Sachsen-Anhalt unterstützt die Planungen für ein neues Wasserwerk an der Elbe mit gut 2,2 Millionen Euro. Eine Machbarkeitsstudie soll untersuchen, wie Elbewasser künftig für die Trinkwasserversorgung im Raum Magdeburg und in der Börde genutzt werden kann. Das Projekt soll zugleich zusätzliche Kapazitäten für neue Wirtschaftsstandorte schaffen, weil das bestehende Wasserwerk Colbitz an Spitzentagen bereits an seiner Leistungsgrenze arbeitet.

Umweltminister Armin Willingmann übergab den Förderbescheid am 1. September 2026 an Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris und den Geschäftsführer der Trinkwasserversorgung Magdeburg GmbH, Alexander Ruhland. Die Förderung stammt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Insgesamt werden knapp 3,2 Millionen Euro in die Untersuchung und die erforderlichen Vorplanungen investiert.

Wasserwerk Colbitz erreicht seine Grenzen

Die Trinkwasserversorgung Magdeburg GmbH gehört zu den großen Wasservorlieferanten in Sachsen-Anhalt. Sie beliefert auf etwa einem Drittel der Landesfläche zahlreiche Stadtwerke und Zweckverbände. Über diese Unternehmen werden rund 750.000 Einwohner mit Trinkwasser versorgt.

Das benötigte Wasser stammt bislang vor allem aus den Grundwasservorkommen im Westfläming und in der Colbitz-Letzlinger Heide. Das dort gewonnene Grundwasser wird zusätzlich mit filtriertem Oberflächenwasser aus der Ohre angereichert. Dennoch erreicht das Wasserwerk Colbitz an Tagen mit besonders hoher Nachfrage mehr als 95 Prozent seiner möglichen Aufbereitungskapazität.

Längere Trockenperioden und der steigende Bedarf durch neue Industrieansiedlungen erhöhen den Druck auf das Versorgungssystem. Willingmann bezeichnete die Klimaveränderungen als einen „Stresstest für unsere Wasserversorgung“. Das Land müsse deshalb frühzeitig in zusätzliche Wasserwerke, Leitungen und widerstandsfähige Versorgungsstrukturen investieren.

Elbewasser soll zusätzliche Reserven schaffen

Mit dem geplanten Flusswasserwerk soll die Elbe erneut als Wasserquelle für den Raum Magdeburg erschlossen werden. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wird geprüft, unter welchen Voraussetzungen das Flusswasser nach modernen Standards aufbereitet und in das bestehende Versorgungssystem eingespeist werden kann.

Die Nutzung der Elbe für wirtschaftliche Zwecke hat in Magdeburg eine lange Geschichte. Bis 1990 bereitete das frühere Wasserwerk Buckau Elbewasser zu Betriebswasser für die Industrie auf. TWM-Geschäftsführer Alexander Ruhland sieht darin einen historischen Anknüpfungspunkt für die heutigen Planungen. Nun müsse untersucht werden, wie der Fluss unter den aktuellen technischen und qualitativen Anforderungen wieder genutzt werden könne.

Hightech-Park benötigt langfristig Wasser

Das neue Wasserwerk könnte nicht nur die Versorgung der Bevölkerung in Magdeburg und der Börde stabilisieren. Zusätzliche Kapazitäten werden auch für den geplanten Hightech-Park südwestlich der Landeshauptstadt benötigt. Neue Unternehmen und industrielle Produktionsanlagen können den regionalen Wasserbedarf deutlich erhöhen.

Zu den geförderten Arbeiten gehören deshalb Vorplanungen für die Anbindung des möglichen Wasserwerks an das vorhandene Fernleitungsnetz der TWM. Auch die Verbindung zu bedeutenden Wirtschaftsstandorten wie dem Hightech-Park wird untersucht. Oberbürgermeisterin Simone Borris bezeichnete eine leistungsfähige Wasserversorgung als zentrale Voraussetzung für die weitere Entwicklung der Stadt und der gesamten Region.

Die Machbarkeitsstudie bildet allerdings nur den ersten Schritt. Eine Entscheidung über den tatsächlichen Bau des Elbe-Wasserwerks ist damit noch nicht getroffen. Auch die späteren Baukosten stehen noch nicht fest. Nach Angaben von Umweltminister Willingmann werden für die Umsetzung weitere Investitionen und Fördermittel erforderlich sein.

Land stellt 83,1 Millionen Euro bereit

Die EU übernimmt 70 Prozent der Kosten der Machbarkeitsstudie. Die Förderung von gut 2,2 Millionen Euro stammt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Den verbleibenden Anteil an den Gesamtkosten von knapp 3,2 Millionen Euro tragen die beteiligten Partner.

Um Investitionen in die Trinkwasserversorgung zu ermöglichen, hat das Umweltministerium kurzfristig 83,1 Millionen Euro aus anderen EU-Förderprogrammen umgeschichtet. Über das Programm „Förderung einer resilienten Wasserversorgung“ können unter anderem neue Wasserwerke und Verbindungsleitungen bezuschusst werden. Damit will Sachsen-Anhalt sein Wassernetz auf trockenere Jahre, steigende Verbrauchsspitzen und zusätzliche wirtschaftliche Ansiedlungen vorbereiten.

Quelle: Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung Nr. 160/2026 vom 1. September 2026