FORST (LAUSITZ). Psychische Belastungen gehören für viele Menschen zum Alltag – gesprochen wird darüber jedoch noch immer längst nicht selbstverständlich. Die Stadt Forst (Lausitz) will das im Oktober für zehn Tage ändern.

Vom 10. bis 20. Oktober 2026 beteiligt sich die Stadt an der Woche der seelischen Gesundheit. Unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt“ sind mehrere öffentliche Veranstaltungen sowie Angebote für Schülerinnen und Schüler geplant.

Über psychische Krisen sprechen

Die Aktionswoche soll informieren, Berührungsängste abbauen und Menschen auf Hilfs- und Beratungsangebote in der Region aufmerksam machen.

Bürgermeisterin Simone Taubenek sieht vor allem den offenen Umgang mit psychischen Belastungen als wichtig an.

> „Psychische Gesundheit geht uns alle an. Entscheidend ist, dass Menschen mit ihren Sorgen und Belastungen nicht allein bleiben und wissen, wo sie Unterstützung finden.“

Das Programm richtet sich an unterschiedliche Altersgruppen – von Grundschulkindern bis zu Erwachsenen.

21.000 Kilometer nach einer schweren Krankheit

Einer der zentralen Programmpunkte ist der Multivisionsvortrag von Darius Braun am Montag, 12. Oktober, um 18 Uhr in der Stadtbibliothek.

Braun erkrankte nach Angaben der Stadt im Alter von 15 Jahren an einem Hirntumor. Die Erkrankung beeinträchtigte zeitweise seine Sprache und seine Bewegungsfähigkeit.

Später durchquerte er allein mit dem Fahrrad den amerikanischen Kontinent. Rund 21.000 Kilometer legte er zwischen Kanada und Feuerland zurück. Die Reise dauerte 508 Tage und führte über rund 215.000 Höhenmeter.

In seinem Vortrag „Vom Gegenwind getragen – Wenn Tiefpunkte zu Chancen werden“ verbindet Braun diese Reise mit seiner persönlichen Geschichte.

Dabei geht es insbesondere darum, wie Menschen nach schweren Rückschlägen Orientierung und neue Perspektiven finden können.

Am folgenden Morgen ist zudem eine Veranstaltung mit Braun für Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen vorgesehen.

Was Menschen in Trauer und Krisen stärken kann

Am Dienstag, 13. Oktober, um 17 Uhr folgt in der Stadtbibliothek ein Vortrag zum Thema „Trauerbegleitung – Resilienz in schwierigen Zeiten“.

Führungskräfte-Coach und Supervisor Henry Roick beschäftigt sich dabei mit der Frage, wie Menschen mit Verlust, Trauer und persönlichen Krisen umgehen können.

Neben fachlichen Informationen soll es Gelegenheit zum persönlichen Austausch geben.

Unterstützt wird der Abend durch den Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst des Malteser Hilfsdienstes.

Wenn Einsamkeit krank macht

Am Mittwoch, 14. Oktober, um 17 Uhr rückt ein Problem in den Mittelpunkt, das häufig im Verborgenen bleibt: ungewollte Einsamkeit.

Gezeigt wird der Film „Ich gehöre nicht dazu. Wenn Einsamkeit krank macht.“

Vier Menschen berichten darin über ihre Erfahrungen mit Einsamkeit, eingeschränkter Lebensqualität und dem Gefühl, gesellschaftlich nicht mehr dazuzugehören.

Nach der Vorführung besteht die Möglichkeit, mit Ansprechpartnern aus der Selbsthilfe ins Gespräch zu kommen.

Beteiligt sind der DRK-Kreisverband Niederlausitz und SEKIZ – Dein Selbsthilfebüro.

Auch Kinder sollen lernen, über Gefühle zu sprechen

Die Stadt richtet einen Teil des Programms ausdrücklich an jüngere Menschen.

Am Freitag, 16. Oktober, kommt Kinderbuchautorin und Verlegerin Claudia Gliemann nach Forst.

Mit ihrem Buch „Dornröschen fährt Achterbahn“ greift sie Traurigkeit und schwierige Lebensphasen kindgerecht auf. Die Dornen des bekannten Märchens stehen dabei sinnbildlich für Belastungen und schwere Zeiten.

Schülerinnen und Schüler der städtischen Grundschulen können die Lesungen im Rahmen des Unterrichts besuchen.

Eintritt zu öffentlichen Veranstaltungen kostenlos

Für die öffentlichen Veranstaltungen werden kostenlose Eintrittskarten ausgegeben. Diese sind in der Stadtbibliothek Forst (Lausitz) erhältlich.

Da die Zahl der Plätze begrenzt ist, empfiehlt die Stadt eine frühzeitige Abholung.

Mehrere Angebote werden über das Projekt „Stark vor Ort“ aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg finanziert.

Die Aktionswoche soll neben Informationen vor allem eines erreichen: Menschen miteinander ins Gespräch bringen, bevor Sorgen, Trauer oder Einsamkeit zu Problemen werden, mit denen Betroffene allein bleiben.