Eine bedeutende wissenschaftliche Auszeichnung geht nach Mecklenburg-Vorpommern: Die Rostocker Neurochirurgin Privatdozentin Dr. Silvia Hernández Durán erhält den Wilhelm Vaillant-Preis 2026 für ihre Forschungen zur Behandlung schwerer Kleinhirninfarkte. Die Oberärztin an der Universitätsmedizin Rostock untersucht gemeinsam mit Forschenden aus mehr als zehn deutschen Universitätskliniken, wann eine Operation notwendig ist und welche Behandlungsmethode den Betroffenen besonders helfen kann. Der mit insgesamt 20.000 Euro dotierte Preis wird am 18. Dezember in München verliehen.
Forschung zu lebensbedrohlichen Kleinhirninfarkten
Ein Kleinhirninfarkt ist eine besondere Form des Schlaganfalls. Dabei wird die Blutversorgung eines Bereichs des Kleinhirns unterbrochen, wodurch Nervengewebe geschädigt werden kann.
Das Kleinhirn übernimmt wichtige Aufgaben bei der Koordination von Bewegungen und bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts.
Ein größerer Infarkt kann jedoch noch weitreichendere Folgen haben. Durch die Schwellung des geschädigten Gewebes kann innerhalb des Schädels gefährlicher Druck entstehen.
Da das Kleinhirn in unmittelbarer Nähe zum Hirnstamm liegt, können schwere Schwellungen lebenswichtige Funktionen beeinträchtigen.
In solchen Fällen müssen Ärztinnen und Ärzte häufig unter großem Zeitdruck entscheiden, ob eine operative Behandlung erforderlich ist.
Genau mit diesen schwierigen medizinischen Entscheidungen beschäftigt sich die Forschung von Silvia Hernández Durán.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Im Mittelpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeiten steht die Frage, welche Patientinnen und Patienten von einem neurochirurgischen Eingriff profitieren.
Nicht jeder Kleinhirninfarkt muss operiert werden. Je nach Ausmaß der Schädigung, Krankheitsverlauf und neurologischem Zustand kommen unterschiedliche Behandlungsverfahren infrage.
Bei schweren Verläufen kann es jedoch notwendig werden, durch einen operativen Eingriff zusätzlichen Raum für das geschwollene Hirngewebe zu schaffen.
Für behandelnde Mediziner ist es deshalb entscheidend, möglichst zuverlässig einschätzen zu können, wann eine Operation Vorteile bietet und wann andere Behandlungsmöglichkeiten vorzuziehen sind.
Hernández Durán hat dazu gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus mehr als zehn deutschen Universitätskliniken umfangreiche Untersuchungen durchgeführt.
Dabei beschäftigte sich das Forschungsteam sowohl mit chirurgischen als auch mit medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten.
Zudem wurde untersucht, welches operative Vorgehen unter bestimmten Voraussetzungen günstiger sein könnte.
Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, medizinische Entscheidungen stärker auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu stützen.
Zusammenarbeit von mehr als zehn Universitätskliniken
Die ausgezeichneten Forschungsarbeiten sind das Ergebnis einer umfangreichen wissenschaftlichen Zusammenarbeit.
Neben der Universitätsmedizin Rostock waren mehrere neurochirurgische und neurologische Einrichtungen deutscher Universitätskliniken beteiligt.
Auch die frühere Arbeitsstätte der Wissenschaftlerin in Göttingen spielte eine Rolle.
Innerhalb der Universitätsmedizin Rostock arbeiteten insbesondere die Neurochirurgie, die Neurologie und die Neuroradiologie zusammen.
Diese interdisziplinäre Kooperation ist bei komplexen Schlaganfallerkrankungen von besonderer Bedeutung.
Während die Neurologie den Krankheitsverlauf und die neurologischen Auswirkungen beurteilt, liefern bildgebende Untersuchungen wichtige Informationen über die Veränderungen im Gehirn.
Die Neurochirurgie prüft schließlich, ob ein operativer Eingriff notwendig und medizinisch sinnvoll ist.
Durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen und Kliniken können Behandlungserfahrungen und wissenschaftliche Daten gemeinsam ausgewertet werden.
Klinikdirektor würdigt praktische Bedeutung
Professor Dr. Dr. Thomas Freiman, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie an der Universitätsmedizin Rostock, begrüßt die Auszeichnung.
Er betont, dass der Wilhelm Vaillant-Preis bislang überwiegend für Arbeiten aus der medizinischen Grundlagenforschung vergeben worden sei.
Dass in diesem Jahr eine operativ tätige Neurochirurgin ausgezeichnet werde, sei deshalb besonders erfreulich.
Freiman hebt insbesondere den praktischen Nutzen der Forschung hervor.
„Die Ergebnisse von PD Dr. Hernández Durán helfen uns, die Entscheidung für oder gegen eine Operation besser zu begründen“, erklärt der Klinikdirektor.
Damit würdigt er einen Forschungsansatz, der unmittelbar an konkrete Herausforderungen in der Versorgung schwer erkrankter Menschen anknüpft.
Wissenschaftlerin bedankt sich bei ihrem Forschungsteam
Auch Silvia Hernández Durán selbst sieht in der Auszeichnung eine Anerkennung der gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit.
„Der Wilhelm Vaillant-Preis ist für mich eine besondere Anerkennung und zugleich Motivation für die weitere Arbeit“, erklärt die Neurochirurgin.
Besonders betont sie die Zusammenarbeit mit den beteiligten Kolleginnen und Kollegen.
Ihr Dank gilt dem Team der Rostocker Neurochirurgie, den Fachbereichen Neurologie und Neuroradiologie sowie den beteiligten Kliniken in Göttingen und an weiteren Universitätsstandorten.
Die Wissenschaftlerin macht damit deutlich, dass die Forschungsergebnisse nicht allein auf die Arbeit einer einzelnen Person zurückgehen.
Vielmehr haben zahlreiche medizinische Fachkräfte und Forschungseinrichtungen dazu beigetragen, die Erkenntnisse zu gewinnen.
Wilhelm Vaillant-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert
Der Wilhelm Vaillant-Preis wird von der Wilhelm Vaillant-Stiftung für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der theoretischen und klinischen Medizin vergeben.
Die Auszeichnung gehört zu den medizinischen Forschungspreisen, für die ausschließlich bestimmte wissenschaftliche Einrichtungen Kandidatinnen und Kandidaten vorschlagen dürfen.
Vorschlagsberechtigt sind die medizinischen Fakultäten der deutschen Hochschulen, Max-Planck-Institute sowie medizinisch forschende Einrichtungen der Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft.
Die Auswahl richtet sich damit an wissenschaftliche Leistungen aus unterschiedlichen Bereichen der modernen Medizin.
Der Preis ist insgesamt mit 20.000 Euro dotiert.
Im Jahr 2026 wird er zwischen zwei Wissenschaftlerinnen geteilt.
Neben Silvia Hernández Durán erhält auch Dr. Maria Rohm vom Helmholtz Zentrum München die Auszeichnung.
Die Preisverleihung findet am 18. Dezember 2026 im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums am LMU Klinikum München statt.
Auszeichnung stärkt Medizinstandort Rostock
Für die Universitätsmedizin Rostock ist die Ehrung zugleich eine Anerkennung ihrer klinischen Forschung.
Die Untersuchungen zur Behandlung von Kleinhirninfarkten verbinden wissenschaftliche Fragestellungen mit konkreten Entscheidungen im medizinischen Alltag.
Gerade bei schweren Schlaganfällen können solche Erkenntnisse helfen, Behandlungsmöglichkeiten besser gegeneinander abzuwägen.
Die ausgezeichneten Arbeiten tragen dazu bei, die medizinische Grundlage für Entscheidungen über operative Eingriffe weiterzuentwickeln.
Dabei bleibt die Behandlung eines Schlaganfalls immer eine individuelle medizinische Entscheidung, die sich nach dem Zustand der betroffenen Person und den jeweiligen Untersuchungsergebnissen richtet.
Mit dem Wilhelm Vaillant-Preis erhält die Arbeit der Rostocker Neurochirurgin nun überregionale Anerkennung.
Die Auszeichnung zeigt zugleich die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Universitätskliniken für die Weiterentwicklung moderner Behandlungsmethoden.
Am 18. Dezember wird Silvia Hernández Durán den Preis in München entgegennehmen – für Forschungsarbeiten, die künftig dazu beitragen können, die Versorgung von Menschen mit schweren Kleinhirninfarkten weiter zu verbessern.