Wo früher Flugzeuge im Minutentakt abgefertigt wurden, sollen künftig Studierende an erneuerbaren Energien, Stadttechnik und nachhaltigem Bauen forschen. Mit einem symbolischen Spatenstich hat Berlin den Umbau des denkmalgeschützten Terminals A in Tegel begonnen. Der Aufbruch wird jedoch von einer nüchternen Zahl begleitet: Rund 450 Millionen Euro soll der neue Campus inzwischen kosten – und bis zum Einzug könnten noch mindestens fünf Jahre vergehen.

2.500 Studierende sollen nach Tegel ziehen

Am 27. Juli 2026 wurde der offizielle Spatenstich für den neuen Standort der Berliner Hochschule für Technik gesetzt. Das frühere Terminal A soll auf rund 25.000 Quadratmetern zu einem Campus für urbane Technologien umgebaut werden.

Vorgesehen sind Räume für Lehre, Forschung und Begegnung. Nach Angaben der Hochschule sollen unter anderem folgende Bereiche nach Tegel ziehen:

  • erneuerbare Energien,
  • Architektur und Bauwesen,
  • urbane Pflanzenforschung,
  • Gebäude- und Energietechnik,
  • Verkehr und nachhaltige Stadtentwicklung.

Rund 2.500 Studierende sollen den neuen Campus künftig nutzen. Neben Laboren sind auch Freiflächen für Versuche und anwendungsnahe Forschung geplant.

„Der BHT-Campus ist ein zentraler Baustein“ des neuen Innovations- und Forschungsstandortes.

So beschreibt die Hochschule die Bedeutung des Projekts für die geplante Urban Tech Republic auf dem ehemaligen Flughafengelände.

Der Campus soll Wissenschaft und Unternehmen räumlich zusammenbringen. Forschungsergebnisse könnten dadurch schneller in neue Produkte, Gebäude- und Energiekonzepte oder kommunale Anwendungen übertragen werden.

Aus dem Terminal wird ein Baudenkmal mit Laboren

Der Umbau ist technisch anspruchsvoll. Terminal A steht unter Denkmalschutz. Die markante sechseckige Grundstruktur und wesentliche Teile der Fassade sollen erhalten bleiben.

Auch die farbigen Orientierungstürme des Flughafengebäudes sollen restauriert werden. Gleichzeitig müssen in dem Bau moderne Labore, Seminarräume, Arbeitsplätze und technische Anlagen untergebracht werden. Die Fassade soll weitgehend bewahrt und teilweise durch neue Verglasungen ergänzt werden.

Damit treffen unterschiedliche Anforderungen aufeinander:

  • Schutz der historischen Architektur,
  • moderne Energie- und Gebäudetechnik,
  • hohe Sicherheitsanforderungen für Labore,
  • barrierefreie Erschließung,
  • flexible Räume für Forschung und Lehre,
  • wirtschaftlicher Betrieb des Gebäudes.

Gerade die Verbindung von Denkmalschutz und moderner Hochschulnutzung kann Kosten und Bauzeit erhöhen. Änderungen an der Planung sind schwieriger als bei einem Neubau auf freier Fläche.

Kosten steigen auf rund 450 Millionen Euro

Die Berliner Hochschule beziffert die derzeitigen Projektkosten auf rund 450 Millionen Euro. Im Februar 2026 sagte der Senat davon 170 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes zu.

Die Finanzierung war zuvor wegen der angespannten Berliner Haushaltslage erneut unsicher geworden. Die Hochschule erklärte, mit der Zusage solle ein möglichst früher Baubeginn ermöglicht und eine weitere Verteuerung verhindert werden.

Die bisher bekannte Finanzierung umfasst damit:

  • geschätzte Gesamtkosten: rund 450 Millionen Euro,
  • zugesagte Mittel aus dem Sondervermögen: 170 Millionen Euro,
  • verbleibender Finanzierungsbedarf: rund 280 Millionen Euro,
  • geplante Fläche: etwa 25.000 Quadratmeter,
  • vorgesehene Nutzerzahl: rund 2.500 Studierende.

Der rechnerische Restbedarf bedeutet nicht automatisch, dass 280 Millionen Euro vollständig neu gesucht werden müssen. Teile können bereits in bestehenden Haushalts- und Investitionsplanungen berücksichtigt sein. Entscheidend bleibt jedoch, ob die Mittel rechtzeitig und verbindlich zur Verfügung stehen.

Unklar war nach Angaben der Hochschule zunächst auch, in welchem Jahr die zugesagten 170 Millionen Euro tatsächlich abgerufen werden können. Sollten die Mittel 2027 bereitstehen, hielt die zuständige Senatsverwaltung eine Übergabe des fertigen Projekts im Jahr 2032 für möglich.

Spatenstich bedeutet noch keinen schnellen Einzug

Die Hochschule weist selbst darauf hin, dass sich der Zeitplan bereits mehrfach verschoben hat. Trotz des Baustarts werde es mindestens fünf weitere Jahre dauern, bis der Campus eröffnet werden könne.

Zwischen dem öffentlichkeitswirksamen Spatenstich und dem regulären Hochschulbetrieb liegen noch zahlreiche Schritte:

  • Entkernung und Schadstoffprüfung,
  • denkmalgerechte Sanierung,
  • Einbau der technischen Infrastruktur,
  • Bau und Ausstattung der Labore,
  • Brandschutz und Genehmigungen,
  • Möblierung und Umzug der Fachbereiche.

Bei einem Projekt dieser Größe können schon einzelne Verzögerungen erhebliche finanzielle Folgen haben. Steigende Baupreise, zusätzliche Denkmalschutzauflagen oder technische Änderungen würden nicht nur den Einzug verschieben, sondern auch die Gesamtkosten erhöhen.

Der Spatenstich ist deshalb eher der Beginn einer neuen Projektphase als das Ende der jahrelangen Unsicherheit.

Tegel braucht mehr als einen Hochschulcampus

Der Campus ist Teil der geplanten Urban Tech Republic. Auf dem früheren Flughafengelände sollen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups an Lösungen für die Stadt der Zukunft arbeiten.

Der wirtschaftliche Erfolg hängt jedoch nicht allein von modernen Laboren ab. Entscheidend sind auch:

  • eine leistungsfähige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr,
  • bezahlbare Wohnungen für Studierende und Beschäftigte,
  • eine schnelle Entwicklung der angrenzenden Gewerbeflächen,
  • die Ansiedlung passender Unternehmen,
  • ausreichende soziale und öffentliche Infrastruktur.

Der frühere Flughafen liegt zwar innerhalb Berlins, besitzt aber bislang keinen direkten Anschluss an das U- oder S-Bahn-Netz. Busverbindungen können einen wachsenden Wissenschafts- und Gewerbestandort nur begrenzt erschließen.

Sollten künftig Tausende Studierende, Lehrende und Beschäftigte täglich nach Tegel fahren, könnte die Verkehrsanbindung zu einem der entscheidenden Engpässe werden.

Zwischen Zukunftsversprechen und Haushaltsrealität

Für Berlin ist der Campus mehr als ein Hochschulbau. Er soll zeigen, dass das ehemalige Flughafengelände zu einem international sichtbaren Standort für Technologie und nachhaltige Stadtentwicklung werden kann.

Die Ausgangslage bleibt dennoch widersprüchlich. Berlin will einen Zukunftscampus errichten, muss zugleich aber Hochschulen und Wissenschaft in einem angespannten Haushalt finanzieren. Das Projekt profitiert von einem milliardenschweren Sondervermögen, bleibt jedoch anfällig für weitere Kostensteigerungen.

Der Umbau kann Tegel langfristig beleben und der Berliner Hochschule dringend benötigte Forschungsflächen verschaffen. Ob daraus tatsächlich das versprochene Zentrum für urbane Technologien entsteht, entscheidet sich jedoch nicht beim Spatenstich.

Entscheidend wird sein, ob Berlin den Bau bis zur Fertigstellung finanziert, den Zeitplan einhält und den neuen Campus auch verkehrlich mit der übrigen Stadt verbindet.

Quellen und Datenbasis

  • Berliner Hochschule für Technik: „Spatenstich für BHT-Campus in Tegel“, 28. Juli 2026.
  • Berliner Hochschule für Technik: Informationen zum Campus TXL, geplanten Fachgebieten und zur Nutzung des ehemaligen Terminals A.
  • Berliner Hochschule für Technik: Finanzierung des Campus mit 170 Millionen Euro aus dem Sondervermögen sowie Angaben zu Gesamtkosten und möglichem Fertigstellungstermin, 16. Februar 2026.