Die Stadt Halberstadt hat mit der „Halberstadt Million“ ein neues Bürgerbeteiligungsprojekt gestartet. Einwohnerinnen und Einwohner können konkrete Vorschläge einreichen, mit denen die Kernstadt und die Ortsteile lebenswerter gestaltet werden sollen.

Für die Umsetzung geeigneter Projekte steht insgesamt eine Million Euro zur Verfügung. Oberbürgermeister Daniel Szarata stellte die Initiative im Rahmen des Halberstadtfestes vor. Gleichzeitig wurde die Internetseite des Projekts freigeschaltet.

Bis zum 30. September 2026 können neue Vorschläge eingereicht werden. Nach Angaben der Stadt befinden sich bereits 66 Projektideen in der Prüfung.

Einwohner sollen Stadtentwicklung mitgestalten

Die „Halberstadt Million“ richtet sich an alle Einwohner, die konkrete Verbesserungen für ihre Stadt oder einen der Ortsteile vorschlagen möchten.

„Gemeinsam gestalten wir unser Halberstadt“, erklärte Oberbürgermeister Daniel Szarata zum Auftakt. Das Projekt eröffne den Menschen die Möglichkeit, sich unmittelbar an der Entwicklung der Stadt zu beteiligen.

Das bereitgestellte Geld soll ausschließlich in investive Maßnahmen fließen. Gemeint sind damit vor allem bauliche Veränderungen oder Anschaffungen, von denen möglichst viele Menschen profitieren.

Ideen können bis Ende September eingereicht werden

Projektvorschläge können bis einschließlich 30. September 2026 online über die eigens eingerichtete Internetseite eingereicht werden.

Für eine Einreichung benötigt die Stadt zunächst eine kurze Beschreibung der Idee. Außerdem soll ein möglicher Standort genannt werden. Soweit möglich, sollten die Antragsteller auch eine ungefähre Einschätzung der Kosten angeben.

Eine vollständig ausgearbeitete Fachplanung ist damit offenbar nicht erforderlich. Entscheidend ist zunächst, dass die Idee verständlich beschrieben und grundsätzlich umsetzbar erscheint.

66 Vorschläge liegen bereits vor

Schon zu Beginn des Projekts ist das Interesse groß. Nach Angaben der Stadtverwaltung werden derzeit 66 eingereichte Vorschläge geprüft.

Welche konkreten Ideen darunter sind, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. Der aktuelle Stand der einzelnen Vorschläge soll jedoch auf der Projektseite veröffentlicht werden.

Damit sollen die Bürger nachvollziehen können, ob eine Idee noch geprüft wird, zugelassen wurde oder aus rechtlichen, finanziellen oder praktischen Gründen nicht umgesetzt werden kann.

Diese Voraussetzungen müssen Projekte erfüllen

Nicht jeder Vorschlag kann im Rahmen der „Halberstadt Million“ finanziert werden.

Geeignete Projekte müssen investiven Charakter haben. Dazu zählen insbesondere bauliche Maßnahmen oder Anschaffungen mit einem längerfristigen Nutzen.

Nach Angaben der Stadt sollen die Vorhaben außerdem:

  • möglichst geringe Folgekosten verursachen,
  • innerhalb von ein bis zwei Jahren umsetzbar sein,
  • vielen Menschen zugutekommen,
  • möglichst öffentlich zugänglich sein,
  • rechtlich und technisch realisierbar sein,
  • innerhalb des verfügbaren Budgets liegen.

Weitere Einzelheiten zu den Auswahlkriterien werden auf der Projektseite erläutert.

Laufende Kosten sollen begrenzt bleiben

Besondere Bedeutung hat die Frage der Folgekosten.

Eine Anschaffung oder Baumaßnahme verursacht häufig nicht nur einmalige Ausgaben. Später können Kosten für Wartung, Reinigung, Personal, Energie, Reparaturen oder Versicherungen entstehen.

Die Stadt will deshalb offenbar Projekte bevorzugen, die nach ihrer Fertigstellung keine dauerhaft hohen Belastungen für den kommunalen Haushalt verursachen.

Damit soll verhindert werden, dass eine zunächst populäre Idee in den folgenden Jahren zu einer finanziellen Daueraufgabe wird.

Kernstadt und Ortsteile können profitieren

Die Bürgerbeteiligung ist nicht auf das Zentrum Halberstadts beschränkt.

Auch Vorschläge aus den Ortsteilen können eingereicht werden. Damit erhalten Einwohner außerhalb der Kernstadt die Möglichkeit, auf örtliche Probleme und konkrete Verbesserungswünsche aufmerksam zu machen.

Denkbar sind beispielsweise neue Spiel- und Aufenthaltsbereiche, Verbesserungen an öffentlichen Wegen, zusätzliche Sitzgelegenheiten, kleinere Sportanlagen oder Anschaffungen für öffentlich zugängliche Einrichtungen.

Welche Projekte tatsächlich zulässig sind, entscheidet sich jedoch erst bei der Prüfung durch die Stadtverwaltung.

Verwaltung prüft Machbarkeit und Kosten

Nach Ablauf der Einreichungsfrist beginnt die umfassende Bewertung der Vorschläge.

Die Stadtverwaltung prüft dabei insbesondere:

  • die technische Umsetzbarkeit,
  • die rechtliche Zulässigkeit,
  • die voraussichtlichen Kosten,
  • notwendige Genehmigungen,
  • mögliche Folgekosten,
  • die Vereinbarkeit mit bestehenden Planungen,
  • die Frage, ob Grundstücke oder Flächen verfügbar sind.

Bei offenen Punkten will die Verwaltung Kontakt mit den jeweiligen Ideengebern aufnehmen.

Damit erhalten Bürger gegebenenfalls die Möglichkeit, ihre Vorschläge zu präzisieren oder fehlende Angaben nachzureichen.

Projektstatus wird öffentlich dokumentiert

Der jeweilige Bearbeitungsstand soll auf der Internetseite der „Halberstadt Million“ veröffentlicht werden.

Diese Transparenz ist für das Projekt besonders wichtig. Bürger sollen nachvollziehen können, was aus ihrer Idee geworden ist und weshalb ein Vorschlag für die Abstimmung zugelassen oder abgelehnt wurde.

Auch nach der Auswahl sollen die weiteren Fortschritte online dokumentiert werden.

Damit endet die Beteiligung nicht mit der Abstimmung. Die Einwohner können auch verfolgen, welche Projekte geplant, ausgeschrieben, gebaut oder bereits abgeschlossen wurden.

Online-Abstimmung im vierten Quartal

Alle Vorschläge, die die fachliche Prüfung erfolgreich durchlaufen, kommen anschließend in eine öffentliche Online-Abstimmung.

Diese ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Den genauen Zeitraum will die Stadt rechtzeitig bekannt geben.

Wie die Teilnahme an der Abstimmung technisch organisiert und wie verhindert wird, dass einzelne Personen mehrfach abstimmen, wird in der vorliegenden Mitteilung noch nicht erläutert.

Auch die Frage, ob alle Einwohner unabhängig vom Alter teilnehmen dürfen, bleibt zunächst offen.

Projekte mit den meisten Stimmen werden umgesetzt

Nach der Abstimmung sollen die Projekte mit den meisten Stimmen umgesetzt werden.

Dabei gilt jedoch eine finanzielle Grenze: Die ausgewählten Vorhaben werden nur so lange berücksichtigt, bis das Gesamtbudget von einer Million Euro ausgeschöpft ist.

Das kann dazu führen, dass ein vergleichsweise teures Projekt trotz vieler Stimmen einen großen Teil des Budgets bindet. Umgekehrt könnten mehrere kleinere Maßnahmen umgesetzt werden, wenn sie zusammen innerhalb des verfügbaren Rahmens bleiben.

Die endgültige Auswahl hängt deshalb sowohl vom Abstimmungsergebnis als auch von den jeweils geschätzten Kosten ab.

Bürgerbeteiligung wird konkret und sichtbar

Viele kommunale Beteiligungsverfahren konzentrieren sich auf Gespräche, Befragungen oder Stellungnahmen.

Mit der „Halberstadt Million“ verbindet die Stadt Beteiligung hingegen mit einem festen Investitionsbudget. Die Einwohner können nicht nur allgemeine Wünsche äußern, sondern konkrete Vorhaben vorschlagen und später über die geprüften Ideen abstimmen.

Damit erhalten Bürger einen unmittelbaren Einfluss darauf, welche zusätzlichen Maßnahmen in den kommenden Jahren umgesetzt werden.

Entscheidend für die Akzeptanz wird sein, dass die Auswahlregeln nachvollziehbar bleiben und die erfolgreichen Projekte tatsächlich zeitnah realisiert werden.

Kein Ersatz für reguläre Pflichtaufgaben

Das Beteiligungsbudget sollte nicht dazu dienen, notwendige Pflichtaufgaben der Stadt auf die Bürgerabstimmung zu verlagern.

Straßenunterhaltung, Gefahrenabwehr, Schulen, Brandschutz und andere gesetzliche Aufgaben müssen unabhängig von ihrer Popularität erfüllt werden.

Die „Halberstadt Million“ eignet sich vielmehr für zusätzliche investive Projekte, die die Aufenthaltsqualität, Freizeitmöglichkeiten oder das öffentliche Leben verbessern.

Eine klare Trennung zwischen regulären Verwaltungsaufgaben und zusätzlichen Bürgerprojekten ist deshalb notwendig.

Eine Million Euro als starkes Signal

Mit einem Volumen von einer Million Euro besitzt die Initiative ein beachtliches finanzielles Gewicht.

Das Budget ist hoch genug, um mehr als rein symbolische Kleinprojekte umzusetzen. Gleichzeitig bleibt es begrenzt, sodass nicht jede eingereichte Idee berücksichtigt werden kann.

Die Abstimmung dürfte deshalb auch eine Debatte darüber auslösen, welche Verbesserungen für Halberstadt besonders wichtig sind.

Dabei können unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen: Projekte für Familien, Jugendliche, Senioren, Sport, Kultur, Verkehr oder öffentliche Grünflächen konkurrieren möglicherweise um dieselben Mittel.

Klare Kriterien schützen vor Enttäuschungen

Für den Erfolg des Projekts ist eine frühzeitige und verständliche Kommunikation der Zulassungskriterien entscheidend.

Bürger könnten enttäuscht reagieren, wenn eine populäre Idee nicht zur Abstimmung zugelassen wird. Gründe können etwa fehlende Grundstücke, rechtliche Hindernisse, zu hohe Kosten oder dauerhafte Folgelasten sein.

Die Stadt sollte deshalb Ablehnungen nachvollziehbar erklären und möglichst aufzeigen, ob eine angepasste Variante des Vorschlags dennoch realisierbar wäre.

Die angekündigte Veröffentlichung des Projektstatus schafft dafür eine gute Grundlage.

Zeitplan der „Halberstadt Million“

Bis 30. September 2026

Einwohner können Projektideen online einreichen.

Nach Ende der Einreichungsfrist

Die Stadtverwaltung prüft die Vorschläge auf Machbarkeit, Rechtmäßigkeit und Kosten.

Viertes Quartal 2026

Die zugelassenen Projekte kommen in eine öffentliche Online-Abstimmung.

Anschließend

Die Projekte mit den meisten Stimmen werden umgesetzt, bis das Budget von einer Million Euro ausgeschöpft ist.

Während der Umsetzung

Der Fortschritt der ausgewählten Vorhaben wird online dokumentiert.

Kontakt für Rückfragen

Fragen zur Initiative können per E-Mail an die eigens eingerichtete Kontaktadresse der Stadt gerichtet werden:

halberstadt-million@halberstadt.de

Projektideen selbst sollen über die Internetseite der „Halberstadt Million“ eingereicht werden.

Mit der „Halberstadt Million“ stellt die Stadt ein festes Budget für Bürgerideen bereit.

Bis zum 30. September 2026 können Einwohner Vorschläge für investive Projekte in der Kernstadt und den Ortsteilen einreichen. Anschließend prüft die Verwaltung die Machbarkeit. Über die zugelassenen Ideen soll im vierten Quartal online abgestimmt werden.

Die Projekte mit den meisten Stimmen werden umgesetzt, bis die bereitgestellte Million ausgeschöpft ist. Bereits zum Start befinden sich 66 Vorschläge in der Prüfung.

Das Verfahren bietet eine echte Chance für mehr kommunale Mitbestimmung. Sein Erfolg wird daran gemessen werden, wie transparent die Auswahl erfolgt und wie schnell die gewählten Projekte anschließend verwirklicht werden.

Quelle

– Stadt Halberstadt: Pressemitteilung „Bürgerbeteiligungsprojekt ‚Halberstadt Million‘ gestartet“, 22. Juli 2026.