Drei Kurzfilme des FilmCamps ClipQuest.Lausitz sind seit Montag online abrufbar. Die Produktionen, die Ende August innerhalb von fünf Tagen in Bautzen entstanden, zeigen neue Perspektiven auf sorbische Kultur, den Wandel der Landschaft und das Handwerk in der Oberlausitz.
Unter dem Motto „Perspektivwechsel. Die besten Geschichten entstehen dazwischen.“ entwickelten drei Teams gemeinsam mit erfahrenen Mentoren aus der Filmbranche eigene Geschichten. Im Mittelpunkt standen keine bekannten Ansichten oder touristischen Bilder der Region. Die jungen Filmschaffenden suchten gezielt nach Themen, die erst durch unterschiedliche Blickwinkel sichtbar werden.
Das Ergebnis sind die drei Kurzfilme „Kulturelle Grenzgänger“, „Grenzen der Landschaft“ und „Formen der Zukunft“. Sie beschäftigen sich mit Tradition und Neuinterpretation, Vergangenheit und Gegenwart sowie mit Freundschaft und Verlust. Alle Produktionen können über den Videokanal der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien angesehen werden.
Fünf Tage von der Idee bis zum Film
Innerhalb von fünf Tagen mussten die Teams ihre Geschichten entwickeln, Drehorte finden, Aufnahmen erstellen und das Material schneiden. Unterstützt wurden sie dabei von den Mentoren Till Börner, Felix Meutzner und Matteo Rüger.
Organisiert wurde das FilmCamp von der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien. Gastgeber war die Stadt Bautzen. Projektmanagerin Anne Heidrich zufolge war besonders interessant, wie sich die Teilnehmenden der Oberlausitz näherten und aus ihren unterschiedlichen Erfahrungen eigene Filmideen entwickelten.
Die Premiere fand im Haus der Sorben in Bautzen statt. Dort präsentierten die Teams ihre fertigen Produktionen erstmals vor Publikum. Eine fünfköpfige Jury bewertete die Filme, wobei die Ergebnisse nach Angaben der Organisatoren eng beieinanderlagen. Zur Jury gehörte auch der Bautzener Bürgermeister Dr. Robert Böhmer.
Sorbische Kultur zwischen Tradition und Pop
Der Kurzfilm „Kulturelle Grenzgänger“ stellt zwei Menschen gegenüber, die sich auf unterschiedliche Weise mit sorbischer Kultur beschäftigen. Dafür traf das Team um Mentor Till Börner Monika Oschika vom Sorbischen Museum Bautzen und Simon Heiduschka von der Band „Popsorben“.
Der Film zeigt, dass sich Tradition und moderne Ausdrucksformen nicht ausschließen müssen. Bewahren bedeutet demnach nicht zwangsläufig Stillstand. Überlieferte Kultur kann weiterleben, wenn eine neue Generation eigene musikalische, künstlerische und gesellschaftliche Zugänge entwickelt.
Damit greift der Film eine Frage auf, die für die Lausitz zunehmend an Bedeutung gewinnt: Wie bleibt regionale Identität erkennbar, ohne lediglich historische Formen zu wiederholen? Die beiden Porträtierten geben darauf unterschiedliche, aber miteinander vereinbare Antworten.
Landschaftswandel aus zwei Generationen
Einen anderen Blick auf die Region wählt „Grenzen der Landschaft“. Der mit Mentor Felix Meutzner entstandene Kurzfilm erzählt von einer jungen Frau, die das Tagebuch ihres verstorbenen Großvaters findet.
Der Großvater beschreibt die Landschaft seiner Zeit als grau und von Tagebauen, Lärm sowie geschlossenen Grenzen geprägt. Jahrzehnte später betrachtet seine Enkelin denselben Raum. Ihre Wahrnehmung fällt anders aus. Der Satz „Opa, das Grau ist weg“ bringt den Wandel auf den Punkt.
Der Film erzählt damit nicht nur von landschaftlichen Veränderungen, sondern auch davon, wie unterschiedlich Generationen dieselbe Heimat wahrnehmen. Erinnerungen an Industrie, Eingriffe in die Natur und politische Grenzen treffen auf die Erfahrungen einer jüngeren Generation.
Handwerk wird zur Zukunftsfrage
Den weitesten erzählerischen Bogen spannt „Formen der Zukunft“ des Teams um Mentor Matteo Rüger. Zwei junge Frauen begeben sich darin auf eine Reise zu traditionellen Handwerksbetrieben der Oberlausitz.
Die Stationen führen unter anderem zum Orgelbau Eule und zur Hammermühle in Bautzen, in die Uhrmacherwerkstatt Paul Morgenstern in Obercunnersdorf sowie zur TELUX. Während eine der Frauen von Beginn an begeistert ist, begegnet die andere dem Thema zunächst skeptisch.
Aus den Gesprächen mit den Handwerkern entsteht nach und nach ein neuer Blick auf Berufe, Wissen und regionale Traditionen. Eine überraschende Wendung macht aus dem Film zugleich eine Geschichte über Freundschaft, Verlust und gemeinsame Erinnerungen.
Fortsetzung im Jahr 2027 noch offen
Zu den Teilnehmenden gehörte Anna Weinfurter aus der Nähe von München. Sie war erstmals beim FilmCamp dabei und brachte nach eigenen Angaben nur wenig Erfahrung mit Dreharbeiten und Filmschnitt mit. Besonders beeindruckt habe sie die Zusammenarbeit innerhalb der neu zusammengestellten Teams.
Für die Suche nach Nachwuchs arbeitete die Marketing-Gesellschaft erneut mit der Kreativplattform Pazz zusammen. Dadurch konnten auch junge Filmschaffende erreicht werden, die über die bisherigen Kanäle des Projekts nicht angesprochen worden waren.
Ob ClipQuest.Lausitz im Jahr 2027 fortgesetzt wird, steht noch nicht fest. Projektmanagerin Darleen Nebelung sieht in den bisherigen beiden Ausgaben jedoch großes Potenzial. Im Mittelpunkt stehe weniger der Wettbewerb als die Möglichkeit, von erfahrenen Filmschaffenden zu lernen, eigene Ideen auszuprobieren und neue Fähigkeiten zu entwickeln.
Quellen
Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH, Pressemitteilung vom 7. September 2026