In Löbaus Innenstadt stehen zwei aktuelle Veränderungen beispielhaft für die schwierige Lage des stationären Handels. Während Ernsting’s family seine Filiale umgebaut und wiedereröffnet hat, wurde eine Filiale der Bäckereikette Sternenbäck geschlossen. Für die Einkaufsstadt bedeutet das gleichzeitig ein Investitionssignal und einen weiteren Verlust.

Die zeitweise leeren Schaufenster der Modefiliale hatten zunächst Befürchtungen ausgelöst, dass ein weiterer Händler Löbau verlassen könnte. Nach Angaben der regionalen Berichterstattung handelte es sich jedoch lediglich um einen Umbau. Die Filiale sollte am 1. Juni wieder öffnen.

Sternenbäck zieht sich zurück

Anders fällt die Entwicklung bei Sternenbäck aus. Die Schließung betrifft nicht nur das einzelne Geschäft, sondern auch die Angebotsvielfalt und Kundenfrequenz im direkten Umfeld.

Bäckereien gehören zu den Betrieben, die regelmäßig Menschen in eine Innenstadt bringen. Viele Kunden verbinden den Einkauf von Brot oder Brötchen mit weiteren Besorgungen. Fällt ein solcher Standort weg, verlieren häufig auch benachbarte Geschäfte spontane Kundschaft.

Die Gründe für die konkrete Schließung wurden in den öffentlich zugänglichen Angaben nicht umfassend dargestellt. Allgemein stehen Bäckereien jedoch unter hohem Druck durch Energie-, Personal- und Rohstoffkosten sowie den Wettbewerb mit Supermärkten und Discountern.

89 Ladenlokale entlang der Einkaufsmeile

Löbaus zentrale Einkaufsachse reicht vom Theaterplatz über die Innere Zittauer Straße, die Nicolaistraße und die Bahnhofstraße bis zum Wettiner Platz. Dort wurden zuletzt 89 Ladenlokale erfasst. 16 davon standen leer, überwiegend in unsanierten Gebäuden.

Damit liegt der Leerstand bei rund 18 Prozent. Er dominiert das gesamte Stadtbild zwar noch nicht, ist aber in einzelnen Abschnitten deutlich sichtbar. Besonders die Innere Zittauer Straße gilt als problematisch. Dort haben klassische Geschäfte zunehmend Dienstleistungen, Beratungsstellen und Gesundheitsangebote ersetzt.

Innenstadt zerfällt in unterschiedlich starke Bereiche

Die Löbauer Einkaufsmeile entwickelt sich nicht einheitlich. Während einige Straßen noch über einen vergleichsweise stabilen Branchenmix verfügen, verlieren andere Abschnitte zunehmend ihre Funktion als klassischer Einkaufsstandort.

Vor allem inhabergeführte Geschäfte prägen die Innenstadt weiterhin. Angeboten werden unter anderem Mode, Schuhe, Spielwaren, Elektronik, Sportbekleidung und erzgebirgisches Kunsthandwerk. Größere Filialisten sind dagegen seltener vertreten.

Das kann ein Vorteil sein, weil individuelle Händler einer Innenstadt ein eigenes Profil geben. Gleichzeitig sind kleinere Betriebe häufig weniger widerstandsfähig gegen Kostensteigerungen und schwache Umsätze.

Seit Thalia fehlt ein Buchgeschäft

Ein besonders spürbarer Verlust war die Schließung der Thalia-Filiale. Seitdem besitzt Löbau nach der vorliegenden Erhebung kein stationäres Buchgeschäft mehr.

Solche sogenannten Ankermieter sind für eine Einkaufsstraße wichtig, weil sie regelmäßig Kunden anziehen, die anschließend weitere Geschäfte besuchen. Wird ein frei gewordenes Ladenlokal nicht zeitnah neu besetzt, kann eine Abwärtsspirale entstehen: weniger Angebote, weniger Besucher und dadurch sinkende Umsätze bei den verbleibenden Händlern.

Aktionstage sollen zusätzliche Kunden bringen

Die Löbauer Werbegemeinschaft versucht, mit Veranstaltungen und verkaufsoffenen Sonntagen gegenzusteuern. Für 2026 wurden vier verkaufsoffene Sonntage vorgesehen. Dazu gehören der Osterhasentag, das Stadtfest, der Wichteltag und der Weihnachtsmarkt.

An diesen Tagen dürfen Geschäfte innerhalb der historischen Altstadt zwischen 12 und 18 Uhr öffnen. Die Händler verbinden die Öffnungen häufig mit Aktionen, kleinen Veranstaltungen und besonderen Angeboten.

Solche Tage können kurzfristig für höhere Besucherzahlen sorgen. Sie lösen jedoch nicht dauerhaft die grundlegenden Probleme aus sinkender Kaufkraft, Onlinehandel und fehlenden Nachfolgern.

Unsanierte Gebäude erschweren Neuvermietung

Ein Teil der leer stehenden Ladenlokale befindet sich in sanierungsbedürftigen Häusern. Das erschwert die Suche nach neuen Mietern. Moderne Händler benötigen gut erreichbare Verkaufsflächen, ausreichend Lagerraum, zeitgemäße Technik und häufig barrierearme Zugänge.

Historische Gebäude können zwar attraktiv wirken, erfüllen diese Anforderungen aber nicht immer ohne größere Investitionen. Eigentümer müssen deshalb abwägen, ob sich ein Umbau angesichts der erzielbaren Mieten wirtschaftlich lohnt.

Bleibt eine Sanierung aus, kann sich der Leerstand über Jahre verfestigen.

Ernsting’s-Umbau ist ein positives Signal

Vor diesem Hintergrund ist der Umbau der Modefiliale ein wichtiges Zeichen. Er zeigt, dass zumindest einzelne Unternehmen weiterhin an den Standort glauben und bereit sind, Geld in ihre Geschäftsräume zu investieren.

Eine einzelne Modernisierung kann die strukturellen Schwierigkeiten zwar nicht lösen. Sie verhindert jedoch einen weiteren sichtbaren Leerstand und erhält ein etabliertes Angebot in der Innenstadt.

Die Schließung von Sternenbäck zeigt gleichzeitig, dass keine Entwarnung möglich ist. Löbaus Handel bleibt in Bewegung – und jeder verlorene Standort erhöht den Druck auf die benachbarten Geschäfte.

Stadt braucht mehr als einzelne Aktionstage

Um die Innenstadt langfristig zu stabilisieren, müssen Handel, Gastronomie, Wohnen, Dienstleistungen und Veranstaltungen stärker zusammengedacht werden.

Verkaufsoffene Sonntage und Stadtfeste können Menschen ins Zentrum bringen. Entscheidend ist jedoch, ob sie auch an normalen Werktagen Gründe finden, die Innenstadt zu besuchen.

Dazu gehören ein vielfältiger Branchenmix, gepflegte Gebäude, erreichbare Parkplätze, gute Fußwege und attraktive öffentliche Plätze. Ebenso wichtig sind Eigentümer, die bereit sind, leer stehende Räume flexibel und zu tragbaren Bedingungen anzubieten.

Löbau verfügt weiterhin über viele inhabergeführte Geschäfte und damit über eine gute Grundlage. Die aktuelle Entwicklung zeigt aber, dass dieser Bestand nicht selbstverständlich ist.

Quellen

Wirtschaft in Sachsen: Erhebung zum Löbauer Innenstadthandel mit 89 Ladenlokalen und 16 Leerständen.

Wirtschaft in Sachsen: Verkaufsoffene Sonntage und Aktionstage der Löbauer Händler im Jahr 2026.