Halle (Saale). Gedämmte Fassaden, modernisierte Technik und optimierte Heizungsanlagen verändern den kommunalen Wohnungsbestand schrittweise. Die Hallesche Wohnungsgesellschaft meldet für 2024 einen um 71 Prozent niedrigeren CO₂-Ausstoß als im Jahr 1990. Der Erfolg ist erheblich – doch die nächste Etappe dürfte schwieriger und teurer werden.
Noch immer entstehen mehr als 20.000 Tonnen CO₂
Die Hallesche Wohnungsgesellschaft hat ihre CO₂-Bilanz für das Jahr 2024 vorgelegt. Da Verbrauchs- und Abrechnungsdaten erst vollständig ausgewertet werden müssen, erscheint die Bilanz mit zeitlichem Abstand.
Für 2024 weist das kommunale Wohnungsunternehmen einen temperaturbereinigten Ausstoß von 20.688 Tonnen CO₂ aus. Die Bereinigung soll verhindern, dass besonders warme oder kalte Jahre den langfristigen Vergleich verzerren.
Gegenüber dem Ausgangsjahr 1990 entspricht das nach Angaben der HWG einer Senkung um 71 Prozent. Verantwortlich seien vor allem energetische Sanierungen, technische Verbesserungen an den Gebäuden und das Verbrauchsverhalten der Bewohner.
Die wichtigsten Werte im Überblick:
- 71 Prozent weniger CO₂ gegenüber 1990
- 20.688 Tonnen temperaturbereinigter CO₂-Ausstoß im Jahr 2024
- 98 Prozent der Emissionen entstehen in den Gebäuden
- zwei Prozent entfallen auf den betrieblichen Eigenverbrauch
- 89 Prozent der Wohnungen und Gewerbeeinheiten liegen in den Effizienzklassen A+ bis D
Heizung, Warmwasser und Hausstrom verursachen damit nahezu den gesamten verbleibenden Ausstoß. Fuhrpark, Büros und der sonstige Eigenverbrauch des Unternehmens spielen in der Bilanz nur eine vergleichsweise kleine Rolle.
„Investitionen in die energetische Verbesserung unserer Bestände leisten einen wichtigen Beitrag zu Klimaschutz und bezahlbarem Wohnen.“
HWG-Geschäftsführerin Simone Danz verweist darauf, dass ein geringerer Energieverbrauch nicht nur Emissionen senken, sondern sich auch positiv auf die verbrauchsabhängigen Heizkosten der Mieter auswirken könne.
Halles Wohnungsbestand liegt über dem Branchenvergleich
Nach Unternehmensangaben befinden sich 89 Prozent aller Wohnungen und Gewerbeeinheiten der HWG in den Energieeffizienzklassen A+ bis D. Der bundesweite Vergleichswert des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen liegt bei 75,4 Prozent.
Auch der Vergleichswert für Wohngebäude in den ostdeutschen Bundesländern fällt mit 86,3 Prozent etwas niedriger aus als bei der HWG. Das Unternehmen sieht darin einen Beleg dafür, dass ein erheblicher Teil seines Bestandes bereits energetisch vergleichsweise gut aufgestellt ist.
Energetische Sanierung bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass jedes Haus vollständig gedämmt oder jede Heizungsanlage ausgetauscht werden muss. Nach Angaben der HWG können bereits technische Optimierungen an bestehenden Anlagen den Energieverbrauch deutlich reduzieren.
Dazu können gehören:
- bessere Einstellungen von Heizungsanlagen,
- hydraulischer Abgleich,
- modernisierte Steuerungs- und Regeltechnik,
- effizientere Warmwasserbereitung,
- sanierte Dächer, Fenster oder Fassaden,
- angepasster Hausstromverbrauch.
Welche Maßnahme sinnvoll ist, müsse für jedes Gebäude einzeln geprüft werden. Entscheidend seien technische Wirkung, Wirtschaftlichkeit und soziale Verträglichkeit.
Weitere Einsparungen dürfen nicht allein die Mieter bezahlen
Für 2027 kündigt die HWG einen weiteren Schritt an. Der Hausstrom in den Wohngebäuden sowie der eigene Stromverbrauch des Unternehmens sollen dann vollständig auf Ökostrom umgestellt werden.
Dadurch könnten nach Berechnungen der Wohnungsgesellschaft jährlich weitere 800 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Die kommenden Jahre dürften dennoch schwieriger werden. Ein großer Teil der vergleichsweise leicht erreichbaren Einsparungen wurde bereits umgesetzt. Weitere Verbesserungen verlangen häufig höhere Investitionen in Gebäudehüllen, Wärmeversorgung und technische Anlagen.
Damit wächst der Konflikt zwischen drei Zielen:
- weniger CO₂ im Gebäudebestand,
- dauerhaft bezahlbare Heizkosten,
- Mieten, die für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen tragbar bleiben.
Die HWG betont selbst, Klimaschutz müsse mit bezahlbarem Wohnen verbunden werden. Diese Aussage wird daran zu messen sein, wie Sanierungen finanziert und welche Kosten später auf die Mieter umgelegt werden.
Für Halle ist die Frage besonders wichtig. Kommunale Wohnungsgesellschaften sollen nicht nur Gebäude modernisieren, sondern auch einen stabilisierenden Einfluss auf den örtlichen Mietmarkt ausüben. Klimapolitische Ziele dürfen deshalb nicht dazu führen, dass Wohnungen nach einer Sanierung für bisherige Bewohner unbezahlbar werden.
Die Bilanz von 2024 zeigt, dass große Einsparungen im bestehenden Wohnungsbestand möglich sind. Sie beantwortet aber noch nicht, wie die verbleibenden 29 Prozent auf sozial verträgliche Weise reduziert werden können. Genau darin liegt die entscheidende Aufgabe für die nächsten Jahre.
Quellen und Datenbasis
- Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH, CO₂-Bilanz für das Jahr 2024 und Pressemitteilung vom 15. Juli 2026.
- Stadt Halle (Saale), Veröffentlichung zur CO₂-Bilanz der HWG vom 23. Juli 2026.
- GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, von der HWG verwendete Vergleichswerte zu den Energieeffizienzklassen im Wohnungsbestand.