Warum die innere Uhr unsere Gesundheit beeinflusst: Charité lädt zur Sonntagsvorlesung
Wenn der Körper aus dem Takt gerät
Berlin. Unsere innere Uhr bestimmt weit mehr als den Zeitpunkt, an dem wir müde werden oder aufwachen. Sie beeinflusst den Stoffwechsel, den Blutdruck, das Immunsystem und sogar die Wirkung von Medikamenten. Was passiert, wenn dieser biologische Rhythmus aus dem Gleichgewicht gerät, und welche Folgen hat das für die Gesundheit? Darüber informieren zwei Wissenschaftler der Berliner Charité am Sonntag, 8. November 2026, bei einer öffentlichen Vorlesung. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr am Campus Charité Mitte. Der Eintritt ist frei.
Unter dem Titel „Wie die innere Uhr unsere Gesundheit beeinflusst“ erklären der Chronobiologe Professor Achim Kramer und der Intensivmediziner Professor Alawi Lütz, welche Rolle biologische Rhythmen im Alltag und bei der Behandlung schwerkranker Menschen spielen.
Die innere Uhr steuert zahlreiche Körperfunktionen
Der menschliche Organismus folgt einem biologischen Zeitplan. Dieser sogenannte circadiane Rhythmus umfasst ungefähr 24 Stunden und beeinflusst zahlreiche Vorgänge im Körper.
Besonders deutlich zeigt sich das beim Schlaf-Wach-Rhythmus. Zu bestimmten Tageszeiten fühlen wir uns wach und leistungsfähig, zu anderen nimmt die Müdigkeit zu.
Doch die innere Uhr steuert nicht nur den Schlaf.
Auch die Ausschüttung von Hormonen, die Körpertemperatur, der Stoffwechsel und die Aktivität des Immunsystems unterliegen zeitlichen Schwankungen.
Der Chronobiologe Professor Achim Kramer leitet den Arbeitsbereich Chronobiologie an der Charité. In seinem Vortrag erläutert er, wie die biologischen Uhren funktionieren und warum ein Alltag, der dauerhaft gegen den eigenen Rhythmus verläuft, gesundheitliche Probleme begünstigen kann.
Dabei geht es auch um die Frage, weshalb Menschen unterschiedliche Schlaf- und Wachgewohnheiten haben und welche Bedeutung diese Unterschiede für ihren Alltag besitzen.
Warum der Zeitpunkt einer Behandlung wichtig sein kann
Ein weiterer Schwerpunkt der Vorlesung ist die sogenannte circadiane Medizin.
Dieser Forschungsbereich untersucht, wie biologische Rhythmen bei der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen berücksichtigt werden können.
Denn nicht alle Körperfunktionen arbeiten zu jeder Tageszeit gleich.
Auch die Aufnahme, Verarbeitung und Wirkung bestimmter Medikamente können vom Zeitpunkt ihrer Einnahme abhängen.
Die Forschung beschäftigt sich deshalb mit der Frage, ob medizinische Behandlungen wirksamer oder besser verträglich sein können, wenn sie auf den biologischen Rhythmus abgestimmt werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Patienten ihre Medikamente eigenständig zu anderen Uhrzeiten einnehmen sollten. Veränderungen der Einnahmezeiten sollten grundsätzlich mit den behandelnden Ärzten abgestimmt werden.
Professor Kramer wird erläutern, welche Erkenntnisse die Chronobiologie bereits gewonnen hat und welche Möglichkeiten sich daraus für die Medizin ergeben könnten.
Besonders auf Intensivstationen gerät der Rhythmus durcheinander
Wie wichtig der Tag-Nacht-Rhythmus für die Gesundheit ist, zeigt sich auch bei schwerkranken Menschen.
Patienten auf Intensivstationen sind häufig besonderen Belastungen ausgesetzt. Erkrankungen, medizinische Behandlungen, künstliche Beleuchtung und notwendige nächtliche Untersuchungen können den gewohnten Tagesablauf erheblich verändern.
Der natürliche Wechsel zwischen Schlaf und Wachsein wird dadurch teilweise gestört.
Professor Alawi Lütz, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Charité, beschäftigt sich mit den Auswirkungen solcher Veränderungen.
In seinem Vortrag stellt er aktuelle Forschungsergebnisse vor und erläutert, wie sich der biologische Rhythmus schwerkranker Patienten gezielt unterstützen lässt.
Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob stabilere Tag-Nacht-Strukturen dazu beitragen können, die Genesung zu fördern.
Die Forschungsergebnisse könnten auch Hinweise darauf liefern, wie sich gesunde Schlaf- und Lebensgewohnheiten im Alltag unterstützen lassen.
Was jeder für seinen biologischen Rhythmus tun kann
Die Bedeutung der inneren Uhr reicht weit über medizinische Einrichtungen hinaus.
Auch Schichtarbeit, unregelmäßige Schlafenszeiten oder häufig wechselnde Tagesabläufe können dazu führen, dass biologische Rhythmen nicht mehr mit dem tatsächlichen Alltag übereinstimmen.
Die Forschung untersucht, welche gesundheitlichen Folgen daraus entstehen können und wie sich der Organismus bei der Anpassung an veränderte Tagesabläufe unterstützen lässt.
Zu den wichtigen äußeren Zeitgebern gehört das Tageslicht.
Es hilft dem Körper, seinen inneren Rhythmus an den natürlichen Wechsel zwischen Tag und Nacht anzupassen.
Auch regelmäßige Schlafenszeiten und ein möglichst gleichmäßiger Tagesablauf können zur Stabilisierung des Schlaf-Wach-Rhythmus beitragen.
Welche Maßnahmen wissenschaftlich gut belegt sind und wo noch Forschungsbedarf besteht, soll ebenfalls Thema der Veranstaltung sein.
Kostenlose Vorlesung am 8. November in Berlin-Mitte
Die Sonntagsvorlesung findet am Sonntag, 8. November 2026, um 14 Uhr im Hörsaal Innere Medizin am Campus Charité Mitte statt.
Die offizielle Anschrift lautet Charitéplatz 1, 10117 Berlin. Der Zugang zum Veranstaltungsgelände erfolgt über den Sauerbruchweg 2. Ein barrierefreier Zugang ist über den Virchowweg 9 möglich.
Der Eintritt ist kostenlos.
Die Charité weist darauf hin, dass Ton-, Foto- und Videoaufzeichnungen während der Veranstaltung sowie deren Verbreitung nicht gestattet sind.
Wer nicht persönlich teilnehmen kann, hat die Möglichkeit, die Vorlesung später als Audiomitschnitt über das Angebot „Sonntagsvorlesung nachgehört“ auf der Internetseite der Charité und über deren YouTube-Kanal anzuhören.
Medizinisches Wissen für die Öffentlichkeit
Die Sonntagsvorlesungen haben an der Berliner Charité eine lange Tradition.
Erstmals wurde die Veranstaltungsreihe am 13. März 1977 ins Leben gerufen. Im Jahr 2008 wurde das Format neu aufgelegt.
Ziel ist es, aktuelle medizinische Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu vermitteln.
Wissenschaftler und Ärzte berichten dabei über neue Entwicklungen in Diagnostik, Therapie und Prävention sowie über laufende Forschungsprojekte.
Zu den zuletzt veröffentlichten Audiovorträgen gehören Veranstaltungen über Bauchfellkrebs, Endometriose und Psychosomatik.
Mit der kommenden Vorlesung richtet die Charité den Blick nun auf einen Bereich der Medizin, der jeden Menschen betrifft: die biologischen Rhythmen des eigenen Körpers.