Europäische Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Subventionsbetrugs, Brandstiftung und Versicherungsbetrugs

Halle: 1,1 Millionen Euro EU-Fördergeld veruntreut? Verdächtiger soll Gebäude angezündet haben

Ein Mann aus Halle steht im Verdacht, mehr als 1,1 Millionen Euro EU-Fördermittel für die Sanierung historischer Gebäude zweckentfremdet zu haben. Um den mutmaßlichen Betrug zu verschleiern, soll er eines der Gebäude gleich zweimal angezündet haben. Bei Durchsuchungen in Halle und München wurden Vermögenswerte sichergestellt. Der Hauptverdächtige sitzt in Untersuchungshaft.

Von Elisa Winter 3 Min. Lesezeit

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Die Europäische Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug und Brandstiftung im Zusammenhang mit EU-Fördermitteln für historische Gebäude in Sachsen-Anhalt.
Die Europäische Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug und Brandstiftung im Zusammenhang mit EU-Fördermitteln für historische Gebäude in Sachsen-Anhalt. Foto: eppo

Halle (Saale). Die Europäische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Mann aus Sachsen-Anhalt, der mehr als 1,1 Millionen Euro an EU-Fördermitteln für private Zwecke verwendet haben soll. Der Verdächtige wurde im Zuge umfangreicher Ermittlungen festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft, nachdem Hinweise auf einen möglichen Subventionsbetrug sowie zwei mutmaßlich vorsätzlich gelegte Brände bekannt geworden waren.

Wie die Ermittlungsbehörde am Freitag, 6. November 2026, mitteilte, fanden bereits am Dienstag Durchsuchungen in Halle und München statt. Dabei wurden Beweismittel gesichert und Vermögenswerte beschlagnahmt.

Mehr als 1,1 Millionen Euro für historische Gebäude bewilligt

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen zwei gemeinnützige Vereine mit Sitz in Sachsen-Anhalt. Der Hauptverdächtige soll beide Organisationen vertreten und für sie Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) beantragt haben.

Insgesamt wurden nach Angaben der Europäischen Staatsanwaltschaft 1.126.299 Euro bewilligt und ausgezahlt.

Das Geld war für die Sanierung zweier historischer Gebäude vorgesehen. Neben baulichen Renovierungsarbeiten sollten auch Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz finanziert werden.

Nach Abschluss der Arbeiten war eine kulturelle Nutzung der Gebäude geplant.

Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass die Fördermittel kaum oder überhaupt nicht für die vorgesehenen Bauvorhaben verwendet wurden.

Stattdessen soll der Verantwortliche erhebliche Teile des Geldes auf persönliche Bankkonten umgeleitet haben.

Gefälschte Rechnungen sollten Geldflüsse verschleiern

Um die zweckwidrige Verwendung der Fördermittel zu verbergen, soll der Beschuldigte nach bisherigen Erkenntnissen gefälschte Rechnungen, Quittungen und weitere Unterlagen eingesetzt haben.

Mit diesen Dokumenten habe er gegenüber der bewilligenden öffentlichen Bank den Eindruck erwecken wollen, dass die Fördermittel ordnungsgemäß für die Sanierungsprojekte verwendet würden.

Die Ermittler untersuchen nun, in welchem Umfang die bewilligten Gelder tatsächlich in die Gebäude investiert wurden und wohin die übrigen Mittel geflossen sind.

Welche beiden historischen Gebäude betroffen sind und um welche Vereine es sich handelt, wurde bislang nicht öffentlich mitgeteilt.

Verdächtiger soll Gebäude zweimal in Brand gesetzt haben

Besonders schwer wiegt ein weiterer Vorwurf: Der Mann soll eines der geförderten Gebäude gleich zweimal vorsätzlich in Brand gesetzt haben.

Nach Darstellung der Europäischen Staatsanwaltschaft ereigneten sich die Brände jeweils kurz bevor angekündigte Vor-Ort-Kontrollen durch die finanzierende Bank stattfinden sollten.

Die Ermittler vermuten, dass der Beschuldigte durch die Feuer die tatsächliche Verwendung der Fördermittel verschleiern wollte.

Beide Brandereignisse waren bereits Gegenstand polizeilicher Ermittlungen.

Ob und in welchem Umfang die Brände tatsächlich zur Vernichtung möglicher Beweismittel führten, ist bislang nicht bekannt.

Versicherung zahlte mehr als 258.000 Euro

Im Zusammenhang mit den Bränden soll der Verdächtige außerdem versucht haben, Versicherungsleistungen zu erhalten.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörde machte er bei zwei Versicherungsgesellschaften entsprechende Schäden geltend.

Während eine Versicherung die beantragte Leistung verweigerte, zahlte die andere Gesellschaft mehr als 258.000 Euro aus.

Damit geht es in dem Verfahren nicht ausschließlich um mögliche Schäden am Haushalt der Europäischen Union. Auch ein privates Versicherungsunternehmen könnte durch den mutmaßlichen Betrug erheblich geschädigt worden sein.

Die Europäische Staatsanwaltschaft verfolgt deshalb neben dem Verdacht des Subventionsbetrugs und der Brandstiftung auch zwei Fälle des besonders schweren Betrugs beziehungsweise versuchten Betrugs zulasten von Versicherungen.

Durchsuchungen in Halle und München

Am Dienstag, 3. November, durchsuchten Ermittler mehrere Objekte in Halle und München.

In der bayerischen Landeshauptstadt richteten sich die Maßnahmen gegen zwei weitere Verdächtige, die ebenfalls mit dem Fall in Verbindung stehen sollen.

Bei den Einsätzen wurden Unterlagen und weitere mögliche Beweismittel sichergestellt.

Zudem erließen die zuständigen Behörden Maßnahmen zur Sicherung von Vermögenswerten im Umfang von rund 770.000 Euro.

Davon betroffen sind nach Angaben der Europäischen Staatsanwaltschaft insbesondere Bankkonten und Immobilien.

Mit den Sicherungsmaßnahmen soll verhindert werden, dass Vermögenswerte dem Zugriff der Justiz entzogen werden, bevor über mögliche Rückforderungen entschieden werden kann.

Hauptverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft

Der festgenommene Hauptverdächtige befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft.

Die Ermittlungen dauern an. Insbesondere müssen die Behörden klären, welche Geldbeträge tatsächlich zweckwidrig verwendet wurden, welche Rolle die weiteren Verdächtigen spielten und ob die Brände vorsätzlich zur Vertuschung des mutmaßlichen Fördermittelbetrugs gelegt wurden.

Auch die genaue Schadenshöhe ist Gegenstand der weiteren Untersuchungen.

Für sämtliche Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung.

Der Fall zeigt zugleich, welche Bedeutung die Kontrolle öffentlich finanzierter Bau- und Kulturprojekte hat. EU-Fördermittel sollen regionalen Entwicklungen zugutekommen und dürfen ausschließlich entsprechend den bewilligten Förderzwecken eingesetzt werden.

Ob die betroffenen historischen Gebäude noch saniert und künftig kulturell genutzt werden können, ist derzeit offen.

Themen: Sachsen-AnhaltBrandstiftungHalle SaaleEFREHistorische GebäudeMünchenEU-FördermittelSubventionsbetrugEuropäische StaatsanwaltschaftVersicherungsbetrug

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