Wer am Sonntagnachmittag im Osten Deutschlands am Kaffeetisch sitzt, begegnet fast zwangsläufig einem Klassiker der regionalen Backkultur. Ob bunter Papageienkuchen, cremiger Kleckskuchen oder feiner Biskuitboden: Viele dieser gebackenen Kindheitserinnerungen verdanken ihre Existenz einer Idee aus Halle an der Saale (Bundesland: Sachsen-Anhalt).
Hier fassten Kaethe und Rainer Thiele in den schwierigen Nachkriegsjahren den Entschluss, das Backen in den heimischen Küchen einfacher, schneller und vor allem gelingsicher zu machen. Aus ihrem mutigen Schritt erwuchs eine der sympathischsten Markenstories Mitteldeutschlands.
Inhaltsübersicht
Aus Not wird Innovation: Die Gründung im Jahr 1951
Der Durchbruch von 1953: Die erste Haushalts-Backmischung der DDR
Verstaatlichung und Rückerwerb: Der Zickzackkurs der Unternehmensgeschichte
Papageienkuchen & Co.: Das Geheimnis des dauerhaften Erfolgs
Ortspunkt Halle: Wo du die Kathi-Backwelt hautnah erlebst
Leser-Aufruf: Welcher Kathi-Kuchen gelingt bei dir am besten?
Aus Not wird Innovation: Die Gründung im Jahr 1951
Die Geschichte beginnt am 31. März 1951 im herzen von Halle. Das Ehepaar Kaethe Thiele (deren Vorname, leicht abgewandelt, zum Markennamen KATHI wurde) und Rainer Thiele gründete eine kleine Mühlen- und Nährmittelfabrik.
In einer Zeit, in der Zutaten oft knapp und rationiert waren, tüftelte das Paar an praktischen Helfern für die Hausfrau. Zunächst stellten sie Eiersatzpulver, Tortenmehl und Puddingpulver her. Kaethe Thiele brachte ihr feines Gespür für Geschmack und gelungene Teigkonsistenzen ein, während ihr Mann den kaufmännischen und technischen Aufbau vorantrieb.
Der Durchbruch von 1953: Die erste Haushalts-Backmischung der DDR
Der entscheidende Coup gelang den Thieles im Jahr 1953: Sie entwickelten die erste verzehrfertige Kuchenbackmischung der DDR.
Die Idee war genial: Alle trockenen Grundzutaten wie Mehl, Zucker, Backpulver und Aromen wurden in exakt abgemessener Qualität in einer Tüte vereint. Zu Hause mussten lediglich noch frische Zutaten wie Wasser, Milch oder Eier hinzugefügt werden. Das sparte wertvolle Zeit im Alltag und garantierte selbst ungeübten Bäckerinnen und Bäckern ein perfektes Ergebnis.
Verstaatlichung und Rückerwerb: Der Zickzackkurs der Unternehmensgeschichte
Der Erfolg blieb der DDR-Führung nicht verborgen. 1972 wurde der private Familienbetrieb im Zuge der großen Verstaatlichungswelle enteignet und in den VEB Backmehlwerk Halle umgewandelt. Dennoch blieb die Familie Thiele dem Betrieb in leitenden Positionen treu und wachte über die Qualität ihrer Rezepturen.
Nach der friedlichen Revolution ergriff Sohn Rainer Thiele gemeinsam mit seiner Frau Marco die Chance: 1991 kauften sie das Unternehmen von der Treuhand zurück. Als einer der ganz wenigen ostdeutschen Betriebe schaffte Kathi den nahtlosen Übergang in die freie Marktwirtschaft, modernisierte die Anlagen und stieg zu einem gesamtdeutschen Markenanbieter auf.
Papageienkuchen & Co.: Das Geheimnis des dauerhaften Erfolgs
Kathi versteht es bis heute, Tradition mit zeitgemäßen Backtrends zu verbinden:
Der Papageienkuchen: Der bunt eingefärbte Rührkuchen mit Schoko- und Fruchtnoten ist auf jedem Kindergeburtstag im Osten ein absoluter Kultstar.
Kleckskuchen und Streuselkuchen: Holen das klassische Blechkuchen-Gefühl wie von Oma direkt in die moderne Küche.
Qualität aus der Region: Verwendet werden überwiegend Rohstoffe aus mitteldeutschem Anbau.
Ortspunkt Halle: Wo du die Kathi-Backwelt hautnah erlebst
Wer die süße Welt von Kathi in Halle (Saale) (Bundesland: Sachsen-Anhalt) entdecken möchte, findet am Stammsitz ein echtes Paradies für Backfans:
Kathi Event- und Backwelt (Berliner Straße): Ein modernes Zentrum mit Eventküche, in dem regelmäßige Backkurse für Kinder und Erwachsene stattfinden. Hier kann man neue Rezepturen ausprobieren und den Profis über die Schulter schauen.
Kathi Werksverkauf: Bietet das komplette Sortiment an Kuchenbackmischungen, Brotmischungen, Herzhaftem sowie Dekor-Artikeln direkt ab Werk.
Leser-Aufruf: Welcher Kathi-Kuchen gelingt bei dir am besten?
Setzt du bei Familienfeiern auf den bunten Papageienkuchen, backst du am liebsten den klassischen Streuselkuchen oder verbindest du eigene Kindheitserinnerungen mit dem Duft aus der Kathi-Tüte?
Schickt uns eure Fotos und Geschichten per E-Mail an redaktion@ostdeutsche-zeitung.de!