Wenn der Dresdner Striezelmarkt – Deutschlands ältester Altmarkt-Weihnachtsmarkt (gegründet 1434) – im späten November seine Pforten öffnet, hüllt ein Duft aus Butter, Gewürzen und kandierten Früchten die barocke Altstadt der sächsischen Landeshauptstadt Dresden (Bundesland: Sachsen) ein.
Der Dresdner Christstollen (im Sächsischen liebevoll „Striezel“ genannt) ist weit mehr als ein Weihnachtsgebäck: Er ist ein geschütztes Kulturgut von Weltrang, dessen Herstellungsregeln strenger bewacht werden als manches Staatsgeheimnis.
Inhaltsübersicht
Vom Fastenbrot zum Luxusgebäck: Der Papst und der „Butterbrief“ von 1491
Der Gigantismus des Barock: August der Starke und der 1,8-Tonnen-Stollen
Das Siegel der Qualität: Warum nur wenige Bäcker das Zertifikat tragen
Rosinen, Butter und Geduld: Das Geheimnis der traditionellen Rezeptur
Ortspunkt Dresden: Wo du die Stollenkultur hautnah erlebst
Leser-Aufruf: Schneidest du den Stollen traditionell aus der Mitte an?
Vom Fastenbrot zum Luxusgebäck: Der Papst und der „Butterbrief“ von 1491
Die Anfänge des Stollens im 14. Jahrhundert klingen aus heutiger Sicht ernüchternd. Als katholisches Fastengebäck in der Adventszeit durfte der Stollen laut Kirchenrecht weder Butter noch Milch enthalten. Die Bäcker mussten auf wässriges Öl zurückgreifen, was das Gebäck trocken und geschmacklos machte.
Kurfürst Ernst von Sachsen und sein Bruder Albrecht wandten sich schließlich an den Vatikan. Im Jahr 1491 erließ Papst Innozenz VIII. das berühmte Diplom, das als Dresdner „Butterbrief“ in die Geschichte einging. Gegen die Zahlung eines Obolus (dem „Buttergeld“ zum Bau des Freiberger Doms) durften die sächsischen Bäcker fortan vollmundige Butter ohne kirchliche Strafe verwenden. Aus dem kargen Fastenbrot wurde ein edles Gebäck.
Der Gigantismus des Barock: August der Starke und der 1,8-Tonnen-Stollen
Im Barock stieg der Stollen vollends zum kurfürstlichen Prunkstück auf. Den absoluten Höhepunkt setzte der sächsische Kurfürst August der Starke im Juni 1730 anlässlich des Zeithainer Lustlagers – einer gigantischen Truppenschau vor dem europäischen Adel.
Er befahl der Dresdner Bäckerinnung, einen Stollen der Superlative zu backen. Der Dresdner Bäckermeister Andreas Zacharias erschuf mit 100 Gehilfen einen 1,8 Tonnen schweren Riesenstollen, für den eigens ein riesiger Ofen gebaut und ein gigantisches Stollenmesser geschmiedet werden musste. Dieser spektakuläre Auftritt begründete die Tradition des heutigen Dresdner Stollenfestes.
Das Siegel der Qualität: Warum nur wenige Bäcker das Zertifikat tragen
Seit 2010 ist der „Dresdner Christstollen“ als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) EU-weit lückenlos geschützt.
Der Schutzverband Dresdner Stollen e.V. wacht penibel darüber, dass nur Stollen das begehrte goldene Qualitätssiegel mit dem Bildnis Augusts des Starken tragen dürfen, die:
Tatsächlich auf dem Gebiet der Stadt Dresden sowie in wenigen direkt angrenzenden Gemeinden von Meisterhand gebacken wurden.
Keinerlei künstliche Aromen, Zusatzstoffe oder Margarine enthalten.
Das vorgeschriebene Mindestverhältnis von Butter (mind. 50 kg auf 100 kg Mehl) sowie Sultaninen/Rosinen, Mandeln und Zitronat streng einhalten.
Rosinen, Butter und Geduld: Das Geheimnis der traditionellen Rezeptur
Nach dem Backen wird der heiße Stollen reichlich mit flüssiger Butter bestrichen und in Kristallzucker sowie einer dichten Hülle aus Puderzucker gewendet.
Kennen wissen: Ein frischer Dresdner Stollen muss nach dem Backen mindestens zwei bis vier Wochen an einem kühlen, feuchten Ort (traditionell im kühlen Keller) durchziehen. Erst durch diese Ruhephase verteilen sich die ätherischen Öle der Früchte und die Feuchtigkeit der Butter gleichmäßig im Teig, was ihm seine unnachahmliche, saftige Krume verleiht.
Ortspunkt Dresden: Wo du die Stollenkultur hautnah erlebst
Wer auf den Spuren des Weihnachtskönigs in Dresden (Bundesland: Sachsen) unterwegs ist, findet faszinierende Traditionsorte:
Dresdner Striezelmarkt (Altmarkt): Der älteste Weihnachtsmarkt Deutschlands ist der stimmungsvollste Ort, um frischen Stollen direkt von Dresdner Handwerksbäckern zu verkosten.
Schaubäckereien & Bäckermuseum: Während der Weihnachtszeit öffnen viele Dresdner Handwerksbäckereien (wie die Schaubäckerei im Dresdner Backhaus) ihre Türen für Besucher, um das Aufschlagen des Stollenteigs live zu zeigen.
Dresdner Stollenfest: Jedes Jahr am Samstag vor dem 2. Advent zieht ein riesiger Festumzug mit einem tonnenschweren Riesenstollen durch die Dresdner Altstadt.
Leser-Aufruf: Schneidest du den Stollen traditionell aus der Mitte an?
Nach alter Dresdner Tradition schneidet man den Stollen nicht an den Enden, sondern direkt in der Mitte durch, schiebt die beiden Hälften nach dem Anschneiden wieder eng zusammen und schützt ihn so vor dem Austrocknen.
Schneidest du deinen Stollen auch aus der Mitte an, genießt du ihn am liebsten zum Kaffee oder hast du schon einmal das Stollenfest in Dresden miterlebt?
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