Musik, die durch Verfolgung, Ausgrenzung und Exil lange Zeit aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt wurde, steht am 13. November 2026 im Mittelpunkt eines besonderen Konzertabends in Schwerin. Im Rahmen des Festivals der Verfemten Musik präsentieren junge internationale Preisträgerinnen und Preisträger Werke von Komponisten, deren Lebenswege durch die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts geprägt wurden. Das achte KON-Takte-Konzert beginnt um 19 Uhr im Brigitte Feldtmann Saal des Konservatoriums Schwerin.
Junge Musiker geben vergessenen Werken eine Stimme
Das Konzert ist zugleich ein Preisträgerkonzert des Internationalen Interpretationswettbewerbs verfemte Musik in Rostock.
Im Mittelpunkt steht das Duo Laterne, bestehend aus dem Saxophonisten Zihao Wang und der Pianistin Xintian Zhu. Die beiden jungen Musiker aus München wurden beim ersten internationalen Wettbewerb mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
Mit ihrer ungewöhnlichen Instrumentenkombination aus Saxophon und Klavier widmen sie sich besonders Werken, die heute nur selten auf Konzertprogrammen zu finden sind.
Ihr Anliegen ist es, die Musik von Komponisten wieder hörbar zu machen, deren Werke aus politischen, gesellschaftlichen oder persönlichen Gründen lange Zeit kaum aufgeführt wurden.
Das Schweriner Publikum erhält damit die Gelegenheit, musikalische Entdeckungen jenseits des bekannten klassischen Repertoires zu erleben.
Musik zwischen Verfolgung, Exil und Neubeginn
Unter dem Begriff „verfemte Musik“ werden Werke von Komponistinnen und Komponisten zusammengefasst, deren künstlerische Tätigkeit durch Verfolgung, Ausgrenzung oder politische Unterdrückung beeinträchtigt wurde.
Besonders während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden zahlreiche Musiker aufgrund ihrer jüdischen Herkunft, ihrer politischen Haltung oder ihrer künstlerischen Ausdrucksformen ausgegrenzt.
Ihre Werke verschwanden aus Konzertprogrammen, Aufführungen wurden verhindert und berufliche Existenzen zerstört. Viele Künstler waren gezwungen, Deutschland oder andere europäische Länder zu verlassen.
Ein Teil dieser Musik geriet dadurch über Jahrzehnte in Vergessenheit.
Das Festival der Verfemten Musik setzt sich dafür ein, solche Werke wieder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und zugleich an die Schicksale ihrer Urheber zu erinnern.
Dabei steht nicht allein die historische Auseinandersetzung im Mittelpunkt. Die Kompositionen sollen auch als eigenständige musikalische Kunstwerke wahrgenommen werden.
Duo Laterne präsentiert Jacobi, Ben-Haim und Milhaud
Für seinen Auftritt in Schwerin hat das Duo Laterne drei Werke ausgewählt, die unterschiedliche musikalische Ausdrucksformen des 20. Jahrhunderts repräsentieren.
Zu hören ist eine Sonate von Wolfgang Jacobi. Der deutsche Komponist gehörte zu jenen Künstlern, deren musikalisches Schaffen während der nationalsozialistischen Herrschaft erheblich eingeschränkt wurde.
Außerdem präsentieren Zihao Wang und Xintian Zhu die „Three Songs Without Words“ von Paul Ben-Haim.
Der ursprünglich aus München stammende Komponist emigrierte 1933 nach Palästina und entwickelte dort eine musikalische Sprache, die europäische Traditionen mit neuen kulturellen Einflüssen verband.
Ein weiterer Programmpunkt ist „Scaramouche“ von Darius Milhaud.
Das Werk des französischen Komponisten gehört zu seinen bekannten Kompositionen und verbindet rhythmische Lebendigkeit mit unterschiedlichen musikalischen Einflüssen.
Die Auswahl verdeutlicht, wie vielfältig die musikalischen Entwicklungen jener Epoche waren und wie unterschiedlich die Lebenswege der beteiligten Komponisten verliefen.
Weitere Werke von Weill, Hindemith und Schönberg
Neben dem Duo Laterne gestalten weitere Preisträgerinnen und Preisträger des internationalen Wettbewerbs den Konzertabend.
Auf dem Programm stehen Kompositionen von Paul Hindemith, Dick Kattenburg, Kurt Weill und Arnold Schönberg.
Die Künstler repräsentieren unterschiedliche Strömungen der Musik des 20. Jahrhunderts.
Kurt Weill wurde insbesondere durch seine Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht bekannt. Seine Werke verbinden Elemente klassischer Komposition mit Theatermusik und populären musikalischen Formen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließ er Deutschland.
Arnold Schönberg zählt zu den prägenden Komponisten der musikalischen Moderne. Auch er musste aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung emigrieren.
Der niederländische Komponist Dick Kattenburg wurde während der deutschen Besatzung der Niederlande verfolgt und 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Sein musikalisches Schaffen blieb deshalb unvollendet.
Das Konzert erinnert an diese unterschiedlichen Schicksale und macht zugleich die künstlerische Bedeutung der überlieferten Werke deutlich.
Erinnerungskultur durch Musik lebendig halten
Das Preisträgerkonzert verbindet die historische Erinnerung mit der Perspektive einer jungen Musikergeneration.
Die auftretenden Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich nicht nur mit den Noten der Kompositionen, sondern auch mit den Lebensumständen ihrer Urheber.
Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen musikalischer Interpretation und gesellschaftlicher Auseinandersetzung.
Die Werke werden nicht ausschließlich als historische Dokumente präsentiert. Vielmehr sollen sie zeigen, dass viele der einst ausgegrenzten Kompositionen auch heute eine eigenständige künstlerische Ausdruckskraft besitzen.
Gerade durch die Interpretation junger Musiker kann dieses Repertoire ein neues Publikum erreichen.
Das Festival der Verfemten Musik leistet damit einen Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Wiederentdeckung eines Teils der europäischen Musikgeschichte.
Konzert am 13. November im Konservatorium Schwerin
Das achte KON-Takte-Konzert findet am Freitag, dem 13. November 2026, um 19 Uhr im Brigitte Feldtmann Saal des Konservatoriums Schwerin statt.
Der Eintritt kostet regulär zwölf Euro, ermäßigt acht Euro.
Eintrittskarten sind im Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus erhältlich. Die Vorverkaufsstelle ist dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Eine Reservierung von Karten ist nicht möglich.
Der Zugang zum Brigitte Feldtmann Saal ist barrierearm gestaltet.
Für die kulinarische Begleitung vor dem Konzert und während der Pause sorgt das Team der „Kreislaufhelden“.
Mit dem Preisträgerkonzert bietet die Reihe KON-Takte einen Abend, der Musikgeschichte, historische Erinnerung und zeitgenössische Interpretationskunst miteinander verbindet.
Das Publikum kann dabei Werke entdecken, die lange Zeit nur selten zu hören waren und durch das Engagement einer neuen Musikergeneration wieder ihren Platz im Konzertleben finden.