Wer durch die imposante Stadtmauer der alten Reichs- und Reformationsstadt Mühlhausen im Unstrut-Hainich-Kreis (Bundesland: Thüringen) wandert, spürt historische Tiefe an jeder Ecke. Doch neben Thomas Müntzer und alter Kirchenbaukunst ist die Stadt für einen ganz besonderen Duft bekannt: den süß-würzigen Geruch eingekochter Pflaumen.

Hier schlägt das Herz des bekanntesten Fruchtaufstrichs Mitteldeutschlands. Das Mühlhäuser Pflaumenmus ist kein gewöhnliches Gelee, sondern ein reines, schonend eingekochtes Naturprodukt, das seit über einem Jahrhundert feste Tradition auf den Frühstückstischen hat.

Inhaltsübersicht

  1. Der Kessel von 1908: Hermann Machemehls Erfolgsrezept

  2. Die Kunst der Reduktion: Warum Kristallzucker überflüssig ist

  3. Vom volkseigenen Betrieb zur gesamtdeutschen Kultmarke

  4. Zimt, Nelken und Zwetschgen: Das Geheimnis der Rezeptur

  5. Ortspunkt Mühlhausen: Wo du das süße Erbe erlebst

  6. Leser-Aufruf: Wie genießt du dein Mühlhäuser Pflaumenmus am liebsten?

Der Kessel von 1908: Hermann Machemehls Erfolgsrezept

Die Geschichte begann im Jahr 1908. Der Kaufmann Hermann Machemehl gründete in Mühlhausen eine Konservenfabrik für Gemüse und Früchte. Begünstigt durch die ertragreichen Böden des Thüringer Beckens und des Unstruttals standen den Verarbeitern riesige Mengen reifer Zwetschgen zur Verfügung.

Machemehl verfeinerte das bäuerliche Verfahren des Pflaumenmus-Kochens („Pflaumensieden“). Er nutzte große, dampfbeheizte Kupferkessel, in denen das Fruchtfleisch stundenlang unter konstantem Rühren langsam eingedickt wurde, bis die Feuchtigkeit verdampft war und eine tiefdunkle, glänzende Masse entstand.

Die Kunst der Reduktion: Warum Kristallzucker überflüssig ist

Das wesentliche Qualitätsmerkmal des echten Mühlhäuser Pflaumenmuses ist seine Naturbelassenheit. Im Gegensatz zu herkömmlicher Marmelade benötigt echtes Pflaumenmus keinen zugesetzten Kristallzucker und keine Gelierstoffe.

Die natürliche Süße entsteht ausschließlich durch das stundenlange Einkochen (Dampfreduktion) der fruchteigenen Fruktose in den vollreifen Zwetschgen. Mindestens 140 Gram Fruktose-reiche Früchte werden eingesetzt, um 100 Gramm fertiges Pflaumenmus zu gewinnen – das macht den Aufstrich so intensiv, vollmundig und ergiebig.

Vom volkseigenen Betrieb zur gesamtdeutschen Kultmarke

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb verstaatlicht und als VEB Mühlhäuser Konservenfabrik weitergeführt. In der DDR war das Pflaumenmus in den charakteristischen Bechern und Gläsern ein unangefochtener Dauerbrenner im Sortiment.

Nach 1990 gelang der Marke der Sprung in den gesamtdeutschen Handel. Trotz wirtschaftlicher Eigentümerwechsel blieb die Produktion der Thüringer Wurzeln treu. Das Pflaumenmus eroberte die Supermarktregale von Ost bis West und gehört heute zu den Marktführern im deutschen Pflaumenmus-Segment.

Zimt, Nelken und Zwetschgen: Das Geheimnis der Rezeptur

Neben der reinen Frucht ist es die fein abgestimmte Würzung, die den Mühlhäuser Klassiker unverwechselbar macht. Abgerundet mit einer Prise Zimt, Nelken und ungarischem Gewürzöl erhält das Mus seinen leicht weihnachtlich-würzigen Charakter.

Ob klassisch auf der Butterstulle, als Füllung für Thüringer Buchteln, zum Verfeinern von dunklen Soßen beim Sauerbraten oder im Quark: Das Mus ist aus der regionalen Genusskultur nicht wegzudenken.

Ortspunkt Mühlhausen: Wo du das süße Erbe erlebst

Wer auf den Spuren des Pflaumenmuses in Mühlhausen (Bundesland: Thüringen) unterwegs ist, findet lohnenswerte Stationen:

  • Mühlhäuser Werksverkauf (Kasseler Straße): Bietet das komplette Sortiment des Traditionsherstellers von klassischem Pflaumenmus über Fruchtaufstriche bis zu saisonalen Spezialitäten.

  • Historische Altstadt Mühlhausen: Ein Spaziergang entlang der fast vollständig erhaltenen Stadtmauer und der historischen Marktplätze lässt sich perfekt mit einer Einkehr in traditionelle Thüringer Cafés verbinden.

Leser-Aufruf: Wie genießt du dein Mühlhäuser Pflaumenmus am liebsten?

Schmierst du das Mus klassisch auf ein frisches Butterbrot, nutzt du es zum Backen von Kuchen und Gebäck oder gehört es für dich fest zur Sonntagsstimmung?

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