-Anhalt wasserfest“ über den Stand der Arbeiten. Das Wehr gehört zur Wehrgruppe Quitzöbel und ist Teil des Nationalen Hochwasserschutzprogramms.

Zentrale Anlage für den Schutz an Elbe und Havel

Im Normalbetrieb ist das Wehr geschlossen. Es verhindert, dass Wasser aus der Elbe unkontrolliert in die Havelniederung strömt. Bei kritischen Hochwasserlagen kann es geöffnet werden, damit Wasser gezielt in die Havelpolder geleitet wird.

Dadurch soll die Überschwemmungsgefahr für Orte und Bewohner weiter elbabwärts verringert werden. Nach einer Flut fließt das Wasser über den Gnevsdorfer Vorfluter wieder zurück in die Elbe.

Willingmann bezeichnete das Wehr als ein zentrales Element des Hochwasserschutzes. Die Anlage müsse zuverlässig funktionieren, damit die Polder bei extremen Hochwasserlagen kontrolliert geflutet werden könnten.

Bauwerk stammt aus den 1950er-Jahren

Das Wehr wurde zwischen 1949 und 1954 errichtet. Nach mehreren Jahrzehnten Betrieb müssen Brücke, Stahlbauteile, Hydraulik und Steuerungstechnik an moderne Anforderungen angepasst werden.

Auch die Erfahrungen aus den schweren Elbehochwassern der Jahre 2002 und 2013 fließen in die Sanierung ein. Hinzu kommen verschärfte technische und sicherheitsrechtliche Standards.

Der Ersatzneubau der Wehrbrücke ist bereits abgeschlossen. Derzeit werden Wehrsohlen und Pfeiler verstärkt und Maßnahmen gegen Erosion umgesetzt. Außerdem entstehen neue Wehr- und Revisionsverschlüsse.

Steuerungstechnik bereits erneuert

Die elektronische Steuerungstechnik wurde nach Angaben des Ministeriums bereits ausgetauscht. Die endgültige Programmierung soll erfolgen, sobald die mechanischen Arbeiten abgeschlossen sind.

Aktuell werden zudem die Antriebe der Wehrverschlüsse schrittweise überarbeitet. Die Herstellung der neuen Verschlüsse sei bereits weit fortgeschritten.

Neben dem Hochwasserschutz erfüllt das Bauwerk eine weitere Aufgabe: In Niedrigwasserphasen kann die steuerbare Trennung zwischen Elbe und Havelniederung dazu beitragen, den Wasserstand der Elbe anzuheben. Das ist insbesondere für die Schifffahrt von Bedeutung.

Finanzierung aus mehreren Programmen

Die Sanierung wird aus EU-, Bundes- und Landesmitteln finanziert. Dazu gehören Mittel aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“, dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums sowie der Aufbauhilfe nach dem Hochwasser von 2013.

Seit 2002 wurden im Landkreis Stendal nach Angaben des Umweltministeriums insgesamt rund 385 Millionen Euro in die Verbesserung des Hochwasserschutzes investiert.

Das Wehr Neuwerben ist eine Schlüsselanlage für den Hochwasserschutz im nördlichen Sachsen-Anhalt. Die rund 60 Millionen Euro teure Sanierung soll das mehr als 70 Jahre alte Bauwerk technisch und baulich auf den neuesten Stand bringen.

Mit bereits investierten 51 Millionen Euro ist ein großer Teil des Projekts umgesetzt. Die laufenden Arbeiten konzentrieren sich nun vor allem auf Wehrverschlüsse, Antriebe und mechanische Bauteile.

Quellen

Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt: Pressemitteilung Nr. 129/2026 vom 24. Juli 2026: „60 Millionen Euro für Sanierung des Wehrs Neuwerben: Willingmann informiert sich an der Elbe über den Baufortschritt“.