Das Bitterfelder Stadtfest findet am ersten Septemberwochenende nicht statt. Der Innenstadtverein verweist auf Sicherheitsbedenken, während Polizei und Landkreis bislang keine konkrete erhöhte Gefährdung erkennen.
Innenstadtverein befürchtet Sicherheitsprobleme
Der Förderverein Bitterfelder Innenstadt sagte das traditionelle Fest bereits Anfang August ab. Die Veranstaltung sollte rund um den Markt stattfinden und zahlreiche Besucher aus Bitterfeld-Wolfen sowie der Umgebung anziehen.
Als Begründung nennt der Verein ein zeitgleich geplantes antifaschistisches Protestcamp. Aus Sicht der Organisatoren des Stadtfestes sei die Sicherheitslage durch die parallelen Veranstaltungen nicht mehr beherrschbar gewesen.
Das Protestcamp trägt das Motto „Schlechte Grüße aus Bitterfeld“. Die veranstaltende Aktionsgruppe rechnet über drei Tage verteilt mit bis zu 3.000 Teilnehmern. Vorgesehen sind unter anderem Musik, Kundgebungen und politische Aktionen.
Polizei sieht keine konkrete erhöhte Gefahr
Die Polizei bestätigt die Einschätzung des Innenstadtvereins bislang nicht. Nach ihrer Darstellung lagen keine konkreten Hinweise vor, die auf ein erhöhtes Sicherheitsrisiko durch das gleichzeitige Stadtfest und Protestcamp schließen ließen.
Vor der Absage fand offenbar kein ausführliches Gespräch zwischen Polizei und Innenstadtverein über ein gemeinsames Sicherheitskonzept statt. Nach dem Aus für das Fest bestand aus Sicht der Polizei kein weiterer Anlass für einen solchen Austausch.
Auch der Landkreis Anhalt-Bitterfeld erklärt, dass er keine Absage verlangt oder befürwortet habe. Damit stehen die Einschätzungen des Vereins und der Sicherheitsbehörden deutlich gegeneinander.
Veranstalter des Protestcamps widersprechen
Die Aktionsgruppe weist die Verantwortung für die Absage zurück. Sie sieht sich durch die Begründung des Innenstadtvereins zu Unrecht als Ursache des Problems dargestellt.
Die Camp-Organisatoren vermuten organisatorische und finanzielle Gründe hinter der Entscheidung. Sie werfen dem Verein unter anderem vor, das Stadtfest nicht rechtzeitig angemeldet zu haben. Ob die Anmeldung tatsächlich verspätet erfolgte, ist bislang nicht belegt.
Die Stadt Bitterfeld-Wolfen erklärt, dem Verein seien beantragte Flächen sowie später ein Alternativtermin angeboten worden. Gespräche mit verschiedenen Beteiligten hätten jedoch zu keinem gemeinsamen Ergebnis geführt.
Abgelehnter Förderantrag sorgt für Fragen
Neben der Sicherheitsdebatte spielt die Finanzierung eine Rolle. Der Landkreis lehnte im Juli einen Förderantrag des Innenstadtvereins über 10.000 Euro ab. Nach Angaben der Vereinsvorsitzenden hätte die beantragte Summe allerdings nicht einmal die zusätzlichen Kosten des angepassten Sicherheitskonzeptes vollständig gedeckt.
Die Stadtfest-Absage fällt in eine politisch angespannte Zeit. Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Das Protestcamp und mehrere politische Veranstaltungen machen Bitterfeld-Wolfen an diesem Wochenende zu einem besonderen Einsatzort für Polizei und Verwaltung.
Hintergründe bleiben umstritten
Eine abschließende Bewertung der Absage ist derzeit nicht möglich. Der Innenstadtverein verweist auf seine Verantwortung gegenüber Besuchern, Künstlern und Händlern. Polizei, Landkreis und Camp-Veranstalter sehen dagegen keine ausreichenden Belege für eine unbeherrschbare Sicherheitslage.
Für die Bürger steht fest, dass eines der traditionellen Innenstadtfeste ausfällt. Offen bleibt, ob der Konflikt durch frühere Gespräche, eine andere Flächenaufteilung oder zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen hätte gelöst werden können.
Quelle: Polizei Sachsen-Anhalt und Landkreis Anhalt-Bitterfeld