Karl-May-Festspiele melden Insolvenz an – Spielzeit 2027 fällt aus
22.000 Besucher, trotzdem Insolvenz
Die Karl-May-Festspiele im baden-württembergischen Burgrieden haben Insolvenz angemeldet. Obwohl rund 22.000 Menschen die Aufführungen im Sommer 2026 besuchten, geriet die Betreibergesellschaft nach mehreren wetterbedingten Absagen in finanzielle Schwierigkeiten. Nach Angaben der Geschäftsführerin Claudia Huitz blieb die erwartete Entschädigung durch eine Versicherung aus. Die für 2027 geplante Spielzeit wurde deshalb abgesagt.
Die Nachricht sorgt auch außerhalb Baden-Württembergs für Aufmerksamkeit. Seit 2014 wurden auf der Freilichtbühne in Oberschwaben Geschichten von Winnetou, Old Shatterhand und weiteren Figuren des sächsischen Schriftstellers Karl May aufgeführt. Ob die Festspiele künftig fortgesetzt werden können, ist ungewiss.
Fünf ausgefallene Aufführungen bringen Veranstalter in Schwierigkeiten
In der Saison 2026 stand das Stück „Der Schatz im Silbersee“ auf dem Spielplan. Die Aufführungen waren nach Angaben der Veranstalter gut besucht. Insgesamt kamen rund 22.000 Zuschauer nach Burgrieden im Landkreis Biberach.
Dennoch entwickelte sich die Saison finanziell zum Problem. Wegen schlechten Wetters mussten nach den vorliegenden Medienberichten fünf Vorstellungen abgesagt werden.
Die Festspiele hatten nach Darstellung ihrer Geschäftsführerin mit einer Versicherungsleistung für solche Ausfälle gerechnet. Diese blieb jedoch aus.
Warum die Versicherung bislang nicht zahlt, wurde öffentlich nicht im Einzelnen erläutert. Claudia Huitz ist überzeugt, dass die Verantwortung nicht bei der Betreibergesellschaft liegt.
Der Streit soll nun juristisch geklärt werden. Welche Erfolgsaussichten bestehen und ob die ausstehenden Leistungen noch ausgezahlt werden, ist offen.
Geschäftsführerin musste Insolvenzantrag stellen
Claudia Huitz machte die wirtschaftliche Situation am 26. Oktober öffentlich. Bereits am Sonntag zuvor hatte sie nach eigenen Angaben für die Festspiele Burgrieden GmbH Insolvenz beantragt.
Sie schilderte, dass sie bis zuletzt versucht habe, eine Einigung zu erreichen und ein längeres Gerichtsverfahren zu vermeiden.
Eine Lösung sei jedoch nicht zustande gekommen. Die Gesellschaft habe angesichts ihrer finanziellen Lage nicht weiter abwarten können.
Die Geschäftsführerin bezeichnete die Insolvenz als Katastrophe für das gesamte Team. Rund 70 Menschen hatten nach ihren Angaben am Festspielbetrieb mitgewirkt.
Ob und in welchem Umfang Arbeitsplätze oder bestehende Beschäftigungsverhältnisse von der Insolvenz betroffen sind, wurde bislang nicht abschließend mitgeteilt.
Aufführungen für 2027 waren bereits vorbereitet
Besonders bitter ist die Entwicklung, weil die nächste Spielzeit bereits weitgehend vorbereitet war.
Für den Sommer 2027 sollte „Old Shatterhand“ auf die Bühne kommen. Ein neuer Hauptdarsteller war nach Angaben der Veranstalter bereits gefunden, auch das Werbeplakat lag fertig vor.
Diese Pläne sind nun hinfällig. Die Verantwortlichen haben die reguläre Spielzeit 2027 abgesagt.
Auch andere Veranstaltungen, die für 2027 und 2028 auf dem Gelände vorgesehen waren, stehen infrage. Dazu zählen Feste und Festivals außerhalb des eigentlichen Karl-May-Programms.
Welche Veranstaltungen möglicherweise von anderen Organisatoren übernommen werden könnten, ist bisher nicht bekannt.
Seit 2014 gehörten die Festspiele zum Kulturangebot der Region
Die Karl-May-Festspiele Burgrieden wurden 2014 gegründet. Claudia Huitz baute das Freilichttheater gemeinsam mit ihrem Ehemann auf.
Nach dessen Tod im Jahr 2015 führte sie das Projekt mit ihrem Team weiter.
Im Laufe der Jahre entstanden Inszenierungen bekannter Karl-May-Abenteuer, darunter „Winnetou“, „Old Surehand“ und „Unter Geiern“.
Auch während der Corona-Pandemie stand der Betrieb vor erheblichen Herausforderungen. Nach den Einschränkungen gelang es den Veranstaltern, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen.
Erst 2024 hatten die Festspiele ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert.
Die Bühne entwickelte sich zu einem überregional bekannten Ausflugsziel. Neben Besuchern aus Oberschwaben reisten auch Karl-May-Fans aus anderen Regionen Deutschlands an.
Karl Mays Geschichten bleiben auf anderen Bühnen präsent
Karl May wurde 1842 in Ernstthal im heutigen Hohenstein-Ernstthal in Sachsen geboren. Seine Abenteuerromane um Winnetou und Old Shatterhand gehören zu den bekanntesten Werken der deutschen Unterhaltungsliteratur.
Die Geschichten werden bis heute an verschiedenen Freilichtbühnen aufgeführt.
Zu den bekanntesten Spielorten zählen Bad Segeberg in Schleswig-Holstein und Elspe in Nordrhein-Westfalen.
Die Insolvenz in Burgrieden betrifft die dortige Betreibergesellschaft. Andere Karl-May-Festspiele sind von diesem Verfahren nicht unmittelbar betroffen.
In Sachsen erinnern unter anderem das Karl-May-Haus in Hohenstein-Ernstthal und das Karl-May-Museum in Radebeul an Leben und Werk des Schriftstellers.
Gibt es noch eine Zukunft für die Freilichtbühne?
Ob der Festspielbetrieb in Burgrieden dauerhaft eingestellt werden muss, steht noch nicht fest.
Die Geschäftsführerin hat öffentlich erklärt, dass sie sich eine Fortsetzung der Aufführungen wünsche. Sie sei bereit, eine mögliche Lösung zu unterstützen.
Welche Möglichkeiten sich aus dem Insolvenzverfahren ergeben, hängt unter anderem von der finanziellen Situation der Gesellschaft, dem Versicherungsstreit und möglichen neuen Betreibern ab.
Die Insolvenz bedeutet deshalb nicht zwangsläufig das endgültige Ende der Bühne. Für 2027 gibt es jedoch keine regulär geplante Karl-May-Spielzeit mehr.
Der Fall verdeutlicht zugleich ein wirtschaftliches Risiko von Freilichtveranstaltungen: Selbst eine gut besuchte Saison kann erhebliche Verluste verursachen, wenn mehrere Vorstellungen kurzfristig ausfallen und erwartete Versicherungsleistungen nicht zur Verfügung stehen.
Für die Mitarbeiter, Künstler und Zuschauer bleibt nun die Hoffnung, dass die Bühne in Burgrieden eines Tages wieder bespielt werden kann.