Immer mehr Menschen können ihren Lebensunterhalt im Alter nicht mehr allein aus ihrer Rente bestreiten. In Berlin ist die Zahl der Betroffenen innerhalb weniger Jahre erheblich gestiegen.

Mehr als 60.000 Menschen beziehen Grundsicherung

Ende 2025 waren in Berlin mehr als 60.000 Menschen oberhalb der Regelaltersgrenze auf Grundsicherung angewiesen. Im Jahr 2016 waren es noch rund 41.000. Damit stieg die Zahl innerhalb von neun Jahren um etwa 50 Prozent.

Bereits 2024 bezogen 8,8 Prozent der Berliner im entsprechenden Alter Grundsicherung. Der bundesweite Anteil lag mit 4,1 Prozent nicht einmal halb so hoch.

Die staatliche Leistung wird gezahlt, wenn Renten und andere Einkünfte nicht ausreichen, um den notwendigen Lebensunterhalt zu decken.

Zahl der Wohngeldempfänger fast vervierfacht

Auch beim Wohngeld zeigt sich eine deutliche Entwicklung. Zwischen 2015 und 2024 stieg die Zahl älterer Wohngeldempfänger in Berlin auf mehr als 33.000 Menschen. Damit hat sie sich innerhalb dieses Zeitraums nahezu vervierfacht.

Ein Teil des Anstiegs ist auf die Wohngeldreform von 2023 zurückzuführen, durch die mehr Haushalte anspruchsberechtigt wurden. Gleichzeitig verdeutlichen die Zahlen, wie stark steigende Mieten und Wohnkosten ältere Menschen in der Hauptstadt belasten.

Im Jahr 2025 erhielten insgesamt 55.480 Berliner Haushalte Wohngeld. Mehr als die Hälfte der reinen Wohngeldhaushalte bestand aus Rentnern oder Pensionären.

Lange gearbeitet und trotzdem nur eine kleine Rente

Besonders auffällig ist, dass auch lange Erwerbszeiten nicht zuverlässig vor Altersarmut schützen. Viele Menschen erhalten trotz mindestens 40 Versicherungsjahren eine Rente von weniger als 1.446 Euro.

In Berlin betrifft dies gut 30 Prozent der Männer und fast die Hälfte der Frauen mit einer entsprechend langen Erwerbsbiografie.

Frauen sind damit besonders stark gefährdet. Ursachen können unter anderem niedrigere Einkommen, Teilzeitarbeit, Kindererziehungszeiten und Unterbrechungen der Berufstätigkeit sein.

Ausgaben steigen auf mehr als eine halbe Milliarde Euro

Die zunehmende Bedürftigkeit belastet zugleich den Berliner Haushalt. Die Ausgaben für die Grundsicherung im Alter erhöhten sich nach Angaben der Senatsverwaltung zwischen 2020 und 2025 von rund 287 Millionen Euro auf mehr als 521 Millionen Euro.

Damit sind die Ausgaben innerhalb von fünf Jahren um mehr als 80 Prozent gestiegen.

Der Berliner Sozialbericht zeigt ebenfalls eine angespannte Lage. Rund ein Fünftel der Bevölkerung gilt als armutsgefährdet. Die Altersarmut liegt in Berlin mit etwa sieben Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Geplante Wohngeldkürzungen sorgen für zusätzliche Unsicherheit

Die Bundesregierung plant nach Angaben des rbb, die bundesweiten Wohngeldausgaben von derzeit fünf auf drei Milliarden Euro zu reduzieren. Ein erheblicher Teil des Wohngeldes wird an Rentnerhaushalte ausgezahlt.

Sollten die geplanten Kürzungen umgesetzt werden, könnten gerade ältere Menschen mit geringen Renten zusätzlich unter Druck geraten. Angesichts hoher Mieten und steigender Lebenshaltungskosten bleibt vielen Betroffenen nur wenig finanzieller Spielraum.

Quellen

Rundfunk Berlin-Brandenburg – Recherche zur Entwicklung von Grundsicherung und Wohngeld bei älteren Menschen in Berlin, veröffentlicht am 3. August 2026

Amt für Statistik Berlin-Brandenburg – Wohngeldstatistik Berlin 2025

Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung – Sozialbericht 2025, veröffentlicht am 16. April 2026