Die Verwaltungschefs von Brandenburg an der Havel, Rathenow, Premnitz und Bad Belzig wollen ihre Zusammenarbeit deutlich ausbauen. Oberbürgermeister Daniel Keip sowie die Bürgermeister Jörg Zietemann, Thomas Rosenberg und Robert Pulz trafen sich dazu im Altstädtischen Rathaus. Im Mittelpunkt standen der regionale Arbeitsmarkt, kommunale Haushalte, Bereitschaftsdienste der Feuerwehren, die Krankenhausreform und eine mögliche gemeinsame Bewerbung als Außenstelle der Internationalen Bauausstellung Berlin Brandenburg für die Jahre 2034 bis 2037.

Bad Belzig soll stärker eingebunden werden

Zwischen Brandenburg an der Havel, Rathenow und Premnitz bestehen bereits enge Verbindungen. Ein wichtiger Ausgangspunkt war die gemeinsame Bundesgartenschau im Jahr 2015.

Auch in der Wirtschaftsregion Westbrandenburg arbeiten die Städte zusammen. Künftig soll Bad Belzig stärker in diese Strukturen eingebunden werden.

Als erster konkreter Schritt wird eine Beteiligung Bad Belzigs am jährlich im September stattfindenden Berufemarkt genannt. Dort können Unternehmen, Verwaltungen und Bildungseinrichtungen um Nachwuchs werben.

Die Erweiterung kann den Markt stärken, sofern nicht lediglich zusätzliche Informationsstände entstehen. Entscheidend sind konkrete Ausbildungsplätze, Praktika und verlässliche Kontakte zwischen Schulen und Betrieben.

Fachkräfte bleiben eine gemeinsame Herausforderung

Die vier Städte stehen vor ähnlichen Problemen. Junge Menschen verlassen die Region teilweise für Ausbildung und Studium, während Unternehmen, Kliniken, Verwaltungen und Handwerksbetriebe Personal suchen.

Einzelne Kommunen können diese Entwicklung kaum allein umkehren. Sie konkurrieren um dieselben Fachkräfte und verfügen jeweils nur über begrenzte Mittel für Werbung und Ansiedlung.

Eine regionale Strategie könnte Ausbildung, Wohnen, Verkehr und Unternehmensentwicklung besser miteinander verbinden. Wer in Rathenow arbeitet, kann in Brandenburg wohnen. Wer in Bad Belzig ausgebildet wird, könnte später in Premnitz oder Brandenburg an der Havel beschäftigt sein.

Voraussetzung sind zuverlässige Verkehrsverbindungen. Ohne passende Bus- und Bahnangebote bleibt der regionale Arbeitsmarkt für Menschen ohne Auto eingeschränkt.

Krankenhäuser sollen enger kooperieren

Ein besonderer Schwerpunkt war die Krankenhausreform. Die Bürgermeister sprachen über die Herausforderungen der Kliniken in Brandenburg an der Havel, Rathenow und Bad Belzig.

Gemeinsames Ziel ist eine stärkere Zusammenarbeit der regionalen Gesundheitszentren und eine langfristige Sicherung der medizinischen Versorgung.

Kooperation kann bedeuten, dass sich Häuser auf bestimmte Fachbereiche konzentrieren, gemeinsame Dienste aufbauen oder Personal und Technik besser abstimmen.

Eine solche Arbeitsteilung darf jedoch nicht dazu führen, dass grundlegende Versorgung für Teile der Bevölkerung nur noch weit entfernt erreichbar ist. Notfallversorgung, Geburtshilfe, innere Medizin und wohnortnahe ambulante Angebote müssen regional sinnvoll verteilt werden.

Feuerwehrbereitschaften beschäftigen die Kommunen

Auch Bereitschaftsdienste bei den Feuerwehren wurden angesprochen.

Viele Städte und Gemeinden haben Schwierigkeiten, rund um die Uhr ausreichend qualifiziertes Personal vorzuhalten. Das betrifft Berufs-, Werk- und freiwillige Feuerwehren in unterschiedlicher Weise.

Gemeinsame Ausbildungsangebote, Leitstellenstrukturen oder technische Beschaffung können Kosten senken. Bei Einsätzen muss jedoch klar bleiben, welche Einheit wann zuständig ist und wie schnell Hilfe am Ereignisort eintrifft.

Zusammenarbeit darf nicht als Vorwand dienen, lokale Strukturen ohne ausreichenden Ersatz abzubauen.

Haushaltsprobleme verbinden die Städte

Die Bürgermeister tauschten sich auch über die angespannte Finanzlage ihrer Kommunen aus.

Steigende Personal-, Energie- und Sozialausgaben treffen auf begrenzte Einnahmen. Gleichzeitig müssen Straßen, Schulen, Feuerwehren, Kultur und öffentliche Gebäude unterhalten werden.

Gemeinsame Beschaffung oder geteilte Dienstleistungen können Einsparungen ermöglichen. Nicht jede Aufgabe eignet sich jedoch dafür.

Bürgerbüros, soziale Beratung oder Gefahrenabwehr müssen für Einwohner erreichbar bleiben. Eine regionale Zentralisierung kann wirtschaftlich sinnvoll wirken, gleichzeitig aber längere Wege und weniger direkte Ansprechpartner verursachen.

Gemeinsame Bewerbung für Internationale Bauausstellung

Die vier Verwaltungschefs prüfen eine gemeinsame Bewerbung als Außenstelle der Internationalen Bauausstellung Berlin Brandenburg für den Zeitraum 2034 bis 2037.

Eine Internationale Bauausstellung ist keine gewöhnliche Messe. Sie soll beispielhafte Lösungen für Stadtentwicklung, Architektur, Flächennutzung und gesellschaftliche Veränderungen sichtbar machen.

Für Westbrandenburg könnten Leerstände, Industrieflächen, historische Stadtkerne, Klimaanpassung und neue Wohnformen im Mittelpunkt stehen.

Eine Bewerbung allein bringt jedoch noch keine Investitionen. Die Städte benötigen konkrete Projekte, Eigentümer, Finanzierung und einen langfristigen Zeitplan.

Bestehende Gebäude sollen stärker genutzt werden

Die geplante Bauausstellung soll unter anderem den Umbau und die Weiterentwicklung vorhandener Gebäude fördern.

Das ist für Städte mit leer stehenden oder untergenutzten Immobilien besonders wichtig. Der Erhalt vorhandener Substanz kann Ressourcen sparen und historische Ortsbilder bewahren.

Allerdings ist eine Sanierung nicht automatisch günstiger als ein Neubau. Denkmalschutz, Schadstoffe, Brandschutz und schlechte Energieeffizienz können erhebliche Kosten verursachen.

Eine erfolgreiche regionale Strategie muss deshalb Gebäude auswählen, bei denen Nutzen, Finanzierung und spätere Nutzung zusammenpassen.

Klimaanpassung soll regional gedacht werden

Die Internationale Bauausstellung soll außerdem nachhaltige Flächennutzung und Anpassung an die Folgen des Klimawandels thematisieren.

Westbrandenburg ist von Hitze, Trockenheit, Waldbrandrisiken und teilweise niedrigen Wasserständen betroffen. Gleichzeitig müssen Wohnungsbau, Gewerbe und Verkehr entwickelt werden.

Gemeinsame Konzepte könnten Grünzüge, Wasserrückhalt, Hitzeschutz und Flächenmanagement über Stadtgrenzen hinweg planen.

Wasser, Luft und Pendlerverkehr halten sich nicht an kommunale Grenzen. Gerade deshalb ist regionale Abstimmung sinnvoll.

Brandenburg an der Havel beansprucht Führungsrolle

Oberbürgermeister Keip bezeichnet Brandenburg an der Havel als Oberzentrum, das Verantwortung für die gesamte Region übernehmen müsse.

Die Stadt verfügt über Klinikum, Hochschule, Verwaltung, Kultur- und Einkaufseinrichtungen, die auch von Menschen aus dem Umland genutzt werden.

Eine Führungsrolle darf jedoch nicht bedeuten, dass kleinere Städte nur Entscheidungen des Oberzentrums übernehmen. Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn alle Partner eigene Interessen einbringen können und konkrete Vorteile erkennen.

Bad Belzig, Premnitz und Rathenow besitzen jeweils eigene wirtschaftliche und infrastrukturelle Stärken.

Nächstes Treffen Anfang 2027

Das nächste gemeinsame Arbeitstreffen soll Anfang 2027 in Bad Belzig stattfinden.

Bis dahin sollten aus den allgemeinen Absichten konkrete Arbeitsaufträge entstehen. Dazu gehören Zuständigkeiten, Termine und messbare Ziele.

Ein weiteres Gespräch ohne sichtbare Ergebnisse würde die Erwartungen enttäuschen. Besonders bei Krankenhausversorgung, Berufemarkt und Bauausstellung muss erkennbar werden, welche Schritte tatsächlich vorbereitet werden.

Regionale Zusammenarbeit braucht Verbindlichkeit

Die vier Städte haben viele gemeinsame Interessen. Das Treffen ist deshalb ein sinnvoller Anfang.

Entscheidend ist nun, ob daraus verbindliche Projekte entstehen. Kooperation darf nicht nur aus Pressefotos, Absichtserklärungen und jährlichen Gesprächsrunden bestehen.

Westbrandenburg kann im Wettbewerb um Fachkräfte, Investitionen und Fördermittel stärker auftreten, wenn Kommunen mit einer gemeinsamen Stimme sprechen. Dafür müssen sie jedoch auch bereit sein, Aufgaben, Erfolge und Kosten fair zu teilen.

Quellen

  1. Stadt Brandenburg an der Havel: „Vier Bürgermeister wollen die Zusammenarbeit in der Region ausbauen“, veröffentlicht am 30. Juli 2026.
  2. Wirtschaftsregion Westbrandenburg: Informationen zur bisherigen Zusammenarbeit von Brandenburg an der Havel, Rathenow und Premnitz.
  3. Stadt Brandenburg an der Havel: Angaben zum Berufemarkt und zur regionalen Fachkräftegewinnung.
  4. Internationale Bauausstellung Berlin Brandenburg: Informationen zum geplanten Zeitraum 2034 bis 2037 und zu möglichen Außenstellen.