Viele Flüsse in Mitteldeutschland sind weit von einem natürlichen Zustand entfernt. Begradigte Ufer, Querbauwerke, Schadstoffeinträge und immer längere Trockenperioden setzen den Gewässern und ihren Lebensräumen erheblich zu.

Nur ein kleiner Teil erreicht die Umweltziele

In Sachsen befinden sich lediglich knapp sieben Prozent der bewerteten Fließgewässer in einem guten ökologischen Zustand. In Sachsen-Anhalt liegt der Anteil bei ungefähr drei Prozent. Thüringen schneidet mit rund 14 Prozent etwas besser ab, verfehlt die europäischen Zielvorgaben aber ebenfalls deutlich.

Damit gelten in allen drei Ländern deutlich mehr als 80 Prozent der untersuchten Flüsse und Bäche als ökologisch beeinträchtigt.

Der ökologische Zustand wird unter anderem anhand der vorkommenden Fische, Wasserpflanzen, Algen und wirbellosen Tiere bewertet. Auch die Struktur der Gewässer, die Wasserqualität und die Durchgängigkeit für wandernde Arten spielen eine Rolle.

Viele Flüsse wurden stark verändert

Ein wesentlicher Grund für den schlechten Zustand ist der jahrzehntelange Ausbau der Gewässer. Zahlreiche Flüsse wurden begradigt, vertieft oder durch befestigte Ufer von ihren natürlichen Überschwemmungsflächen getrennt.

Wehre, Staustufen und andere Querbauwerke verhindern zudem, dass Fische und andere Wasserorganismen ihre angestammten Lebensräume erreichen. Natürliche Kiesbänke, Auen und flache Uferbereiche sind vielerorts verschwunden.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes gehören außerdem Nährstoff- und Schadstoffeinträge, Feinsedimente aus der Landwirtschaft sowie Veränderungen des natürlichen Abflusses zu den wichtigsten Belastungsfaktoren.

Trockenheit verschärft die Lage

Zusätzlich geraten die Flüsse durch längere Trockenperioden unter Druck. Anfang Juli 2026 bestand unter anderem in Sachsen-Anhalt sowie in Teilen Sachsens und Thüringens regionaler Trockenstress.

Sinkende Wasserstände führen dazu, dass sich Flüsse schneller erwärmen und weniger Sauerstoff enthalten. Schadstoffe werden zugleich weniger verdünnt. Kleine Bäche können zeitweise vollständig trockenfallen.

Für Fische, Muscheln, Insektenlarven und Wasserpflanzen bedeutet dies einen erheblichen Verlust an Lebensraum.

Flüsse brauchen wieder mehr Platz

Fachleute fordern deshalb, Flüsse stärker zu renaturieren und wieder mit ihren natürlichen Auen zu verbinden. Breitere Uferbereiche und Überschwemmungsflächen können Wasser bei starkem Regen aufnehmen und anschließend langsam wieder abgeben.

Das hilft nicht nur der Natur. Renaturierte Flusslandschaften können zugleich den Hochwasserschutz verbessern und Wasser länger in der Region halten.

In vielen Fällen fehlen jedoch geeignete Flächen. Landwirtschaft, Siedlungen, Straßen und Gewerbegebiete reichen häufig unmittelbar bis an die Gewässer heran. Renaturierungsprojekte sind deshalb mit langwierigen Grundstücksverhandlungen und hohen Kosten verbunden.

Pläne vorhanden, Umsetzung bleibt langsam

Für viele Gewässer bestehen bereits Entwicklungs- und Maßnahmenpläne. Dennoch werden Projekte häufig nur abschnittsweise verwirklicht.

Neben fehlenden Flächen bremsen aufwendige Genehmigungsverfahren, unterschiedliche Zuständigkeiten und begrenzte finanzielle Mittel die Umsetzung. Gleichzeitig steigt durch Trockenheit und extreme Wetterlagen der Handlungsdruck.

Ohne größere Veränderungen dürften viele ostdeutsche Flüsse die europäischen Umweltziele auch in den kommenden Jahren verfehlen.

Quellen

Mitteldeutscher Rundfunk – Bericht „Weniger als jeder zehnte Fluss in gutem ökologischen Zustand“, veröffentlicht am 3. August 2026

Umweltbundesamt – Informationen zu Trockenheit und regionalem Trockenstress in Deutschland, Stand 2. Juli 2026

Umweltbundesamt – Informationen zum ökologischen Zustand von Mittelgebirgsflüssen und zu den wesentlichen Belastungsfaktoren

Ostdeutschland: Nur wenige Flüsse sind ökologisch gesund

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erreicht nur ein kleiner Teil der Fließgewässer einen guten ökologischen Zustand. Begradigte Flüsse, Wehre, Schadstoffeinträge und zunehmende Trockenheit belasten die Gewässer.