Harz. Schroffe Sandsteinfelsen, steile Klippen und jahrhundertealte Sagen: Die Teufelsmauer im nördlichen Harzvorland könnte in wenigen Tagen offiziell Deutschlands Naturwunder 2026 werden.
Die ungewöhnliche Felsformation gehört zu den neun Finalisten der bundesweiten Naturwunderwahl der Heinz Sielmann Stiftung und des Deutschen Wanderverbandes. Noch bis Sonntag, 27. September, können Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz online abstimmen.
Für Sachsen-Anhalt geht damit ein markantes Stück Harzlandschaft ins Rennen.
Mehr als 20 Kilometer Felsen
Die Teufelsmauer erstreckt sich über mehr als 20 Kilometer am nördlichen Harzrand. Sie beginnt mit den Gegensteinen bei Ballenstedt und reicht über markante Felsformationen bis in den Raum Blankenburg. Zu den bekanntesten Punkten gehören unter anderem Königstein, Hamburger Wappen sowie die Felsklippen Großvater und Großmutter.
Geologisch handelt es sich um harten Sandstein aus der oberen Kreidezeit. Die heute sichtbaren Felsen sind rund 80 Millionen Jahre alt und wurden durch tektonische Vorgänge sowie die jahrmillionenlange Wirkung von Wind und Wasser herausgearbeitet.
Die Felslandschaft ist damit weit mehr als eine spektakuläre Kulisse für Wanderer.
Zwischen den kargen Felsen und nährstoffarmen Böden finden spezialisierte Pflanzen und zahlreiche Tierarten Rückzugsräume. Genannt werden unter anderem Wanderfalken, Fledermäuse, Zauneidechsen und Schlingnattern.
Teufelsmauer lag früh deutlich vorn
Dass die Teufelsmauer Chancen auf den Titel hat, zeigte sich bereits zu Beginn der Abstimmung.
Am 9. September führte sie mit 8.170 Stimmen vor den Saalfelder Feengrotten in Thüringen mit 4.951 Stimmen und dem Brenner Moor in Schleswig-Holstein mit 2.629 Stimmen. Seitdem läuft die Abstimmung weiter, sodass diese Zahlen lediglich einen Zwischenstand darstellen.
Für den Förderverein Teufelsmauer Weddersleben ist bereits die Finalteilnahme ein Erfolg. Aus ursprünglich rund 130 Bewerbungen schaffte es die Harzer Felsformation unter die letzten neun Kandidaten.
Ein Sieg würde keine Geldprämie bringen, könnte die bundesweite Bekanntheit der Region aber weiter erhöhen.
Woher kommt der Name Teufelsmauer?
Mit der Geologie allein lässt sich die Faszination des Ortes kaum erklären.
Seit Jahrhunderten ranken sich Sagen um die ungewöhnlichen Felsen. Einer der bekanntesten Überlieferungen zufolge stritten Gott und der Teufel um das Land. Der Teufel sollte jenes Gebiet behalten dürfen, das er innerhalb einer einzigen Nacht mit einer Mauer umschließen konnte.
Als der Morgen kam, war sein Werk nicht vollendet.
Die bizarren Sandsteinfelsen wurden in der Vorstellung der Menschen zu den verbliebenen Resten dieser gewaltigen Mauer.
Gerade die Verbindung aus Erdgeschichte, Natur und Mythologie macht die Teufelsmauer bis heute zu einem der bekanntesten Ziele im Harzvorland.
Ein ganzes Buch über die Felsen
Diese Verbindung steht auch im Mittelpunkt des Buches „Die Teufelsmauer am Harz“ von Egbert Günther und Gottfried Bürger.
Der 2019 beim Natur+Text Verlag erschienene Band trägt den Untertitel „Von den Gegensteinen bei Ballenstedt bis zum Großvater bei Blankenburg“.
Auf 120 Seiten verbinden die Autoren Fotografien mit Informationen zu Landschaft, Natur, Sagen und Mythen. Der Verlag beschreibt die Teufelsmauer darin als mehr als 20 Kilometer lange Kette steil aufragender Sandsteinfelsen – „wild zerklüftet, artenreich und sagenumwoben“.
Das Buch kostet laut aktuellem Verlagsverzeichnis 14,95 Euro und ist weiterhin erhältlich.
Natur+Text setzt seit Jahrzehnten auf regionale Natur
Der Natur+Text Verlag aus Rangsdorf beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Natur- und Umweltthemen. Die Verlagsabteilung besteht seit 1987 und konzentriert sich besonders auf Veröffentlichungen zum regionalen Naturschutz.
Auch der Harz spielt im Programm mehrfach eine Rolle.
2021 erschien etwa der Bildband „Vögel im Harz – Artenreichtum eines kleinen Gebirges“ von Egbert Günther und Bernd Nicolai. Das Buch stellt die Vogelwelt des Harzes vor und versteht sich zugleich als Plädoyer für den Schutz ihrer Lebensräume.
Damit fügt sich die Teufelsmauer in ein Verlagsprogramm ein, das Naturgeschichte und regionale Besonderheiten Ostdeutschlands dokumentiert.
Vom Gegenstein bis zum Großvater
Besonders anschaulich zeigt sich die Landschaft an den unterschiedlichen Abschnitten der Felskette.
Bei Ballenstedt ragen die Gegensteine aus der Landschaft. Weiter westlich folgen die bekannten Felsen bei Weddersleben und schließlich die spektakulären Formationen zwischen Timmenrode und Blankenburg.
Genau diese Vielfalt zeigt auch das für die Berichterstattung freigegebene Bildmaterial des Verlages. Ein Foto von Gottfried Bürger zeigt den Kleinen Gegenstein, an dessen Standort sich nach Angaben des Verlages bereits in der Bronzezeit eine Siedlung befand.
Auch das Cover des Buches stammt von Bürger und zeigt den Königstein an der Thalenser Teufelsmauer am Abend.
Abstimmung läuft noch vier Tage
Für die Teufelsmauer beginnt nun die entscheidende Phase.
Bis zum 27. September läuft die Online-Abstimmung. Danach steht fest, welcher der neun Finalisten den Titel „Naturwunder des Jahres 2026“ erhält.
Die Teufelsmauer bringt dafür einige Argumente mit: Millionen Jahre Erdgeschichte, seltene Lebensräume, spektakuläre Felsen und Sagen, die bis heute weitererzählt werden.
Der Naturwunder-Titel wäre letztlich nur eine neue Bezeichnung für eine Landschaft, die für viele Menschen im Harz längst etwas Besonderes ist.