Das neue Gewerbegebiet Löbau-West erhält seinen ersten festen Nutzer. Der Landkreis Görlitz errichtet auf dem Areal eine moderne Straßenmeisterei mit Fahrzeughallen, Lagerflächen und Abstellplätzen. Nach Angaben der Stadt soll der Standort bald eröffnet werden. Für Löbau ist das Projekt ein erster Beleg dafür, dass auf den neu erschlossenen Flächen tatsächlich gebaut werden kann.
Die Straßenmeisterei wird für die Unterhaltung des regionalen Straßennetzes benötigt. Von dem neuen Betriebshof aus können Fahrzeuge, Winterdiensttechnik, Streusalz und weitere Arbeitsmittel zentral bereitgestellt werden.
Lkw-Plätze, Hallen und Salzlager entstehen
Zum Projekt gehören nicht nur Verwaltungs- und Sozialräume. Vorgesehen sind auch Außenanlagen, befestigte Verkehrsflächen, Leitungen und Lagerbereiche. Ausschreibungsunterlagen nennen unter anderem Erdarbeiten, Straßenbau, Entwässerung und Leitungsbau.
Damit handelt es sich um eine der ersten größeren baulichen Nutzungen im neuen Gebiet. Der Standort muss so gestaltet sein, dass schwere Nutzfahrzeuge sicher ein- und ausfahren sowie während des Winterdienstes schnell eingesetzt werden können.
Erster Praxistest für 18-Millionen-Euro-Gebiet
Löbau erschließt westlich der Stadt rund 43 Hektar für neue Unternehmen. Die voraussichtlichen Gesamtausgaben liegen bei etwa 18 Millionen Euro. Davon werden rund 14,8 Millionen Euro über Fördermittel getragen.
Neben Straßen und Zufahrten entstehen Anschlüsse für Strom, Wasser, Abwasser und Breitband. Allein für die Abwassererschließung und einen Verbindungssammler in Richtung Georgewitz werden rund 1,3 Millionen Euro veranschlagt. 80 Prozent dieser Kosten sollen durch Bundes- und Landesmittel gefördert werden.
Die Straßenmeisterei zeigt, ob die Infrastruktur im Alltag funktioniert. Zufahrten, Entwässerung, Medienversorgung und Platzaufteilung müssen sich erstmals unter realen Betriebsbedingungen bewähren.
Private Unternehmen werden weiterhin gesucht
Die öffentliche Ansiedlung allein reicht wirtschaftlich nicht aus. Ziel des Gewerbegebietes ist es, zusätzliche Produktions-, Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen nach Löbau zu holen.
Die Stadt führte bereits Gespräche mit möglichen Interessenten. Konkrete private Ansiedlungen waren zuletzt jedoch noch nicht öffentlich benannt worden. Die Bauflächen wurden bewusst nicht vollständig parzelliert, damit Grundstücke an die Anforderungen einzelner Investoren angepasst werden können.
Löbau vermarktet das Gebiet gemeinsam mit dem Landkreis Görlitz, der Wirtschaftsförderung Sachsen und dem Lausitz Investor Center. Angesprochen werden sowohl größere Industrieunternehmen als auch mittelständische Betriebe, die sich erweitern oder innerhalb der Region verlagern möchten.
Zeitplan hat sich nach hinten verschoben
Ursprünglich sollten die Erschließungsarbeiten etwa Mitte 2026 abgeschlossen werden. Neuere Berichte gehen davon aus, dass das Gebiet erst bis Ende des Jahres vollständig für weitere Firmen bereitstehen könnte.
Für den wirtschaftlichen Erfolg ist eine Verzögerung von einigen Monaten noch nicht entscheidend. Problematisch wäre es jedoch, wenn fertige Flächen über längere Zeit ungenutzt blieben.
Straßen, Leitungen und weitere Infrastruktur verursachen auch dann laufende Kosten, wenn noch keine Unternehmen Gewerbesteuern zahlen oder Arbeitsplätze schaffen.
Umwandlung zum Industriegebiet soll mehr ermöglichen
Der Löbauer Stadtrat hat im Juni beschlossen, Teile von Löbau-West künftig als Industriegebiet auszuweisen. Dadurch sollen auch Betriebe angesprochen werden können, die wegen ihrer Größe, Betriebszeiten oder Produktionsweise in einem klassischen Gewerbegebiet nur eingeschränkt zulässig wären.
Die neuen Flächen bleiben dennoch auch für kleinere und mittlere Unternehmen offen. Die Stadt verfolgt nach eigenen Angaben keine Festlegung auf einzelne Branchen.
Erste Ansiedlung ist ein wichtiges Signal
Die neue Straßenmeisterei schafft vermutlich keinen großen industriellen Arbeitsplatzschub. Sie ist für Löbau trotzdem wirtschaftlich bedeutsam.
Ein sichtbarer und funktionierender Betrieb kann weiteren Investoren zeigen, dass Baurecht, Erschließung und Zufahrten vorhanden sind. Zudem entsteht auf dem bislang weitgehend unbebauten Gelände erstmals dauerhafte Nutzung.
Ob Löbau-West zu einem erfolgreichen Wirtschaftsstandort wird, entscheidet sich jedoch erst mit den nächsten Ansiedlungen. Die Straßenmeisterei ist der Anfang – private Investitionen müssen nun folgen.
Quellen
Stadt Löbau: Entwicklung des Gewerbegebietes Löbau-West und geplante Eröffnung der Straßenmeisterei.
Stadt Löbau: Erschließung von rund 43 Hektar bei voraussichtlichen Gesamtausgaben von etwa 18 Millionen Euro.
Abwasserzweckverband Löbau-Nord: Abwassererschließung mit Kosten von rund 1,3 Millionen Euro.
Öffentliche Vergabeunterlagen: Tiefbau-, Leitungs- und Straßenbauarbeiten an der neuen Straßenmeisterei.