Berlin hat einen ungewöhnlichen Juli hinter sich. Die durchschnittliche Temperatur lag nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes bei 19,7 Grad und damit 1,4 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Gleichzeitig fiel in keinem anderen Bundesland mehr Niederschlag. Berlin war damit warm, aber anders als weite Teile Deutschlands nicht zu trocken.

Der Deutsche Wetterdienst wertete für seine vorläufige Monatsbilanz die Messungen von rund 2.000 Wetterstationen aus. Die endgültigen Werte können sich nach der vollständigen Prüfung noch geringfügig verändern.

68 Liter Regen pro Quadratmeter

In Berlin fielen im Juli durchschnittlich rund 68 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das waren etwa 14 Liter mehr als im langjährigen Vergleichswert von 54 Litern und damit rund ein Viertel mehr als üblich. Kein anderes Bundesland erreichte eine höhere durchschnittliche Regenmenge.

Die Hauptstadt bildete damit eine Ausnahme. Deutschlandweit war der Juli bereits der fünfte zu trockene Monat in Folge. Mit Ausnahme Berlins blieb jedes Bundesland unter dem Niederschlagssoll der Referenzperiode 1961 bis 1990.

Die Berliner Monatswerte im Überblick:

  • Durchschnittstemperatur: 19,7 Grad
  • Abweichung vom Mittel 1991 bis 2020: plus 1,4 Grad
  • Niederschlag: rund 68 Liter je Quadratmeter
  • Langjähriger Niederschlagswert: rund 54 Liter
  • erwarteter Höchstwert zum Monatsende: etwa 35 Grad

Regen bedeutet nicht automatisch Entlastung

Die vergleichsweise hohe Niederschlagssumme sagt wenig darüber aus, wie gleichmäßig sich der Regen über den Monat verteilte. Kurze und kräftige Schauer können große Mengen bringen, ohne trockene Böden dauerhaft ausreichend zu durchfeuchten.

In einer dicht bebauten Stadt fließt Starkregen zudem häufig über Straßen, Dächer und versiegelte Flächen schnell in die Kanalisation ab. Für Bäume, Grünanlagen und tiefere Bodenschichten ist länger anhaltender, mäßiger Regen meist wirksamer.

Die Berliner Bilanz sollte deshalb nicht als grundsätzlich entspannte Wassersituation verstanden werden. Entscheidend sind neben der Gesamtmenge auch:

  • Dauer und Stärke der einzelnen Regenfälle,
  • Verteilung über die Stadt,
  • Zustand und Aufnahmefähigkeit der Böden,
  • Anteil versiegelter Flächen,
  • Wasserspeicherung in Parks und Grünanlagen.

Der Monat endete mit großer Hitze

Die Mitteltemperatur von 19,7 Grad berücksichtigt warme und kühlere Tage sowie die nächtlichen Werte. Besonders heiß wurde es zum Monatsende. Für Berlin und Brandenburg erwartete der DWD am letzten Julitag Höchsttemperaturen um 35 Grad.

Der Juli begann nach der außergewöhnlichen Hitze Ende Juni zunächst etwas gemäßigter. Danach wechselten wärmere und kühlere Abschnitte, insgesamt blieb das Temperaturniveau jedoch erhöht. Deutschlandweit lag die Juli-Mitteltemperatur ebenfalls bei 19,7 Grad und damit 1,4 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020.

Für eine Großstadt ist nicht allein die Tageshöchsttemperatur entscheidend. Gebäude, Straßen und Plätze speichern Wärme und geben sie nachts nur langsam wieder ab. Dadurch kann sich der Körper während längerer warmer Phasen schlechter erholen.

Besonders belastend sind solche Nächte für:

  • ältere Menschen,
  • chronisch Kranke,
  • kleine Kinder,
  • Menschen in schlecht gedämmten Dachwohnungen,
  • Wohnungslose,
  • Beschäftigte mit körperlich anstrengender Arbeit.

Berlin steht vor einer doppelten Aufgabe

Die Wetterbilanz zeigt, dass sich Berlin gleichzeitig auf Hitze und kräftige Regenfälle vorbereiten muss. Mehr Schatten und Stadtgrün helfen dabei in beide Richtungen: Bäume kühlen ihre Umgebung und unversiegelte Flächen können Wasser aufnehmen.

Zu den möglichen Maßnahmen gehören:

  • zusätzliche Straßenbäume,
  • entsiegelte Höfe und Plätze,
  • begrünte Dächer und Fassaden,
  • schattige Aufenthaltsbereiche,
  • Trinkbrunnen,
  • Regenrückhalteflächen,
  • bessere Warn- und Hilfsangebote bei Hitze.

Ein einzelner warmer oder nasser Monat lässt sich nicht unmittelbar als Beweis für eine langfristige Entwicklung verwenden. Die Kombination aus hohen Temperaturen, trockenen Phasen und örtlich starkem Regen entspricht jedoch genau den Belastungen, auf die Städte ihre Infrastruktur zunehmend ausrichten müssen.

Vorläufige Zahlen mit klarer Aussage

Die DWD-Daten für Juli 2026 sind noch vorläufig. Dennoch ist die Richtung eindeutig: Berlin erlebte einen überdurchschnittlich warmen Monat und erhielt zugleich mehr Regen als im langjährigen Vergleich.

Damit unterschied sich die Hauptstadt deutlich von großen Teilen Deutschlands, in denen außergewöhnliche Trockenheit und sehr viele Sonnenstunden den Monat prägten. Bundesweit wurden rund 272 Sonnenstunden gezählt – etwa 30 Prozent mehr als im Mittel der Jahre 1961 bis 1990.

Für Berlin lautet die Bilanz deshalb nicht einfach „zu heiß und zu trocken“. Treffender ist: deutlich zu warm, zeitweise heiß und insgesamt ungewöhnlich niederschlagsreich.

Die nächste Aufgabe besteht darin, das gefallene Wasser besser in der Stadt zu halten und gleichzeitig Wohngebiete, Straßen und öffentliche Plätze gegen längere Hitzeperioden zu schützen.

Quellen und Datenbasis

  • Deutscher Wetterdienst: vorläufige Bilanz „Deutschlandwetter im Juli 2026“ vom 30. Juli 2026.
  • DWD-Angaben zur Berliner Mitteltemperatur, Niederschlagsmenge und Abweichung vom Klimamittel.