Kunst und Identität einer Region

Zwickau zeigt 100 Jahre Erzgebirgskunst: Mehr als 350 Werke in großer Ausstellung

Ein Jahrhundert Kunstgeschichte

Von Johannes Falkenberg 3 Min. Lesezeit

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Michael Müller (Vorstand metaWERK AG), Dr. Paul Kaiser (Kurator und Projektleiter), Patricia Werner (Geschäftsführerin Ostdeutsche Sparkassenstiftung), Elisa Lange (Abteilungsleiterin Unternehmenskommunikation Sparkasse Zwickau), Dieter Hoefer (Kurator) und Wolfgang Schinko (1. Vorsitzender des Kuns
Michael Müller (Vorstand metaWERK AG), Dr. Paul Kaiser (Kurator und Projektleiter), Patricia Werner (Geschäftsführerin Ostdeutsche Sparkassenstiftung), Elisa Lange (Abteilungsleiterin Unternehmenskommunikation Sparkasse Zwickau), Dieter Hoefer (Kurator) und Wolfgang Schinko (1. Vorsitzender des Kuns Foto: Stadtverwaltung Zwickau

In Zwickau eröffnet am Samstag, 31. Oktober 2026, eine umfangreiche Ausstellung zur Kunstgeschichte des Erzgebirges. Unter dem Titel „Mythos Erzgebirge. Kunst und Eigensinn einer Region“ werden mehr als 350 Werke von 122 Künstlerinnen und Künstlern gezeigt. Erstmals seit 80 Jahren widmet sich eine Retrospektive der künstlerischen Entwicklung des gesamten Erzgebirgsraums über einen Zeitraum von rund 100 Jahren.

Die Ausstellung ist bis zum 23. Mai 2027 in der Historischen Baumwollspinnerei 1896 an der Pölbitzer Straße zu sehen. Auf 1.600 Quadratmetern begegnen die Besucher Gemälden, Plastiken und weiteren Kunstformen des 20. und 21. Jahrhunderts.

Eine Kunstlandschaft abseits der großen Akademien

Das Erzgebirge ist vor allem für seine Bergbaugeschichte, seine Schnitzkunst und seine Weihnachtstraditionen bekannt. Weniger Aufmerksamkeit erhielt bislang die Entwicklung seiner bildenden Kunst, die sich über Generationen hinweg abseits der großen Kunsthochschulen vollzog.

Die Kuratoren Paul Kaiser und Dieter Hoefer möchten diese Geschichte erstmals in einem größeren Zusammenhang darstellen. Dabei geht es nicht allein um einzelne Künstler oder Stilrichtungen, sondern um die Frage, wie Landschaft, Geschichte und gesellschaftliche Veränderungen die Kunst der Region geprägt haben.

Dieter Hoefer betrachtet das Erzgebirge als eigenständigen Kunstraum, der neben den traditionsreichen Kunstzentren Dresden, Leipzig, Halle und Berlin bestehen kann.

Paul Kaiser spricht von einem „Kontinuum des Eigensinns“. Gemeint ist eine künstlerische Entwicklung, die sich nicht ausschließlich an akademischen Vorgaben und wechselnden Moden orientierte, sondern eigene Ausdrucksformen hervorbrachte.

122 Künstler und mehr als 350 Werke

Die Ausstellung vereint Arbeiten aus unterschiedlichen Generationen und künstlerischen Richtungen. Sie zeichnet Entwicklungen nach, die von den gesellschaftlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart reichen.

Im Mittelpunkt steht das Erzgebirge als kultureller Raum. Politische und geografische Grenzen treten dabei in den Hintergrund. Stattdessen untersuchen die Ausstellungsmacher, welche Erfahrungen, Traditionen und regionalen Besonderheiten die Künstler miteinander verbinden.

Die große Zahl der ausgestellten Werke ermöglicht es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den einzelnen Positionen sichtbar zu machen.

Besucher sollen dabei auch Künstler kennenlernen, die außerhalb ihrer Heimat bislang wenig Beachtung gefunden haben.

Historische Baumwollspinnerei wird zum Ausstellungsort

Veranstaltungsort ist die Historische Baumwollspinnerei 1896 in Zwickau-Pölbitz. Der Eigentümer, die metaWERK AG, stellt die gesamte Ausstellungsfläche kostenlos zur Verfügung.

Unternehmensvorstand Michael Müller möchte damit die regionale Kunstszene stärker in der Öffentlichkeit verankern. Nach seiner Auffassung kann die Ausstellung dazu beitragen, das kulturelle Selbstverständnis des Erzgebirges zu stärken.

Auch Zwickaus Oberbürgermeisterin Constance Arndt unterstützt das Projekt. Die Stadt hat die Nutzung der Immobilie vertraglich abgesichert.

Bereits im vergangenen Jahr wurde der historische Industriestandort für ein größeres Ausstellungsprojekt genutzt.

Ehrenamtliche unterstützen den Ausstellungsbetrieb

Organisiert wird „Mythos Erzgebirge“ vom Dresdner Institut für Kulturstudien und dem Kunstverein Zwickau.

Mehr als 50 Mitglieder und Unterstützer des Kunstvereins stehen nach Angaben des Vereins für den ehrenamtlichen Einsatz bereit. Sie helfen beim Aufbau, im laufenden Ausstellungsbetrieb und bei der Betreuung der Besucher.

Die Kuratoren sind Dr. Paul Kaiser und Dieter Hoefer. Die Projektleitung liegt bei Kaiser und Wolfgang Schinko, unterstützt von Jürgen Weber.

Gefördert wird die Ausstellung durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Zwickau. Die Schirmherrschaft hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer übernommen.

Ausstellung bis Mai 2027 geöffnet

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein 240 Seiten umfassender Katalog mit 208 Abbildungen und wissenschaftlichen Beiträgen zur Kunstgeschichte des Erzgebirges.

Der Band kostet in der Ausstellung 20 Euro, im Buchhandel und bei einer Bestellung über die Ausstellungswebsite 28 Euro.

Die Ausstellung ist mittwochs bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Auch an Feiertagen ist ein Besuch möglich.

Der reguläre Eintritt beträgt acht Euro, ermäßigt fünf Euro. Eine Familienkarte kostet 15 Euro.

Führungen können beim Dresdner Institut für Kulturstudien unter der Telefonnummer 0351 2656706 oder per E-Mail an info@kulturstudien-dresden.de angemeldet werden.

Weitere Informationen bietet die Ausstellungswebsite www.mythos-erzgebirge.de.

Themen: KulturZwickauErzgebirgeKunstausstellungMythos ErzgebirgeSächsische KunstgeschichteBaumwollspinnereiKunstverein ZwickauPaul Kaiser

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