Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden erweitert seine robotergestützte Chirurgie um eine neue Generation von Operationstechnik. Das Team der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie hat erstmals erfolgreich das System Da Vinci SP eingesetzt. Das Kürzel SP steht für „Single Port“: Kamera und drei Instrumente werden gemeinsam über nur einen Zugang in den Körper eingebracht. Damit sollen besonders präzise und schonende Eingriffe in anatomisch engen Regionen möglich werden.

Kamera und drei Instrumente nutzen nur einen Zugang

Der technische Unterschied zu bisherigen robotischen Operationssystemen liegt vor allem im Zugang zum Körper.

Beim Da Vinci SP werden Kamera und drei flexible Instrumente gemeinsam über eine einzige Öffnung eingeführt. Erst im Körper entfalten sich die Instrumente und können anschließend unabhängig voneinander bewegt werden.

Das bietet insbesondere bei Operationen Vorteile, bei denen nur wenig Platz zur Verfügung steht.

Die Chirurgen erhalten zugleich eine hochauflösende dreidimensionale Darstellung des Operationsgebietes. Durch die Beweglichkeit der Instrumente sollen Gewebe besonders präzise präpariert und umliegende Strukturen geschont werden können.

Kleinere Zugänge sollen Belastung reduzieren

Für Patientinnen und Patienten liegt ein möglicher Vorteil vor allem in der geringeren Zahl notwendiger Zugänge.

Bei geeigneten Eingriffen kann dadurch die Belastung des Körpers reduziert werden. Kleinere Zugänge können außerdem zu einer schnelleren Erholung beitragen.

Gerade bei Krebserkrankungen kann dies von Bedeutung sein. Wenn sich Patienten nach einer Operation schneller erholen, können notwendige weitere Therapien möglicherweise früher fortgesetzt werden.

Das neue System soll zunächst vor allem in der Viszeralchirurgie eingesetzt werden.

Perspektivisch ist nach Angaben des Universitätsklinikums auch eine Nutzung in der Urologie sowie in der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde vorgesehen.

Erste Patientin kam aus Chemnitz

Zu den ersten mit dem neuen System operierten Patienten gehörte eine 60-jährige Frau aus Chemnitz.

Bei ihr war ein Tumor im Bereich des Dickdarms festgestellt worden. Zum Zeitpunkt der Diagnose hatten sich bereits Metastasen in der Leber gebildet.

Nach einer erfolgreichen medikamentösen Tumorbehandlung empfahl das interdisziplinäre Tumorboard die operative Entfernung des Primärtumors.

Das Team der Dresdner Klinik entfernte den betroffenen Darmabschnitt im Rahmen einer rechtsseitigen Hemikolektomie minimalinvasiv und mit Unterstützung des neuen Robotersystems.

Nach Angaben des Klinikums verlief der Eingriff erfolgreich.

Nicht der Roboter operiert selbstständig

Das Universitätsklinikum betont zugleich, dass der Begriff OP-Roboter nicht mit einem selbstständig arbeitenden System verwechselt werden darf.

Der Roboter führt die Operation nicht eigenständig durch. Er überträgt vielmehr die Bewegungen der Chirurginnen und Chirurgen auf die Instrumente.

Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, hebt hervor, dass die Technologie die Erfahrung der Operateure ergänzt.

Damit bleibt die Verantwortung bei den behandelnden Ärzten. Die Technik soll ihnen vor allem präzisere Bewegungen und bessere Sichtverhältnisse ermöglichen.

Dresden verfügt jetzt über vier Robotersysteme

Mit der Inbetriebnahme des neuen Systems wächst die robotische Infrastruktur des Universitätsklinikums weiter.

In den Operationssälen stehen nun insgesamt drei Da-Vinci-Systeme zur Verfügung.

Zusätzlich verfügt das Klinikum über einen Experimental-OP-Roboter. Dieser wird für Forschungsprojekte genutzt und soll helfen, neue Einsatzgebiete robotergestützter Chirurgie zu untersuchen.

Damit sind insgesamt vier robotische Systeme am Standort vorhanden.

Rund 800 robotisch assistierte Operationen im Jahr

Robotergestützte Eingriffe gehören in Dresden bereits seit Jahren zum klinischen Alltag.

Allein in der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie werden jährlich rund 900 minimalinvasive Operationen durchgeführt.

Etwa 300 davon erfolgen robotisch assistiert.

Auch die Klinik für Urologie sowie die Frauenheilkunde und Gynäkologie nutzen OP-Robotik.

Insgesamt werden nach Angaben des Universitätsklinikums pro Jahr rund 800 Patientinnen und Patienten mit Unterstützung eines Operationsroboters behandelt.

Klinik wurde als Exzellenzzentrum ausgezeichnet

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie hat die Dresdner Klinik Ende des vergangenen Jahres als Exzellenzzentrum für Minimal-Invasive und Robotische Chirurgie ausgezeichnet.

Die Einführung des Da Vinci SP erweitert das Spektrum nun um eine weitere Technik.

Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, sieht darin zugleich eine Möglichkeit, die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen am Universitätsklinikum weiter auszubauen.

Gerade bei komplexen Krankheitsbildern sollen unterschiedliche Disziplinen künftig noch enger auf die robotischen Systeme zugreifen können.

Zentrum für operative Robotik ist geplant

Die Anschaffung des neuen Systems ist nach Angaben des Klinikums auch Teil einer größeren strategischen Entwicklung.

Geplant ist ein Zentrum für operative Robotik, kurz ZIOR.

Dort sollen künftig klinische Versorgung, Forschung und Ausbildung enger miteinander verbunden werden.

Das Universitätsklinikum will damit nicht nur mehr robotergestützte Eingriffe anbieten, sondern auch neue Verfahren untersuchen und medizinisches Personal an den Systemen ausbilden.

Mit dem Da Vinci SP steht dafür nun erstmals eine Single-Port-Technologie zur Verfügung.