Fünf Parteien haben ihre Pläne für Sachsen-Anhalts Wälder vorgelegt, und ihre Antworten zeigen klare politische Unterschiede, weil Naturschutz, Holznutzung und Eigentumsrechte verschieden gewichtet werden.
Die BundesBürgerInitiative WaldSchutz hat CDU, SPD, Die Linke, FDP und Bündnis 90/Die Grünen vor der Landtagswahl befragt. Im Mittelpunkt stehen Hochwasserschutz, Holzverbrennung, Forstmaschinen, Transparenz und die EU-Wiederherstellungsverordnung.
Die Antworten sind politische Absichtserklärungen. Konkrete Flächenziele, Kosten und verbindliche Fristen fehlen bei allen fünf Parteien.
Parteien streiten über Schutzwald
Die Grünen wollen klimaangepasste Mischwälder, mehr Auenwald und strengere ökologische Regeln im Landeswald. Totholz soll häufiger im Wald bleiben. Außerdem unterstützt die Partei Waldflächen ohne wirtschaftliche Nutzung.
Die Linke befürwortet zusätzliche Schutzwälder in Gebieten mit besonderer Bedeutung für Hochwasser-, Wasser- oder Erosionsschutz. Gleichzeitig will sie die regionale Holzwirtschaft erhalten.
Die SPD setzt auf klimaresiliente Dauerwälder. Sie will den Landesforstbetrieb personell stärken und kleine Waldbesitzer beim Waldumbau unterstützen. Eine ausdrückliche Zusage für mehr Schutzwaldflächen gibt sie nicht.
Die CDU lehnt eine pauschale Ausweitung der Schutzwälder ab. Neue Flächen sollen nur ausgewiesen werden, wenn ihre Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Die Partei hält eine aktive Bewirtschaftung auch in Schutzwäldern für notwendig.
Die FDP stellt die wirtschaftliche Nutzung in den Vordergrund. Zusätzliche gesetzliche Eingriffe in das Eigentum lehnt sie ab. Leistungen für Hochwasser-, Klima- und Artenschutz sollen stattdessen vergütet werden.
Holzverbrennung trennt FDP und Grüne
Den größten Gegensatz zeigen die Antworten beim Heizen mit Holz. Die FDP bezeichnet die thermische Nutzung als grundsätzlich klimaneutral, sofern ausreichend aufgeforstet wird. Restholz, Schwachholz und Holz aus Kurzumtriebsplantagen sollen weiterhin verbrannt werden dürfen.
Die Grünen widersprechen dieser Einschätzung. Sie verweisen auf Kohlendioxid, Feinstaub und Stickoxide, die bei der Verbrennung entstehen. Langfristig wollen sie Holzheizungen durch Wärmepumpen, Solarthermie und Wärmenetze ersetzen.
Die Linke betrachtet den Wald nicht als Brennstofflager. Holz soll zuerst beim Bauen, Sanieren oder in langlebigen Produkten eingesetzt werden. Die Verbrennung steht für die Partei erst am Ende der Nutzungskette.
Auch die SPD fordert den Vorrang der stofflichen Nutzung. Reststoffe sollen vor Primärholz eingesetzt werden. Die Partei verweist auf den InnovationsHub FOKUS HOLZ+KLIMA und die Bioraffinerie im Chemiepark Leuna.
Die CDU erkennt die Klimabelastung und die Schadstoffemissionen der Holzverbrennung an. Sie will aber weiterhin Holz aus Pflege, Durchforstung und Schadensbeseitigung energetisch verwerten.
Konkrete Regeln für Forstmaschinen fehlen
Die Grünen nennen leichte Maschinen, Seilkräne und kürzere Befahrungszeiten bei nassen Böden. Messsysteme sollen Bodenfeuchte, Tragfähigkeit und Verdichtung erfassen. Rückegassen sollen auf das notwendige Maß begrenzt werden.
Die Linke verlangt ebenfalls weniger Rückegassen und kleinere Maschinen. Förderprogramme sollen bodenschonende Verfahren attraktiver machen. Der Landeswald soll dabei eine Vorbildrolle übernehmen.
Die SPD erklärt lediglich, dass Bodenverdichtung vermieden werden müsse. Konkrete Grenzwerte oder Förderinstrumente nennt sie nicht.
Die CDU hält eine praktikable Zahl von Rückegassen für notwendig. Auch sie legt keine messbaren Vorgaben vor. Die FDP verweist allgemein auf Innovation, Wissenschaft und die Weiterentwicklung der forstlichen Praxis.
Transparenz bleibt politischer Konflikt
Grüne und Linke wollen Bewirtschaftungsziele, Einschlagmengen, Fördermittel und größere Eingriffe in öffentlichen Wäldern offenlegen. Öffentliche Förderung soll nach Ansicht der Linken an ökologische Leistungen gebunden werden.
Die SPD unterstützt mehr Transparenz. Sie will Waldbesitzer in die Entscheidungen einbeziehen und den Landesforst stärken. Einzelheiten zur Veröffentlichung von Einschlagmengen oder Planungen fehlen jedoch.
CDU und FDP betonen die Rechte der Eigentümer. Die CDU sieht keinen Bedarf für eine staatlich koordinierte Bewirtschaftung. Die FDP lehnt zusätzliche Eingriffe ab und setzt auf finanzielle Anreize.
EU-Waldschutz spaltet die Parteien
Grüne, Linke und SPD unterstützen die EU-Wiederherstellungsverordnung grundsätzlich. Die Grünen verlangen klare Zeitpläne sowie ausreichendes Personal. Die Linke fordert zusätzlich Geld von Bund und EU. Die SPD will Kommunen, Landwirtschaft, Naturschutzverbände und Eigentümer beteiligen.
Die FDP hält pauschale Vorgaben der Verordnung für falsch. Deutschland müsse sie dennoch umsetzen. Nutzungseinschränkungen sollen finanziell ausgeglichen werden.
Die CDU bewertet die Verordnung besonders kritisch. Sie will Verbesserungen zunächst auf bestehende Naturschutzgebiete konzentrieren. Eine Ausweitung geschützter Flächen lehnt sie ohne klare Kriterien und gesicherte Finanzierung ab.
Auch beim zuständigen Ministerium herrscht keine Einigkeit. Die Grünen sind für einen Wechsel der Forstpolitik in das Umweltministerium offen. Die Linke schlägt ein gemeinsames Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt, Energie, Wald, Wasser und Klimaschutz vor.
Die SPD will den Ressortzuschnitt möglichen Koalitionsverhandlungen überlassen. Die FDP lehnt einen Wechsel ab. Die CDU verfolgt den entgegengesetzten Weg und will die Umweltpolitik dem Land- und Forstwirtschaftsministerium zuordnen.
Der Vergleich zeigt zwei politische Lager. Grüne und Linke wollen ökologische Vorgaben und Transparenz ausbauen. CDU und FDP schützen wirtschaftliche Nutzung und Eigentumsrechte stärker. Die SPD besetzt häufig eine mittlere Position, bleibt aber bei wichtigen Instrumenten unkonkret.
Quelle: Antworten von CDU, SPD, Die Linke, FDP und Bündnis 90/Die Grünen auf die Wahlprüfsteine der BundesBürgerInitiative WaldSchutz zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026