3.560 Straftaten an Berliner Kurfürstenstraße: Kinder brauchen Schutzzaun
Die Sicherheitslage rund um die Kurfürstenstraße in Berlin-Schöneberg bleibt angespannt. Von Januar bis Anfang Oktober 2026 registrierte die Polizei 3.560 Straftaten. Ein hoher Zaun soll Kinder und Jugendliche auf dem Gelände eines Jugendclubs schützen. Manche werden auf ihrem Heimweg begleitet.
Berlin-Schöneberg. Die Situation rund um die Kurfürstenstraße bereitet Anwohnern und Behörden weiterhin erhebliche Sorgen. Offener Drogenkonsum, Straßenprostitution und zunehmende Verschmutzung belasten den Alltag im Kiez. Zwischen Januar und Anfang Oktober 2026 registrierte die Polizei im Umfeld der Straße insgesamt 3.560 Straftaten. Die Zahlen gehen aus einer Antwort des Berliner Senats auf eine parlamentarische Anfrage der CDU hervor.
Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Auf dem Gelände einer Jugendfreizeiteinrichtung wurde ein hoher Schutzzaun errichtet. Einige Besucher müssen auf ihrem Heimweg zeitweise von Sozialarbeitern oder älteren Jugendlichen begleitet werden.
Polizei registriert Diebstähle, Gewalt und Drogendelikte
Die Kriminalitätszahlen zeigen, wie vielfältig die Probleme im Umfeld der Kurfürstenstraße sind. Zu den häufigsten erfassten Straftaten gehören Diebstahl, Körperverletzung, Bedrohung und Einbruch.
Hinzu kommen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Hausfriedensbruch, Raubdelikte und Sexualstraftaten.
Die Zahl von 3.560 Straftaten bezieht sich auf das gesamte untersuchte Gebiet und den Zeitraum von Januar bis Anfang Oktober. Sie bedeutet nicht, dass sämtliche Taten unmittelbar auf offener Straße begangen wurden oder ausschließlich der Drogenszene zuzuordnen sind.
Die Kurfürstenstraße ist seit Jahrzehnten als Standort der Straßenprostitution bekannt. In den vergangenen Jahren hat sich dort zusätzlich eine offene Drogenszene entwickelt, die zunehmend das öffentliche Leben beeinflusst.
Nach Angaben des Berliner Senats gehen bei den Behörden regelmäßig Beschwerden aus der Nachbarschaft ein. Bewohner berichten unter anderem von offenem Drogenkonsum, Verschmutzungen und Auseinandersetzungen im öffentlichen Raum.
Hoher Zaun soll Kinder und Jugendliche schützen
Die Folgen der Entwicklung sind besonders für soziale Einrichtungen spürbar.
Auf dem Gelände eines Jugendclubs wurde ein hoher Zaun errichtet, um Kinder und Jugendliche besser vor den Auswirkungen der Drogenszene zu schützen.
Ein Problem sind herumliegende Drogenutensilien und andere gefährliche Abfälle. Dazu gehören insbesondere gebrauchte Spritzen, die für Kinder ein erhebliches Verletzungsrisiko darstellen können.
Auch der Weg zwischen der Einrichtung und dem Wohnort bereitet Sorgen. Teilweise begleiten Sozialarbeiter oder ältere Jugendliche die Besucher auf einem Abschnitt ihres Heimwegs.
Die Maßnahmen verdeutlichen, wie stark sich die Sicherheitsprobleme auf den Alltag junger Menschen auswirken.
Bereits zuvor hatte der Berliner Senat über Schutzmaßnahmen für die nahe gelegene Kita „Haus der Kinder“ in der Kurmärkischen Straße informiert. Dort war für 2025 ein hoher Sichtschutzzaun mit einem Investitionsvolumen von 110.000 Euro vorgesehen.
Nach damaligen Angaben gelangten wiederholt gebrauchte Spritzen und andere Drogenutensilien auf das Gelände der Kindertagesstätte.
Auch Frauen in der Straßenprostitution fühlen sich bedroht
Die angespannte Situation betrifft nicht nur Anwohner und Familien. Auch Frauen, die im Umfeld der Kurfürstenstraße der Prostitution nachgehen, berichten von zunehmenden Problemen.
Nach Angaben des Berliner Senats stammen viele der dort tätigen Frauen aus Ungarn, Bulgarien und Rumänien.
In Gesprächen mit sozialen Einrichtungen schilderten Betroffene, dass die wachsende Drogenszene ihren Arbeitsalltag verändert habe.
Insbesondere Menschen, die unter starkem Drogeneinfluss stehen und sich unberechenbar verhalten, würden zunehmend als bedrohlich wahrgenommen.
Hinzu kommen lautstarke Auseinandersetzungen, Verschmutzungen und Situationen, in denen sich Menschen gegenseitig bedrängen.
Die Belastungen treffen damit unterschiedliche Gruppen, die sich denselben öffentlichen Raum teilen.
Neue Drogen erschweren die Arbeit der Hilfskräfte
Eine zusätzliche Herausforderung stellt der Konsum besonders stark wirkender Substanzen dar.
Nach Einschätzung der Berliner Behörden können neuere Drogen lang anhaltende psychische Ausnahmezustände auslösen. Betroffene sind dann teilweise schwer ansprechbar und ihr Verhalten kann für Außenstehende schwer einzuschätzen sein.
Gerade der Konsum von Crack beschäftigt die Berliner Drogenhilfe zunehmend.
Eine Untersuchung zur Crack-Situation in Berlin beschreibt mehrere offene Drogenszenen im Stadtgebiet. Dazu gehört auch der Bereich um die Yorck- und Kurfürstenstraße in Schöneberg.
Die Untersuchung verdeutlicht, dass sich Drogenkonsum und die damit verbundenen sozialen Probleme nicht auf einen einzelnen Stadtteil beschränken.
Für die Hilfsangebote bedeutet dies, dass sowohl die medizinische Versorgung als auch die soziale Betreuung der Betroffenen berücksichtigt werden müssen.
Anwohner fordern seit Monaten Veränderungen
Die Sicherheitslage beschäftigt auch die Bewohner des Kurfürstenkiezes.
Bereits im Juni 2026 demonstrierten Anwohner unter dem Motto „Unser Kiez, unser Zuhause“ für mehr Sicherheit.
Zu ihren Forderungen gehörten ein stärkeres Vorgehen gegen den offenen Drogenhandel sowie Einschränkungen der Straßenprostitution in unmittelbarer Nähe von Schulen, Kindertagesstätten und Senioreneinrichtungen.
Über den richtigen Umgang mit der Situation bestehen allerdings unterschiedliche politische Auffassungen.
Während Vertreter der CDU stärkere Einschränkungen der Straßenprostitution verlangen, warnen andere Parteien und soziale Träger davor, bestehende Probleme lediglich in benachbarte Straßen zu verlagern.
Seit Jahren gibt es im Kiez verschiedene Beratungs- und Unterstützungsangebote. Dazu gehören Hilfen für obdachlose Menschen, Drogenabhängige und Frauen in der Prostitution.
Eine dauerhafte Entspannung der Lage konnte bislang nicht erreicht werden.
Weitere Gespräche im November geplant
Vom 17. bis zum 25. November 2026 ist im Kurfürstenkiez eine Aktionswoche vorgesehen.
Die Stadtteilkoordinationen Schöneberg Nord und Tiergarten-Süd sowie die Arbeitsgruppe Sexarbeitsgesetz wollen unterschiedliche Gruppen miteinander ins Gespräch bringen.
An den Veranstaltungen sollen sich unter anderem Anwohner, Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sowie weitere Interessierte beteiligen können.
Dabei geht es um die Entwicklung im Kiez, aktuelle rechtliche Fragen und die Auswirkungen des Drogenkonsums.
Für Familien und soziale Einrichtungen bleibt unterdessen die unmittelbare Sicherheit entscheidend. Der Schutzzaun am Jugendclub und die Begleitung von Kindern auf dem Heimweg sind Maßnahmen, die den Alltag erleichtern sollen.
Die grundlegenden Probleme rund um die Kurfürstenstraße sind damit jedoch noch nicht gelöst.