Dresden. Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden steht ein Führungswechsel bevor. Die langjährige Klinikdirektorin Prof. Thea Koch wird im Frühjahr 2027 in den Ruhestand gehen. Ihr Nachfolger wird Prof. Peter Spieth, der bereits seit mehreren Jahren als stellvertretender Klinikdirektor tätig ist. Bis zur vollständigen Übergabe sollen beide die Klinik gemeinsam leiten.

Mit dem geplanten Generationswechsel setzt das Dresdner Universitätsklinikum auf personelle Kontinuität. Spieth kennt die Einrichtung seit zwei Jahrzehnten und hat insbesondere die Intensivmedizin und die medizinische Forschung am Standort maßgeblich mitgestaltet.

Gemeinsame Leitung soll reibungslosen Übergang sichern

Der Führungswechsel wird schrittweise vorbereitet. Im Rahmen eines sogenannten Shared-Leadership-Modells übernehmen Koch und Spieth zunächst gemeinsam Verantwortung für die Klinik. Damit will das Universitätsklinikum sicherstellen, dass wichtige Entscheidungen und laufende Entwicklungen ohne Unterbrechungen fortgeführt werden können.

„Wir sind sehr dankbar, dass Prof. Thea Koch die Klinik mit ihrem Engagement und ihrer Expertise so geprägt und für die Zukunft aufgestellt hat“, erklärt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden.

Mit Spieth übernehme ein erfahrener Mediziner, der sowohl mit den klinischen Abläufen als auch mit den wissenschaftlichen Strukturen vertraut sei.

Auch Koch unterstützt die Entscheidung für ihren bisherigen Stellvertreter. Sie verweist auf dessen fachliche Kompetenz, langjährige Leitungserfahrung und Innovationskraft.

Thea Koch prägte die Dresdner Universitätsmedizin

Die Medizinerin begann 1998 als stellvertretende Direktorin an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie in Dresden. Bereits 2002 übernahm sie deren Leitung. Damit wird sie die Klinik bei ihrem Ausscheiden rund 25 Jahre lang geführt haben.

Während dieser Zeit setzte Koch zahlreiche medizinische und organisatorische Entwicklungen um. Dazu gehört insbesondere die Einführung eines innerklinischen Notfallteams sowie regelmäßiger Notfallschulungen für Beschäftigte. Nach Angaben des Universitätsklinikums konnten dadurch Herz-Kreislauf-Stillstände im Vergleich zu anderen Krankenhäusern deutlich reduziert werden.

Auch bei der Einführung ultraschallgestützter Regionalanästhesieverfahren gehörte ihre Klinik zu den Vorreitern. Diese Verfahren ermöglichen eine gezieltere Betäubung einzelner Körperregionen und können die Sicherheit von Patienten während medizinischer Eingriffe verbessern.

Darüber hinaus engagierte sich Koch intensiv in Forschung und Lehre. Von 2006 bis 2013 war sie Studiendekanin der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Weitere Tätigkeiten führten sie unter anderem in wissenschaftliche Fachgremien der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Bundesärztekammer.

Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die Behandlung schwerer Infektionen und die künstliche Beatmung. Ein Beispiel für ihre Arbeit ist der Aufbau des Comprehensive Sepsis-Centrums Dresden/Kreischa, das die Versorgung schwer erkrankter Patienten über verschiedene Behandlungsbereiche hinweg verbessern soll.

Aktuell beteiligt sie sich zudem an einem internationalen europäischen Forschungsprojekt, das untersucht, wie künstliche Intelligenz bei der individuell abgestimmten Beatmung von Patienten eingesetzt werden kann.

Peter Spieth übernimmt mit langjähriger Führungserfahrung

Mit Prof. Peter Spieth tritt ein Mediziner die Nachfolge an, dessen beruflicher Werdegang eng mit dem Dresdner Universitätsklinikum verbunden ist.

Nach seinem Medizinstudium in Tübingen und Dresden begann Spieth 2006 seine Tätigkeit an der Klinik. Ein Jahr später promovierte er an der TU Dresden mit der Bestnote „summa cum laude“. Seine Habilitation folgte 2014 mit einer wissenschaftlichen Arbeit zur variablen druckunterstützten Beatmung.

Internationale Forschungserfahrung sammelte er unter anderem an der University of Toronto sowie bei Aufenthalten in Rio de Janeiro und Adelaide.

Neben seiner Facharztausbildung für Anästhesiologie erwarb Spieth zusätzliche Qualifikationen in der Notfall- und Intensivmedizin. Seit 2016 leitet er die anästhesiologische Intensivstation, 2018 wurde er stellvertretender Klinikdirektor.

Im selben Jahr übernahm er eine Professur für Anästhesiologie und Intensivtherapie mit dem Schwerpunkt differenzierte Lungenunterstützung an der TU Dresden.

Berufung nach Dresden statt Wechsel an andere Universität

Besondere Bedeutung hat die Entscheidung Spieths, einen Ruf auf eine W3-Professur an einer anderen Medizinischen Fakultät abzulehnen.

Stattdessen wurde er mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 auf die W3-Professur für Anästhesiologie und Intensivtherapie an der TU Dresden berufen.

Die Dekanin der Medizinischen Fakultät, Prof. Esther Troost, begrüßt diese Entscheidung ausdrücklich. Sie sieht darin eine Stärkung des Wissenschaftsstandortes Dresden und wichtige Perspektiven für die Weiterentwicklung von Forschung und medizinischen Innovationen.

Spieth beschäftigt sich wissenschaftlich unter anderem mit modernen Beatmungsverfahren, digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen, Datenwissenschaften und intelligenter Sensorik.

Nach Angaben des Universitätsklinikums hat er bislang mehr als 170 wissenschaftliche Fachpublikationen veröffentlicht und Drittmittel von über drei Millionen Euro eingeworben.

Zentrale Rolle während der Corona-Pandemie

Zu Spieths wichtigsten klinischen Aufgaben gehört der Aufbau und die Weiterentwicklung des Dresdner ARDS/ECMO-Zentrums.

Dort werden unter anderem Patienten mit schwerstem Lungenversagen behandelt. Bei besonders kritischen Krankheitsverläufen können spezielle Verfahren eingesetzt werden, die den Gasaustausch außerhalb des Körpers unterstützen.

Das Zentrum entwickelte sich unter seiner Leitung nach Angaben des Universitätsklinikums zu einer der größten und angesehensten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.

Während der COVID-19-Pandemie übernahm Spieth außerdem eine zentrale Rolle bei der Koordination der intensivmedizinischen Versorgung im Krankenhaus-Cluster Ostsachsen.

Seit 2024 ist er zudem Gründungsdirektor des Interdisziplinären Zentrums für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Dresden.

Klinik versorgt jährlich Tausende schwerkranke Patienten

Die Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie gehört zu den zentralen medizinischen Einrichtungen des Dresdner Universitätsklinikums. Ihr Aufgabenbereich reicht weit über die klassische Narkose während einer Operation hinaus.

Mehr als 170 ärztliche Beschäftigte führen gemeinsam mit dem Pflegepersonal jährlich rund 35.000 Anästhesieverfahren durch. Hinzu kommt die Behandlung von mehr als 1.500 intensivstationären Patienten.

Auch die notärztliche Versorgung am Boden und in der Luft gehört zum Verantwortungsbereich der Klinik. Zusätzlich werden jährlich bei mehr als 23.000 Visiten Patienten mit akuten und chronischen Schmerzen betreut.

Die vier zentralen Aufgabenfelder umfassen Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie.

Mit der geplanten Übergabe im Frühjahr 2027 endet eine langjährige Ära an der Spitze der Dresdner Klinik. Zugleich übernimmt mit Peter Spieth ein Nachfolger, der sowohl die medizinische Versorgung als auch die Forschung und Lehre am Standort bereits seit vielen Jahren mitgestaltet.