Wer in ostdeutschen Küchen nach dem bekanntesten Spülmittel fragt, bekommt fast immer dieselbe Antwort: Fit. Die grüne Flasche mit dem roten Schriftzug ist seit Jahrzehnten ein vertrauter Alltagsbegleiter. Doch in Berichten über die Marke werden oft Fakten und nachträglich entstandene Erzählungen vermischt.
Die historische Realität zeigt eine Entwicklung, die zwei sächsische Industriestandorte miteinander verbindet: das westsächsische Chemnitz (Karl-Marx-Stadt) und das oberlausitzische Hirschfelde bei Zittau (Bundesland: Sachsen, Landkreis Görlitz).
Inhaltsübersicht
1954 in Chemnitz: Die Geburtsstunde des flüssigen Spülmittels
1967/68: Der Produktionsumzug an die Neiße
Form folgt Funktion: Warum die Plastikflasche Rillen bekam
Der Wendepunkt 1992: Privatisierung und Neuausrichtung durch Dr. Wolfgang Groß
Ortspunkt Hirschfelde: Vom DDR-Kombinat zum modernen Vollsortimenter
Leser-Aufruf: Seit wann steht Fit an deiner Spüle?
1954 in Chemnitz: Die Geburtsstunde des flüssigen Spülmittels
Anfang der 1950er-Jahre spülte man Geschirr in deutschen Haushalten meist mit Seifenpulver, Kernseife oder körnigen Scheuermitteln. Eine schonende, flüssige Alternative gab es im Binnenmarkt der DDR noch nicht.
Im westsächsischen Karl-Marx-Stadt arbeiteten Chemiker des VEB Fettchemie an einer synthetischen Lösung. Im Jahr 1954 brachten sie das erste flüssige Vollspülmittel unter dem Namen Fit auf den Markt. Die damalige Rezeptur basierte auf Rohstoffen aus Zuckerrohr (Zuckertensiden), löste Fett selbst in kaltem Wasser und Schonung der Hände. Es war eine echte Innovation für den Haushaltsalltag.
1967/68: Der Produktionsumzug an die Neiße
Mit dem schnell steigenden Bedarf stieß die Fertigung in Karl-Marx-Stadt an ihre Grenzen. Im Zuge der zentralen Neuordnung und Spezialisierung der DDR-Chemieindustrie Ende der 1960er-Jahre beschloss die Wirtschaftsleitung die Verlagerung des Produkts: 1967/1968 zog die gesamte Fit-Herstellung in das Werk Hirschfelde bei Zittau um.
Der Standort an der Neiße blickte bereits auf eine lange Tradition in der Fettchemie und Waschmittelherstellung zurück. Von diesem Zeitpunkt an wurde Hirschfelde zum dauerhaften Stammsitz der Marke.
Form folgt Funktion: Warum die Plastikflasche Rillen bekam
Mit dem Umzug nach Hirschfelde Ende der 1960er-Jahre änderte sich auch die Verpackung grundlegend. Statt starrer Behältnisse wurde Fit in quetschbare Polyethylen-Flaschen abgefüllt.
Die charakteristischen Stufen und Rillen der grünen Flasche waren kein dekoratives Zitat historischer Bauwerke, sondern folgten rein funktionalen Anforderungen der Formgestalter:
Ergonomie: Die Rillen garantierten sicheren Halt, wenn die Flasche mit nassen, seifigen Händen gegriffen wurde.
Dosierung: Durch das elastische Material ließ sich das Mittel durch leichten Druck exakt dosieren.
Materialersparnis: Die Struktur verlieh der dünnen Kunststoffwand die nötige Stabilität bei minimalem Rohstoffeinsatz.
Der Wendepunkt 1992: Privatisierung und Neuausrichtung durch Dr. Wolfgang Groß
Nach 1990 stand der Betrieb in Hirschfelde vor einer ungewissen Zukunft. Viele Ost-Produkte wurden aus den Regalen verdrängt, große Chemiekonzerne zeigten kein Interesse an einer Übernahme des Werks.
Den Wendepunkt markierte das Jahr 1992: Der westdeutsche Chemiker Dr. Wolfgang Groß kaufte den Betrieb im Rahmen der Treuhand-Privatisierung (wirksam zum 1. Januar 1993) und gründete die Fit GmbH. Mit eigenem Kapital, moderner Abfülltechnik und dem klaren Fokus auf Markenpflege führte er den Betrieb aus der Krise.
Ortspunkt Hirschfelde: Vom DDR-Kombinat zum modernen Vollsortimenter
Heute ist der Standort Hirschfelde ein hochmoderner Produktionsbetrieb. Die Fit GmbH fertigt längst nicht mehr nur das klassische grüne Spülmittel, sondern entwickelte sich zum gesamtdeutschen Haushaltsmittelhersteller mit bekannten Marken wie Rei in der Tube, Sanso, Kuschelweich und Fensterklar.
Leser-Aufruf: Seit wann steht Fit an deiner Spüle?
Nutzst du das Spülmittel aus Hirschfelde schon seit Jahrzehnten oder hast du die Marke erst später für dich entdeckt?
Schickt uns eure Erfahrungen per E-Mail an redaktion@ostdeutsche-zeitung.de!