Eine mit Sprengstoff präparierte Drohne am Flughafen Leipzig/Halle hat eine neue Sicherheitsdebatte ausgelöst. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht von einer neuen Qualität der Bedrohung. Besonders kritisch ist die Frage, wie Flughäfen und andere wichtige Anlagen geschützt werden können, wenn kleine unbemannte Fluggeräte bestehende Sicherheitssysteme überwinden.
Ermittler suchen nach den Verantwortlichen
Die Drohne war Anfang August in einem Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle entdeckt worden. Sie war mit Sprengstoff und einem Zünder ausgestattet.
Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen und bewertet den Vorgang als schweren Angriff auf die deutsche Transport- und Logistikinfrastruktur. Der Flughafen gehört zu den wichtigsten Luftfracht-Drehkreuzen Europas.
Wer hinter dem Vorfall steckt, ist bislang nicht abschließend geklärt. Dobrindt warnte deshalb vor vorschnellen Schuldzuweisungen. Ein Verdacht allein reiche nicht aus. Für politische Konsequenzen müsse eine belastbare Beweiskette vorliegen.
Sachsen will kritische Anlagen besser schützen
Die Debatte reicht inzwischen weit über den Flughafen hinaus. Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter fordert ein abgestimmtes Vorgehen von Bund, Ländern und Unternehmen.
Im Mittelpunkt stehen neben Flughäfen vor allem Halbleiterwerke, Chemieanlagen und Einrichtungen der Energieversorgung. Sachsen verfügt mit dem Mikroelektronikstandort Dresden über eine besonders bedeutende industrielle Infrastruktur.
Auch Wasserversorgung, Talsperren, Stromnetze und andere technische Anlagen könnten bei einer neuen Gefahrenlage stärker geschützt werden müssen.
Sachsens Innenminister Armin Schuster hält deshalb eine systematische Risikoanalyse für notwendig. Nicht jede Anlage könne gleichzeitig mit aufwendiger Drohnenabwehr ausgestattet werden. Sicherheitsbehörden müssten zunächst festlegen, welche Standorte besonders gefährdet sind.
Drohnenabwehr kann Millionen kosten
Moderne Schutzsysteme sollen verdächtige Fluggeräte frühzeitig erkennen, verfolgen und gegebenenfalls abwehren. Die Technik ist allerdings teuer.
Nach Angaben Schusters können stationäre Systeme mehrere Millionen Euro kosten. Mobile Anlagen erreichen noch deutlich höhere Beträge.
Damit stellt sich eine grundlegende Frage: Wer übernimmt die Kosten? Der Staat kann nicht jede Industrieanlage dauerhaft sichern. Unternehmen wiederum benötigen klare rechtliche Regeln, wenn sie selbst in Erkennungs- oder Abwehrtechnik investieren sollen.
Panter fordert deshalb bundesweit einheitliche Standards und klar geregelte Zuständigkeiten zwischen Sicherheitsbehörden und Betreibern.
Sachsen-Anhalt wird zum Zentrum der Drohnenforschung
Nur wenige Tage nach dem Leipziger Sicherheitsvorfall hat die Bundesregierung die Forschung zur Drohnenabwehr in Ostdeutschland ausgebaut.
Am DLR-Standort Cochstedt in Sachsen-Anhalt wurde am 18. August ein neues Technologiezentrum Drohnensicherheit eröffnet. Dort sollen gemeinsam mit Sicherheitsbehörden und Unternehmen neue Verfahren zur Erkennung und Abwehr unerwünschter Drohnen entwickelt und unter realistischen Bedingungen getestet werden.
Cochstedt und der DLR-Standort Braunschweig bilden dabei zentrale Forschungsstandorte. Die Erkenntnisse sollen schneller aus der Entwicklung in die praktische Anwendung gelangen.
Damit entsteht ausgerechnet in Ostdeutschland eines der wichtigsten deutschen Zentren für eine Technologie, deren Bedeutung nach dem Vorfall von Leipzig/Halle deutlich gestiegen ist.
Schutz kritischer Infrastruktur wird zur Sicherheitsfrage
Der Fall Leipzig/Halle zeigt, dass kleine Fluggeräte inzwischen weit mehr als ein Problem für den Luftverkehr darstellen können. Flughäfen, Industrieanlagen, Energieversorgung und Logistikstandorte gehören zu den möglichen Angriffszielen.
Gerade Ostdeutschland besitzt zahlreiche Einrichtungen von nationaler und europäischer Bedeutung. Dazu gehören die Halbleiterindustrie in Sachsen, große Chemie- und Energiestandorte sowie zentrale Verkehrs- und Logistikknoten.
Eine vollständige technische Abschirmung aller Anlagen wird kaum möglich sein. Entscheidend wird deshalb sein, Risiken früh zu erkennen, besonders gefährdete Standorte zu priorisieren und klare Zuständigkeiten für den Ernstfall zu schaffen.
Der Fund am Flughafen Leipzig/Halle könnte damit zum Wendepunkt für die deutsche Drohnenabwehr werden.
Quelle: Bundesministerium des Innern, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Sächsische Staatsregierung, Bundesanwaltschaft