Die Friedrich-Schiller-Universität Jena eröffnet am Mittwoch, 28. Oktober 2026, zwei neue Ausstellungen, die antike Geschichte mit moderner Forschung verbinden. Während die Schau „Stifter, Spender und Sponsoren“ auf 180 Jahre Archäologisches Museum Jena zurückblickt, führt eine zweite Ausstellung mithilfe von Virtual Reality in die Welt des Apostels Paulus. Besucher können den antiken Artemis-Tempel von Ephesos virtuell erkunden und historische Münzen in dreidimensionalen Darstellungen betrachten. Beide Ausstellungen sind bis zum 12. Februar 2027 zu sehen.

Goethe legte den Grundstein für die archäologische Sammlung

Die Geschichte der Archäologischen Sammlung der Universität Jena reicht bis in das frühe 19. Jahrhundert zurück.

Bereits 1819 erwarb Johann Wolfgang von Goethe zwei Abgüsse antiker Pferdeköpfe vom Parthenon in Athen.

Die Stücke fanden zunächst im Anatomischen Kabinett der Universität ihren Platz.

Damit begann eine Sammeltätigkeit, aus der sich später das Archäologische Museum Jena entwickelte.

Die neue Ausstellung „Stifter, Spender und Sponsoren. 180 Jahre Archäologisches Museum Jena“ widmet sich insbesondere der Frage, wie die Exponate im Laufe der Jahrzehnte in die Sammlung gelangten.

Dr. Dennis Graen, Kustos der Antikensammlungen, betont dabei die Bedeutung bedeutender Persönlichkeiten und privater Förderer.

Neben Goethe unterstützten unter anderem der Archäologe Heinrich Schliemann, die Großfürstin Maria Pawlowna und der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Aufbau der Sammlung.

Weitere Stücke kamen aus Werkstätten in London, die auf die Herstellung von Abgüssen antiker Skulpturen spezialisiert waren.

Eintrittsgelder finanzierten neue Kunstwerke

Eine wichtige Rolle bei der Erweiterung der Sammlung spielten die sogenannten Rosenvorlesungen.

Mit diesen öffentlichen Veranstaltungen wurden wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.

Besonders das interessierte Jenaer Stadtbürgertum nutzte die Gelegenheit, sich mit antiker Kunst und Geschichte zu beschäftigen.

Die Einnahmen aus den Veranstaltungen hatten einen zusätzlichen Nutzen.

„Von den Erlösen der Eintrittsgelder in die Rosensäle konnten Neuerwerbungen finanziert werden“, erklärt Dennis Graen.

Damit trugen die Besucher unmittelbar zum Ausbau der universitären Sammlung bei.

Die Jubiläumsausstellung zeigt ausgewählte Objekte und erläutert, durch welche Stifter, Schenkungen oder Ankäufe sie nach Jena gelangten.

Dabei steht nicht nur der kunsthistorische Wert im Mittelpunkt, sondern auch die Geschichte ihrer Herkunft.

Archäologisches Museum wurde 1846 eröffnet

Das Archäologische Museum Jena entstand auf Initiative des klassischen Philologen Carl Wilhelm Goettling.

Im Jahr 1846 wurde die Einrichtung offiziell eröffnet.

Zunächst waren die Sammlungsstücke im damaligen Stadtschloss untergebracht.

Später wechselten sie in das Hauptgebäude der Universität, das 1908 an derselben Stelle errichtet worden war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Museum zunächst noch einmal für kurze Zeit öffnen.

Schließlich musste es jedoch aus Platzgründen weichen.

Die Sammlung blieb zunächst Eigentum der Universität.

Ein großer Teil der wertvollen Abgüsse gelangte später auf unterschiedlichen Wegen in den Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Erst 2025 wurden diese Exponate wieder in die Jenaer Sammlung zurückübertragen.

Damit konnte ein bedeutender Teil der historischen Sammlungsgeschichte wieder an seinem ursprünglichen Standort zusammengeführt werden.

Historische Hermesbüste kehrt zurück

Ein weiteres bemerkenswertes Objekt ist eine Büste des griechischen Gottes Hermes aus Marmor.

Sie wurde 1938 vom Chemiker Kurt Bennewitz gestiftet und war das letzte Exponat, das vor dem Zweiten Weltkrieg in die damalige Sammlung aufgenommen wurde.

Über viele Jahre befand sich die Büste im Foyer des Gebäudes Löbdergraben 24a.

Dort hat das Seminar für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie seinen Sitz.

Inzwischen ist die Hermesbüste an den Fürstengraben 25 zurückgekehrt.

Sie steht damit erneut im unmittelbaren Zusammenhang mit den Antikensammlungen der Universität.

Die Rückkehr des Kunstwerks gehört zu den besonderen Entwicklungen, die im Rahmen der Jubiläumsausstellung vorgestellt werden.

Mit Virtual Reality in die Welt des Apostels Paulus

Die zweite Ausstellung trägt den Titel „Apostel Paulus und das Geld. Antike Münzen zwischen jüdischer und griechisch-römischer Welt – in VR“.

Sie wird im Gewölbekeller am Fürstengraben 25 gezeigt.

Die Wanderausstellung stammt von der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Im Mittelpunkt steht die Bedeutung von Geld und Münzen in der antiken Welt des Apostels Paulus.

Mithilfe von Virtual-Reality-Brillen können Besucher historische Schauplätze auf neue Weise erleben.

Eine besondere Rolle spielt dabei die antike Stadt Ephesos in Kleinasien.

„Wir begleiten in der Ausstellung den Apostel Paulus auf seinen Reisen nach Kleinasien“, erklärt Dr. Anne Gürlach, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur für Klassische Archäologie.

Die virtuelle Technik ermöglicht es, ausgewählte historische Orte und Situationen räumlich nachzuvollziehen.

Antiker Artemis-Tempel wird virtuell erlebbar

Ein Höhepunkt der Ausstellung ist die virtuelle Darstellung des Artemis-Tempels von Ephesos.

Das Heiligtum gehörte zu den sieben Weltwundern der Antike.

Mit den VR-Brillen können Besucher die historische Anlage in einer digitalen Rekonstruktion betrachten.

Ergänzt wird das Erlebnis durch interaktive Begegnungen mit virtuellen Figuren.

Diese sogenannten Avatare vermitteln Informationen über das Leben und die wirtschaftlichen Verhältnisse in der antiken Welt.

Besucher erfahren dabei, welche Rolle Münzen im Alltag, im Handel und im gesellschaftlichen Zusammenleben spielten.

Die Kombination aus virtuellen Räumen und interaktiven Anwendungen soll historische Zusammenhänge anschaulich vermitteln.

Antike Münzen als dreidimensionale Modelle

Neben der virtuellen Darstellung historischer Orte beschäftigt sich die Ausstellung mit antiken Geldsystemen.

Die Münzen werden dabei nicht ausschließlich als Zahlungsmittel betrachtet.

Sie waren auch Träger politischer, religiöser und kultureller Botschaften.

Mithilfe detailreicher 3D-Modelle können Besucher die Gestaltung einzelner Münzen genauer untersuchen.

Die Exponate aus Tübingen werden nicht als Originale gezeigt, sondern als wissenschaftlich angefertigte Kopien.

Ergänzend präsentiert die Universität Jena ausgewählte Stücke aus ihren eigenen Antikensammlungen.

Sie besitzen einen Bezug zu Ephesos und dem dortigen Artemis-Heiligtum.

Damit verbindet die Ausstellung digitale Technik mit realen archäologischen Objekten.

Festvortrag eröffnet beide Ausstellungen

Die offizielle Eröffnung findet am Mittwoch, 28. Oktober 2026, statt.

Zum Auftakt ist ein öffentlicher Festvortrag im Großen Rosensaal am Fürstengraben 27 vorgesehen.

Referent ist Dr. Daniel Graepler, Kustos der Archäologischen Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen.

Sein Vortrag trägt den Titel „Sehschule, Forschungslabor und Schnittstelle zur Öffentlichkeit: Vom Nutzen archäologischer Universitätssammlungen heute“.

Beginn ist um 18 Uhr c. t., also nach akademischer Zeitrechnung um 18.15 Uhr.

Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Bedeutung archäologische Universitätssammlungen heute für Forschung, Lehre und die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse besitzen.

Die Veranstaltung richtet sich an die interessierte Öffentlichkeit.

Führungen bis Februar 2027 geplant

Beide Ausstellungen werden bis zum 12. Februar 2027 gezeigt.

Die Ausstellungsräume am Fürstengraben 25 sind montags bis donnerstags jeweils von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

Ergänzend werden thematische Führungen an Samstagen angeboten.

Auch individuelle Gruppenführungen können auf Anfrage vereinbart werden.

Interessierte können sich dafür per E-Mail an [antikensammlungen@uni-jena.de](mailto:antikensammlungen@uni-jena.de) wenden.

Mit den beiden Ausstellungen verbindet die Universität Jena ihre traditionsreiche archäologische Sammlung mit modernen Formen der Wissensvermittlung.

Während die Jubiläumsschau die Geschichte bedeutender Stifter und historischer Sammlungsobjekte erzählt, eröffnet die virtuelle Ausstellung neue Zugänge zur antiken Welt.

Damit können Besucher sowohl die Geschichte der Universität als auch die Lebenswelt des Apostels Paulus aus unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen.