Noch sind nicht alle Namen offiziell bestätigt, doch bereits zwei Monate vor der Bürgermeisterwahl zeichnet sich in Bad Muskau ein ungewöhnlich breites Bewerberfeld ab. Amtsinhaber Thomas Krahl will weitermachen, mindestens zwei bekannte Herausforderer stehen bereit. Dahinter beginnt ein Wahlkampf, in dem es nicht nur um Personen geht, sondern um Geld, Vertrauen und die Zukunft einer kleinen Kurstadt mit großen Aufgaben.
Vor dem Rathaus an der Berliner Straße ist vom beginnenden Wahlkampf bislang wenig zu sehen. Keine großen Plakatwände, keine dicht gedrängten Wahlkampfstände. Doch hinter den Kulissen wächst das Interesse an dem wichtigsten kommunalpolitischen Amt der Stadt.
Am 27. September 2026 wählen die Bad Muskauer einen neuen Bürgermeister. Erhält im ersten Wahlgang niemand die erforderliche Mehrheit, soll zwei Wochen später ein weiterer Wahlgang folgen. Der Stadtrat hatte den Termin bereits im Herbst 2025 festgelegt.
Mindestens drei Bewerber sind inzwischen öffentlich bekannt. Nach einem aktuellen Bericht könnten aus ihnen bis zu fünf Kandidaten werden. Ob tatsächlich alle antreten dürfen, hängt von der fristgerechten Einreichung und der Prüfung der Wahlvorschläge ab.
Amtsinhaber Krahl kämpft um eine zweite Amtszeit
Thomas Krahl führt die Stadt seit 2019. Damals fiel die Entscheidung denkbar knapp: Der CDU-Politiker erhielt 890 Stimmen – gerade einmal vier mehr als sein damaliger Herausforderer Frank Budszuhn. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,6 Prozent.
Nun will Krahl erneut antreten. Auf der Internetseite der Stadt wird er weiterhin als amtierender Bürgermeister geführt.
Der Amtsinhaber geht damit in einen Wahlkampf, der auch zu einer Abstimmung über seine bisherige Arbeit werden dürfte. In einem Interview mit der Lausitzer Rundschau machte Krahl deutlich, wie persönlich er seine erneute Kandidatur nimmt:
„Ich habe keinen Plan B.“
Hinter diesem Satz steht ein politisches Risiko. Eine zweite Amtszeit wäre für Krahl die Bestätigung seines bisherigen Kurses. Eine Niederlage würde dagegen bedeuten, dass eine Mehrheit der Wähler einen Wechsel an der Spitze des Rathauses bevorzugt.
Krahl dürfte im Wahlkampf vor allem an seinen laufenden Projekten und seiner Erfahrung im Rathaus gemessen werden. Gleichzeitig muss er erklären, wie Bad Muskau trotz knapper kommunaler Kassen handlungsfähig bleiben soll.
Zwei bekannte Herausforderer – weitere Namen möglich
Als parteilose Bewerberin hat Peggy Gneist ihre Kandidatur angekündigt. Sie stammt aus Bad Muskau, lebte und arbeitete zuletzt jedoch in Berlin. Für die Wahl will sie in ihre Heimatstadt zurückkehren und den Amtsinhaber herausfordern.
Ebenfalls erneut antreten will Frank Budszuhn. Der Pressesprecher des Eishockeyvereins Lausitzer Füchse war bereits 2019 Krahls Gegenkandidat und unterlag nur äußerst knapp. Seine erneute Bewerbung verleiht der Wahl eine besondere politische Spannung: Zwei Männer, die schon vor sieben Jahren nahezu gleichauf lagen, könnten erneut direkt gegeneinander antreten.
Bislang ergibt sich damit folgendes Bild:
- Thomas Krahl, CDU: amtierender Bürgermeister seit 2019
- Peggy Gneist, parteilos: gebürtige Bad Muskauerin mit beruflichem Hintergrund in Berlin
- Frank Budszuhn: erneuter Bewerber nach der knappen Niederlage von 2019
- Bis zu zwei weitere Interessenten: Namen und endgültige Zulassung sind noch offen
- Wahltermin: 27. September 2026
- Möglicher zweiter Wahlgang: zwei Wochen später
Die Zahl der Interessenten ist für eine Stadt von der Größe Bad Muskaus bemerkenswert. Sie kann als Zeichen politischen Engagements verstanden werden. Sie kann aber ebenso darauf hindeuten, dass unterschiedliche Gruppen mit der bisherigen Entwicklung der Stadt unzufrieden sind oder einen Kurswechsel für möglich halten.
Die eigentliche Wahlfrage liegt hinter den Namen
Bad Muskau ist keine gewöhnliche Kleinstadt. Die Stadt muss touristische Erwartungen, die Bedeutung des Welterbes Muskauer Park, den Alltag ihrer Einwohner und begrenzte finanzielle Spielräume miteinander verbinden.
Der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin muss zugleich Verwaltungschef, Krisenmanager und politischer Vermittler sein. Dabei geht es unter anderem um:
- den kommunalen Haushalt und steigende Kosten,
- die Entwicklung der Innenstadt,
- Wohnraum und leer stehende Gebäude,
- die touristische Vermarktung der Kurstadt,
- die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Polen,
- Straßen, Schulen und öffentliche Infrastruktur,
- die Gewinnung von Fachkräften für Verwaltung und Wirtschaft.
Gerade bei einem größeren Kandidatenfeld droht allerdings ein Wahlkampf, der sich zunächst stärker an Personen als an konkreten Konzepten orientiert. Entscheidend wird deshalb sein, ob die Bewerber nachvollziehbar erklären, welche Projekte sie priorisieren – und wie diese finanziert werden sollen.
Noch ist das Feld nicht endgültig zugelassen. Bereits jetzt steht jedoch fest: Die Bürgermeisterwahl von 2026 wird deutlich offener als zunächst erwartet. Für Thomas Krahl ist sie die Abstimmung über eine zweite Amtszeit. Für seine Herausforderer ist sie die Chance, nach dem äußerst knappen Ergebnis von 2019 einen politischen Wechsel herbeizuführen.
Quellen und Datenbasis
- Stadt Bad Muskau: Angaben zum amtierenden Bürgermeister sowie kommunale Wahl- und Ergebnisinformationen.