Rockgeschichte live in der Lausitz

51 Jahre Engerling: DDR-Blueslegende bringt ihre Jubiläumstour nach Hoyerswerda

Kultband feiert 51 Jahre

Von Johannes Falkenberg 5 Min. Lesezeit

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Die ostdeutsche Bluesrockband Engerling um Sänger und Pianist Wolfram Bodag. Die Gruppe gastiert am 31. Oktober 2026 im Rahmen ihrer Jubiläumstour in der Kulturfabrik Hoyerswerda.
Die ostdeutsche Bluesrockband Engerling um Sänger und Pianist Wolfram Bodag. Die Gruppe gastiert am 31. Oktober 2026 im Rahmen ihrer Jubiläumstour in der Kulturfabrik Hoyerswerda. Foto: Victoria Tomaschko

Seit mehr als fünf Jahrzehnten steht Engerling für eigenständigen Bluesrock, musikalische Experimentierfreude und eine außergewöhnliche Bandgeschichte. Am Samstag, 31. Oktober 2026, gastiert die legendäre ostdeutsche Rockformation um Sänger und Pianist Wolfram Bodag in der Kulturfabrik Hoyerswerda. Unter dem Motto „50 Jahre + 1 Engerling“ setzt die Band ihre Jubiläumstour fort. Das Konzert beginnt um 20 Uhr und verspricht einen Abend zwischen Blues, Rock und einem halben Jahrhundert Musikgeschichte.

Eine Band, die seit 1975 ihren eigenen Weg geht

Die Geschichte von Engerling begann im Januar 1975 in einem Gasthof in Mahlow bei Berlin.

Fünf junge Musiker betraten damals die Bühne, um gemeinsam Blues und Rockmusik zu spielen.

Der Name der neuen Formation sorgte zunächst für Skepsis.

Der damalige Gastwirt soll wenig Vertrauen in die Zukunft der jungen Band gehabt haben. Mit einem Namen wie Engerling werde sie vermutlich nicht besonders weit kommen, lautete seine Einschätzung.

Mehr als 50 Jahre später hat sich diese Prognose als falsch erwiesen.

Engerling gehört zu den langlebigsten und bekanntesten Bluesrockformationen aus Ostdeutschland.

Dabei hat die Gruppe weder ihren ungewöhnlichen Namen noch ihre musikalische Eigenständigkeit aufgegeben.

Am 31. Oktober macht die Band nun in Hoyerswerda Station.

Zwischen DDR-Rock, Blues und musikalischer Freiheit

Schon in ihren Anfangsjahren ließ sich Engerling nur schwer in eine feste musikalische Kategorie einordnen.

Für die Kulturverantwortlichen der DDR entsprach die Formation nicht vollständig den Vorstellungen, die sie mit einer sozialistischen Rockband verbanden.

Engerling spielte einen Blues, der sich deutlich von anderen populären Rockproduktionen unterschied.

Gleichzeitig orientierten sich die Musiker nicht streng an den traditionellen Formen des amerikanischen Blues.

Statt ausschließlich klassische Zwölf-Takt-Schemata zu verwenden, verband die Gruppe Blues mit Rock, Soul und längeren instrumentalen Improvisationen.

Manche Stücke erinnerten dadurch an die experimentelle Rockmusik der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre.

Diese künstlerische Eigenständigkeit brachte Engerling sowohl Anerkennung als auch Kritik ein.

Während Vertreter einer möglichst authentischen Bluesmusik die stilistischen Freiheiten skeptisch betrachteten, fanden die Musiker gerade damit ihr eigenes Publikum.

Wolfram Bodag prägt den unverwechselbaren Klang

Im Zentrum der Bandgeschichte steht bis heute Wolfram Bodag.

Der Sänger, Pianist und Songwriter gehört zu den prägenden Persönlichkeiten des ostdeutschen Bluesrock.

Mit seinen Kompositionen und Texten entwickelte Engerling über Jahrzehnte eine unverwechselbare musikalische Handschrift.

Statt einfachen Unterhaltungsschlagern setzte die Gruppe auf ausdrucksstarke Instrumentalpassagen, anspruchsvolle Arrangements und Texte, die sich häufig mit menschlichen Erfahrungen und gesellschaftlichen Beobachtungen beschäftigen.

Die Musik bewegt sich zwischen klassischem Blues, Deutschrock und Elementen des Soul.

Charakteristisch ist dabei die Bereitschaft, Stücke live weiterzuentwickeln.

Gerade längere Improvisationen gehören seit den Anfangsjahren zum musikalischen Selbstverständnis der Band.

Damit unterscheidet sich ein Engerling-Konzert von einer reinen Wiedergabe bekannter Studioaufnahmen.

Von „Engerling“ bis „Tagtraum“: Eine lange Plattengeschichte

1979 erschien das erste Studioalbum mit dem schlichten Titel „Engerling“.

Es folgten weitere Veröffentlichungen, darunter „Tagtraum“ im Jahr 1981 und „So oder So“ von 1989.

Auch nach dem Ende der DDR setzte die Band ihre Arbeit fort.

1992 erschien das Album „Egoland“, 1997 folgte „Komm vor“.

Neben den Studioveröffentlichungen dokumentieren zahlreiche Livealben und Konzertmitschnitte die Entwicklung der Band.

Zum 25-jährigen Jubiläum wurde im Jahr 2000 ein Konzert auf Tonträger und Video veröffentlicht.

2005 erschien eine umfangreiche CD-Box mit den fünf Studioalben und drei Singles der Gruppe.

Weitere Jubiläumsproduktionen folgten zum 35. und 40. Bandgeburtstag.

Damit lässt sich die musikalische Geschichte von Engerling über mehrere Jahrzehnte anhand zahlreicher Veröffentlichungen nachvollziehen.

Nach Angaben der Band befindet sich derzeit auch ein neues Studioalbum in Arbeit.

Gemeinsam mit US-Rocklegende Mitch Ryder auf Tour

Ein besonderes Kapitel der Bandgeschichte ist die langjährige Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Rockmusiker Mitch Ryder.

Der aus Detroit stammende Sänger wurde bereits in den 1960er-Jahren international bekannt.

Seit 1994 begleitet Engerling ihn bei Konzertreisen durch Europa.

Die gemeinsamen Auftritte führten die Musiker unter anderem nach Deutschland, Österreich, in die Schweiz, nach Belgien, in die Niederlande, nach Frankreich, Spanien und Schweden.

Damit entwickelte sich aus der Zusammenarbeit eine außergewöhnlich dauerhafte transatlantische Musikpartnerschaft.

2004 wurde die gemeinsame Produktion „At Rockpalast“ veröffentlicht.

Seit 2012 ist das umfangreichere Konzertmaterial auch als Doppel-DVD erhältlich.

2024 erschien die zehnte gemeinsame CD von Mitch Ryder und Engerling.

Im selben Jahr absolvierten sie ihre 26. gemeinsame Tournee.

Diese stand unter dem Motto „30th Anniversary Tour“ und erinnerte an den Beginn der Zusammenarbeit im Jahr 1994.

Für Engerling bedeuteten die gemeinsamen Konzerte die Möglichkeit, ihre Musik auch einem internationalen Publikum zu präsentieren.

Keine reine Ostalgie-Band

Obwohl Engerling seit DDR-Zeiten besteht, verstehen sich die Musiker nicht als reine Erinnerungsformation.

Die Band setzt weiterhin auf neue musikalische Ideen und arbeitet an weiteren Veröffentlichungen.

Ihr Publikum verbindet unterschiedliche Generationen.

Langjährige Fans, die Engerling bereits in den 1970er- oder 1980er-Jahren erlebt haben, treffen bei Konzerten auf jüngere Zuhörer, die den Bluesrock erst später für sich entdeckt haben.

Gerade diese generationenübergreifende Wirkung gehört zum besonderen Charakter der Gruppe.

Die Musik ist eng mit der ostdeutschen Rockgeschichte verbunden, beschränkt sich jedoch nicht darauf.

Auch nach der Wiedervereinigung blieb Engerling aktiv und entwickelte seinen eigenständigen Stil weiter.

Das Jubiläum „50 Jahre + 1“ steht deshalb nicht nur für einen Rückblick.

Es macht zugleich deutlich, dass die Band weiterhin auf der Bühne steht und neue musikalische Projekte verfolgt.

Vier Musiker stehen in Hoyerswerda auf der Bühne

Für das Konzert in der Kulturfabrik Hoyerswerda ist die aktuelle vierköpfige Besetzung angekündigt.

Wolfram Bodag übernimmt Gesang, Keyboard und Mundharmonika.

Heiner Witte spielt Gitarre, Manne Pokrandt den Bass und Hannes Schulze das Schlagzeug.

Gemeinsam präsentieren die Musiker den charakteristischen Sound der Formation.

Das Programm verbindet nach der Ankündigung der Kulturfabrik musikalische Geschichte mit dem Blick nach vorn.

Zu erwarten ist ein Konzert, bei dem Rock- und Blueselemente ebenso eine Rolle spielen wie die für Engerling typischen instrumentalen Passagen.

Welche konkreten Titel in Hoyerswerda gespielt werden, wurde vorab nicht bekannt gegeben.

Konzert am 31. Oktober in der Kulturfabrik Hoyerswerda

Die Jubiläumstour macht am Samstag, 31. Oktober 2026, in Hoyerswerda Station.

Veranstaltungsort ist die Kulturfabrik Hoyerswerda in der Braugasse 1.

Konzertbeginn ist um 20 Uhr.

Eintrittskarten kosten im Vorverkauf 24,20 Euro. An der Abendkasse beträgt der Eintritt 28 Euro.

Weitere Informationen erhalten Interessierte bei der Kulturfabrik Hoyerswerda.

Mit dem Konzert präsentiert die Einrichtung eine Band, deren Geschichte weit über die DDR-Rockmusik hinausreicht.

Engerling steht seit 1975 für musikalische Eigenständigkeit, ausgedehnte Bühnenerfahrung und eine bis heute lebendige Verbindung von Rock und Blues.

Nach mehr als fünf Jahrzehnten will die Formation auch in Hoyerswerda zeigen, dass ihre Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt ist.

Themen: LausitzHoyerswerdaKonzertBluesrockOstrockMusikgeschichteDDR-RockKulturfabrik HoyerswerdaEngerlingWolfram BodagMitch Ryder

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