Nach dem Cyberangriff auf das Berliner Landesnetz fordern mutmaßliche Erpresser 30 Bitcoin. Das entspricht rund zwei Millionen Euro, während die Behörden das Ausmaß des Datenabflusses weiter untersuchen.

Hacker stellen Berliner Daten zur Versteigerung

Die Täter veröffentlichten ihre Forderung auf einer Seite im Darknet. Dort sollen Interessenten sieben Tage lang auf die erbeuteten Daten bieten können. Als Urheberin tritt die Cybergruppe Rhysida auf, die bereits mit Angriffen auf öffentliche Einrichtungen und Unternehmen in Verbindung gebracht wurde.

Nach Angaben der Gruppe wurden mehr als 1,4 Millionen Dateien durchsucht. Diese Angabe bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Dateien kopiert wurden. Berliner Behörden können den von den Tätern behaupteten Umfang bislang nicht vollständig bestätigen.

Die Hacker behaupten, über rund 46.000 Verträge, mehr als 11.000 vertrauliche Dokumente und knapp 6.000 Passwörter zu verfügen. Hinzu kommen nach Darstellung der Gruppe etwa 16.000 E-Mails und 148 Kontoverbindungen. Auch Unterlagen zu Disziplinarverfahren sowie Zugangsdaten von Führungskräften könnten betroffen sein.

Berlin lehnt Lösegeldzahlung ab

Der Berliner Senat will auf die Forderung nicht eingehen. Innensenatorin Iris Spranger erklärte, dass sich die Bundeshauptstadt nicht erpressen lasse. Die Entscheidung entspricht den Empfehlungen vieler IT-Sicherheitsexperten, weil Lösegeldzahlungen das Geschäftsmodell krimineller Gruppen finanzieren.

Eine Verweigerung der Zahlung beseitigt das Risiko für Betroffene jedoch nicht. Die Täter könnten die Daten veröffentlichen oder an andere kriminelle Akteure verkaufen. Personenbezogene Informationen, Passwörter und Kontodaten könnten dann für Betrugsversuche, Identitätsdiebstahl oder weitere Erpressungen missbraucht werden.

Daten flossen mindestens eine Woche ab

Die Angreifer sollen spätestens am 7. August in das Berliner Landesnetz eingedrungen sein. Entdeckt wurde der Angriff erst am 14. August. Damit konnten mindestens eine Woche lang Daten aus den betroffenen Systemen abfließen.

Die Senatsverwaltungen für Verkehr und Stadtentwicklung wurden anschließend vom übrigen Landesnetz getrennt. Der Angriff führte auch zu Einschränkungen bei mehreren Bürgerdiensten. Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um den größten bekannten Cybervorfall in der Berliner Landesverwaltung.

Ermittler prüfen Umfang des Angriffs

Das Landeskriminalamt und die Berliner Staatsanwaltschaft ermitteln gemeinsam mit Sicherheitsbehörden des Bundes. Im Mittelpunkt stehen die Identität der Täter, der technische Ablauf des Angriffs und die Frage, welche Daten tatsächlich kopiert wurden.

Noch ist nicht abschließend geklärt, ob sämtliche im Darknet genannten Unterlagen authentisch sind. Die Behörden müssen deshalb jedes betroffene System einzeln untersuchen. Zugleich geht es darum, mögliche Sicherheitslücken zu schließen und gefährdete Zugangsdaten zu sperren.

Der Cyberangriff trifft Berlin wenige Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl. Nach Angaben der Verantwortlichen ist die Wahlinfrastruktur nicht betroffen. Die Aufarbeitung dürfte dennoch länger dauern, weil neben technischen Schäden auch mögliche Folgen für Beschäftigte und Bürger geprüft werden müssen.

Quelle: rbb24 und Berliner Senatskanzlei