Kurz vor dem Beginn des neuen Ausbildungsjahres haben in Berlin noch 10.648 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz gefunden. Das waren Ende Juli 888 beziehungsweise 9,1 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Gleichzeitig meldeten die Betriebe nur noch 5.562 unbesetzte Ausbildungsstellen – 555 weniger als im Juli 2025.
Nicht einmal eine offene Stelle für zwei Bewerber
Die rechnerische Lücke auf dem Berliner Ausbildungsmarkt ist erheblich. Auf knapp 10.650 unversorgte Bewerber kamen Ende Juli lediglich rund 5.560 noch freie betriebliche Ausbildungsstellen.
Damit stand rechnerisch nur für ungefähr jeden zweiten noch suchenden Jugendlichen eine gemeldete Stelle zur Verfügung. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jede freie Stelle und jeder Bewerber zueinander passen. Wohnort, Schulabschluss, Berufswunsch und Anforderungen der Unternehmen spielen bei der Vermittlung eine entscheidende Rolle.
Mehr Jugendliche suchen Unterstützung
Zwischen Oktober 2025 und Juli 2026 meldeten sich insgesamt 22.564 Menschen bei den Berliner Arbeitsagenturen und Jobcentern, um Unterstützung bei der Suche nach einer Ausbildung zu erhalten.
Das waren 1.772 Personen oder 8,5 Prozent mehr als im vorherigen Ausbildungsjahr. Von ihnen hatten bis Ende Juli 11.916 bereits einen Ausbildungsplatz oder eine andere Anschlussmöglichkeit gefunden.
Zahl der angebotenen Stellen geht zurück
Während die Zahl der Bewerber steigt, melden Berliner Unternehmen weniger Ausbildungsstellen.
Seit Beginn des Berichtsjahres wurden 13.463 betriebliche Ausbildungsplätze registriert. Das waren 353 beziehungsweise 2,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang bei den noch unbesetzten Stellen: Ihre Zahl sank innerhalb eines Jahres um 9,1 Prozent.
Die Entwicklung ist für die Berliner Wirtschaft problematisch. Viele Unternehmen klagen seit Jahren über fehlenden Nachwuchs und Schwierigkeiten bei der Besetzung von Fachkräftestellen. Gleichzeitig gelingt es offenbar nicht, genügend Jugendliche und Betriebe zusammenzubringen.
Arbeitsagentur spricht von besorgniserregender Lage
Die Chefin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, Carina Knie-Nürnberg, bezeichnete die Lage auf dem Berliner Ausbildungsmarkt als besorgniserregend.
Aus ihrer Sicht müssen Arbeitsagenturen, Schulen und Unternehmen im August und September ihre Anstrengungen verstärken. Betriebe seien aufgefordert, auch Jugendlichen eine Chance zu geben, die nicht in jedem Punkt dem ursprünglichen Wunschprofil entsprechen.
Ein Ausbildungsbeginn ist auch nach dem offiziellen Start des Ausbildungsjahres noch möglich. Verträge können häufig bis in den Herbst hinein geschlossen werden.
Brandenburg steht deutlich besser da
Im benachbarten Brandenburg ist das Verhältnis zwischen Bewerbern und freien Stellen wesentlich ausgeglichener.
Dort suchten Ende Juli noch 5.138 Menschen einen Ausbildungsplatz. Gleichzeitig waren 5.017 betriebliche Stellen unbesetzt. Rechnerisch kam damit nahezu eine freie Stelle auf jeden noch unversorgten Bewerber.
Allerdings sank auch in Brandenburg die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze gegenüber dem Vorjahr um 10,4 Prozent. Die Lage ist somit günstiger als in Berlin, aber ebenfalls nicht frei von Problemen.
Schwache Wirtschaft belastet Ausbildungsmarkt
Die Bundesagentur führt die Entwicklung auch auf die anhaltend schwache wirtschaftliche Lage zurück. Unternehmen, die sich mit Investitionen und Neueinstellungen zurückhalten, bieten häufig auch weniger Ausbildungsplätze an.
Im Juli stieg die Berliner Arbeitslosigkeit auf 223.863 Menschen. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 10,2 auf 10,4 Prozent. Besonders stark nahm die Arbeitslosigkeit bei Menschen unter 25 Jahren zu.
Fehlende Ausbildungsplätze können diese Entwicklung langfristig verschärfen. Jugendliche ohne Berufsabschluss haben ein deutlich höheres Risiko, später arbeitslos zu werden oder dauerhaft nur gering bezahlte Tätigkeiten auszuüben.
Betriebe müssen Hürden senken
Die bloße Forderung nach mehr Bewerbern reicht nicht aus. Unternehmen müssen ihre Ausbildungsangebote so gestalten, dass junge Menschen sie tatsächlich erreichen können.
Dazu gehören verständliche Ausschreibungen, schnelle Rückmeldungen, Praktikumsmöglichkeiten und eine zuverlässige Betreuung während der Ausbildung. Auch Unterstützung bei Fahrtkosten, Arbeitskleidung oder einem notwendigen Führerschein kann die Attraktivität erhöhen.
Gleichzeitig sollten Jugendliche bereit sein, neben ihrem ursprünglichen Wunschberuf auch verwandte Ausbildungsberufe zu prüfen. Häufig führen unterschiedliche Ausbildungswege später zu vergleichbaren beruflichen Möglichkeiten.
Last-Minute-Börse Ende August
Für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz veranstaltet die Jugendberufsagentur am 27. August eine Last-Minute-Börse im Kosmos an der Karl-Marx-Allee.
Zwischen 10 und 15 Uhr sollen Bewerber mit Unternehmen zusammengebracht werden, die noch freie Ausbildungsstellen anbieten. Arbeitgeber können auch weiterhin zusätzliche Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit melden.
Fachkräftemangel beginnt bei der Ausbildung
Berlin kann den Fachkräftemangel nicht allein durch Zuwanderung oder die Anwerbung bereits ausgebildeter Arbeitskräfte lösen.
Wenn Tausende Jugendliche keinen Ausbildungsplatz finden, während Unternehmen gleichzeitig über fehlenden Nachwuchs klagen, liegt ein strukturelles Vermittlungsproblem vor. Wirtschaft, Politik und Arbeitsverwaltung müssen deshalb schneller und verbindlicher handeln.
Jeder Jugendliche, der ohne Ausbildung bleibt, ist nicht nur ein persönlicher Verlust. Er fehlt später auch als Fachkraft in Handwerk, Pflege, Handel, Verwaltung oder Industrie.
Quellen
- Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit: „Schwacher Arbeitsmarkt schlägt auf Ausbildungsmarkt durch“, 31. Juli 2026.
- Bundesagentur für Arbeit: Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt Berlin-Brandenburg, Juli 2026.