Südwestlich von Malchin soll eine jahrzehntelang entwässerte Niederung wieder zum Moor werden. Auf einer Fläche von rund 59 Hektar werden Drainagen entfernt und Gräben verschlossen. Das Projekt soll Klima und Wasserhaushalt schützen – zugleich zeigt es, wie tief solche Eingriffe in die landwirtschaftliche Nutzung einer Region reichen.

Noch ist die Biergraben-Niederung vor allem eine offene, von Entwässerungsgräben durchzogene Landschaft. Das Gelände liegt südwestlich von Malchin, zwischen landwirtschaftlich geprägten Flächen, der Ost-Peene und dem Kummerower See. Künftig soll sich dort wieder Wasser sammeln.

Das Klimaschutzministerium Mecklenburg-Vorpommerns, die Stadt Malchin und der Energiekonzern E.ON wollen die rund 59 Hektar große Fläche renaturieren. Das entspricht nach Angaben der Beteiligten ungefähr 83 Fußballfeldern. Finanziert wird das Vorhaben über Beiträge aus einem Ökostromtarif des Unternehmens.

19 Drainagen werden entfernt

Kern des Projekts ist ein grundlegender Umbau des bisherigen Entwässerungssystems. Über Jahrzehnte wurden viele Moorböden trockengelegt, damit sie landwirtschaftlich genutzt werden konnten. Dringt Sauerstoff in den trockenen Torf ein, beginnt dieser sich zu zersetzen. Dabei werden zuvor gebundene Treibhausgase freigesetzt.

In der Biergraben-Niederung sind nun folgende Maßnahmen vorgesehen:

  • Rückbau von 19 Drainagen
  • Bau von 25 sogenannten Grabenplomben aus örtlichem Boden
  • Anhebung und Stabilisierung des Wasserstandes
  • Entwicklung moortypischer Pflanzen- und Tierbestände
  • langfristige Sicherung der Maßnahmen über 50 Jahre

Nach Darstellung des Landes sollen damit nicht nur Emissionen verringert werden. Das Moor soll Wasser länger in der Landschaft halten, Trockenperioden abfedern und bei Starkregen zusätzliches Wasser aufnehmen. Auch die Wasserqualität der Ost-Peene und des Kummerower Sees könnte davon profitieren, weil Nähr- und Schadstoffe stärker zurückgehalten werden.

Landwirtschaft verliert nutzbare Fläche

Was aus Sicht des Naturschutzes sinnvoll erscheint, hat für die Landwirtschaft eine konkrete Kehrseite: Vernässte Flächen können nicht mehr wie bisher bewirtschaftet werden. Auf der Biergraben-Niederung bedeutet das einen langfristigen Verzicht auf die bisherige Nutzung.

Die betroffene Reimers & Römisch GbR erhält nach Angaben der Stadt für die verbleibende Laufzeit ihres Pachtvertrages eine Entschädigung. Wie hoch diese ausfällt und wer mögliche wirtschaftliche Folgen nach dem Ende der Pacht trägt, geht aus der Mitteilung des Ministeriums nicht hervor.

Malchins Bürgermeister Axel Müller würdigte deshalb ausdrücklich die Bereitschaft des Betriebes:

„Für Landwirte ist es nicht selbstverständlich, auf die Bewirtschaftung von Flächen dauerhaft zu verzichten.“

Die Aussage berührt den eigentlichen Konflikt vieler Moorprojekte: Klimaschutz lässt sich auf landwirtschaftlichen Flächen nur dauerhaft durchsetzen, wenn Betriebe eine verlässliche wirtschaftliche Perspektive erhalten. Eine einmalige Entschädigung kann den aktuellen Pächter entlasten. Sie beantwortet jedoch noch nicht die Frage, wie Eigentümer und künftige Bewirtschafter mit dem dauerhaften Nutzungsverlust umgehen sollen.

Geld stammt von Stromkunden

E.ON finanziert die Wiedervernässung aus seinem Tarif „ZukunftsStrom“. Nach Unternehmensangaben fließen für jede in diesem Tarif verbrauchte Kilowattstunde 0,3 Cent in deutsche Umwelt- und Klimaschutzprojekte.

Eine konkrete Gesamtsumme für das Vorhaben bei Malchin wurde bislang nicht veröffentlicht. Damit bleibt offen, was Planung, Bauarbeiten, Entschädigung und die Betreuung über die vorgesehene Laufzeit tatsächlich kosten.

Die Zusammenarbeit mit einem Energiekonzern ermöglicht der Stadt und dem Land ein Projekt, das aus kommunalen Mitteln vermutlich kaum zu finanzieren wäre. Zugleich dient das Vorhaben dem Unternehmen als sichtbarer Nachweis für die Umweltwirkung seines Stromtarifs. Entscheidend wird deshalb sein, ob Fortschritte, Kosten und ökologische Ergebnisse künftig transparent dokumentiert werden.

Malchin wird zum Standort für Moorprojekte

Die Biergraben-Niederung ist nicht das erste größere Moorvorhaben rund um Malchin. Bereits 2025 startete das vom Bund mit rund 1,6 Millionen Euro geförderte Projekt „MOOReturn“. Dort geht es neben der Wiedervernässung auch darum, Pflanzen von nassen Moorflächen wirtschaftlich zu nutzen – etwa als Rohstoff für Papier, Baustoffe oder als Ersatz für Kunststoffe.

Damit entwickelt sich die Region zunehmend zu einem Erprobungsraum für die Frage, wie Klimaschutz und ländliche Wertschöpfung miteinander verbunden werden können. Für die Bevölkerung wird der Erfolg allerdings weniger an politischen Ankündigungen als an konkreten Ergebnissen messbar sein:

Bleibt künftig tatsächlich mehr Wasser in der Landschaft? Verbessert sich die Qualität angrenzender Gewässer? Kehren typische Tier- und Pflanzenarten zurück? Und erhalten landwirtschaftliche Betriebe einen angemessenen Ausgleich?

Die Maßnahmen sind auf 50 Jahre angelegt. Eine schnelle Antwort wird es daher nicht geben. Fest steht aber schon jetzt: Mit dem Verschluss der ersten Drainagen verändert sich südwestlich von Malchin nicht nur eine Landschaft. Es beginnt auch ein langfristiger Versuch, die Folgen jahrzehntelanger Trockenlegung wieder umzukehren.

Quellen und Datenbasis

  • Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern: Pressemitteilung vom 30. Juli 2026 zur Renaturierung der Biergraben-Niederung
  • Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe: Informationen zum Moorbodenschutzprojekt „MOOReturn“ in Malchin