Politiker fordern Schutz langer Erwerbsbiografien

Streit um Rente nach 45 Beitragsjahren: Widerstand aus dem Osten wächst

Die Diskussion über eine Reform der abschlagsfreien Altersrente erreicht Ostdeutschland. Politiker warnen davor, Beschäftigte zu benachteiligen, die früh ins Berufsleben eingestiegen sind und jahrzehntelang Beiträge gezahlt haben. Gerade im Osten könnte eine Verschärfung besonders viele Menschen treffen.

Von Sebastian Krüger 2 Min. Lesezeit

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Rente nach 45 Beitragsjahren: Ost-Politiker verlangen Bestandsschutz
Symbolbild (KI-generiert)

Die Debatte über einen späteren Renteneintritt entwickelt sich in Ostdeutschland zu einem politischen Reizthema. Mehrere Politiker warnen davor, die abschlagsfreie Altersrente für Menschen mit mindestens 45 Versicherungsjahren grundlegend einzuschränken. Ihr Argument: Besonders im Osten haben viele Beschäftigte früh angefangen zu arbeiten und jahrzehntelang in körperlich belastenden Berufen gearbeitet.

Sachsens CDU-Generalsekretär Tom Unger fordert eine Rentenreform, die verlässlich und gerecht bleibt. Er verweist darauf, dass der geltende Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren sichern soll.

„Rente mit 63“ stimmt längst nicht mehr

Der häufig verwendete Begriff „Rente mit 63“ ist inzwischen nur noch eingeschränkt richtig.

Für Versicherte des Jahrgangs 1964 und jünger liegt die Altersgrenze für die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Versicherungsjahren bei 65 Jahren.

Trotzdem hat sich die Bezeichnung politisch gehalten.

Entscheidend ist deshalb nicht das Alter 63, sondern die Frage, ob Arbeitnehmer nach einer sehr langen Beitragszeit ohne Abschläge in den Ruhestand gehen können.

Ostdeutsche Erwerbsbiografien unterscheiden sich

In vielen ostdeutschen Regionen begannen Menschen früher als heute bereits mit 16 oder 17 Jahren ihre Ausbildung.

Wer anschließend ohne längere Unterbrechungen arbeitete, kann schon vergleichsweise früh auf 45 Versicherungsjahre kommen.

Davon betroffen sind beispielsweise Beschäftigte im Handwerk, in der Industrie, im Baugewerbe oder in Pflegeberufen.

Gerade dort argumentieren Kritiker einer Verschärfung, dass eine längere Lebensarbeitszeit körperlich kaum realistisch sei.

Befürworter einer Reform verweisen auf Fachkräftemangel

Auf der anderen Seite steht die demografische Entwicklung.

Deutschland altert. Gleichzeitig gehen die geburtenstarken Jahrgänge zunehmend in den Ruhestand.

Damit wächst der Druck auf das Rentensystem. Immer weniger Beitragszahler müssen langfristig für immer mehr Rentner aufkommen.

Unternehmen wiederum leiden unter Fachkräftemangel und wünschen sich, dass erfahrene Mitarbeiter länger im Beruf bleiben.

Aus wirtschaftlicher Sicht erscheint ein späterer Renteneintritt deshalb attraktiv.

Körperliche Berufe bleiben Streitpunkt

Genau hier liegt allerdings ein zentraler Konflikt.

Ein Büroangestellter kann möglicherweise leichter bis 67 oder darüber hinaus arbeiten als ein Dachdecker, eine Pflegekraft oder ein Beschäftigter in der Produktion.

Deshalb werden Übergangsregelungen und Sonderregelungen für besonders belastende Berufe diskutiert.

Sachsens CDU fordert beispielsweise lange Übergangsfristen und Vertrauensschutz für ältere Jahrgänge.

Rentenreform dürfte den Herbst prägen

Die Bundesregierung muss nun entscheiden, welche Vorschläge aus der aktuellen Reformdiskussion tatsächlich aufgegriffen werden.

Dabei wird es nicht nur um das Renteneintrittsalter gehen.

Auch Beitragssätze, Steuerzuschüsse, private Vorsorge und betriebliche Altersversorgung dürften Teil der Debatte werden.

Für Ostdeutschland ist vor allem eine Frage entscheidend: Werden lange Beitragszeiten auch künftig besonders berücksichtigt?

Die Antwort darauf dürfte für Millionen Beschäftigte unmittelbar relevant werden.

Quellen

CDU Sachsen: Stellungnahme von Generalsekretär Tom Unger zur Rentenreform, veröffentlicht am 7. August 2026

Bundesregierung: Aktuelle Diskussion zur Reform der gesetzlichen Rentenversicherung

Deutsche Rentenversicherung: Regelungen zur Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Themen: OstdeutschlandSachsenBrandenburgArbeitsmarktRenteRentenreform45 Beitragsjahre

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